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Ein Tempolimit könnte der Kirche zufolge auch die Zahl der Staus auf den Autobahnen reduzieren. Foto: epd-Bild
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Das Kreuz mit dem Tempolimit

15. März 2019

Die "Thüringen Ausstellung" auf der Erfurter Messe wirbt dieser Tage mit 750 Ausstellern rund um Bauen und Wohnen. Auch die beiden großen Kirchen sind da. Das Hauptthema an ihrem Stand: Was geht die Kirche Tempo 130 auf der Autobahn an?

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Ein Tempolimit könnte der Kirche zufolge auch die Zahl der Staus auf den Autobahnen reduzieren. Foto: epd-Bild

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Erfurt (epd). Im Knick zwischen Halle 1 und 2 präsentieren sich die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und das Bistum Erfurt auf der "Thüringen Ausstellung" in der Erfurter Messe. An ihrem gemeinsamen Stand steht links eine Stellwand zu den zehn Geboten, rechts ein Regal mit Broschüren. Im Hintergrund ist eine Karte zu sehen. Sie zeigt, wo die beiden Konfessionen zu Hause sind. Der eigentliche Hingucker sind indes drei Röhren.

In diese drei Röhren können Bälle in knalligem Orange eingeworfen werden. Darüber erklärt ein Schild, worum es geht: "Tempolimit 130 auf Autobahnen". Die möglichen Antworten lauten "Ja", "Egal" und "Nein". Um die Mittagsstunde sind die Röhren unterschiedlich gefüllt. Bei "Ja" finden sich die meisten Bälle. Es ist eine Momentaufnahme. Manchmal ist auch die "Nein"-Röhre als erste gefüllt, sagt Solveig Grahl von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

Diskussionen mit Leidenschaft

Auch dann werden alle entleert, die Blitzumfrage beginnt neu. Meistens, aber nicht immer, sind es die Männer, die mit "Nein" stimmen. Oft, aber durchaus mit Ausnahmen, werfen die Frauen ihr Bällchen bei "Ja" ein. Einige unterschreiben dann auch auf den ausgelegten Listen für die Petition, ehe sie weiterschlendern.

Solveig Grahl betreut die Auftritte der EKM in den sozialen Netzwerken, etwa bei Facebook. Während hier auf der Messe mit Leidenschaft, aber in der Regel freundlich, über das Thema Höchstgeschwindigkeit gestritten wird, ist sie im weltweiten Netz auch weniger netten Wortmeldungen ausgesetzt. Vor allem, seit ihre Kirche am Aschermittwoch eine Online-Petition für ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern gestartet hat.

Der Kirche geht ihr um den Klimawandel und seine Folgen, um Nächstenliebe mit denen, die bei steigendem Meeresspiegel im Pazifik ihre Heimat verlieren und um Rücksicht auf die, denen das Leben - besonders auf den Schnellstraßen der Republik - viel zu stressig ist. Auch die Bewahrung der Schöpfung wird ins Feld geführt und mit dem Reifenabrieb argumentiert, der die Gewässer verschmutzt. "Ein Tempolimit ist Gottesdienst im Alltag", sagte Landesbischöfin Ilse Junkermann.

Aktion sorgt auch für Verdruss

Doch die Wogen schlagen hoch: "Ich werde wegen dieser lächerlichen Aktion aus der evangelischen Kirche austreten!", lautet ein Facebook-Kommentar. "Warum macht ihr euch bei der EKM nicht in gleicher Weise für den Schutz ungeborenen Lebens stark?", heißt es in einem anderen. Ein Kommentator prophezeit: "Für diese 50.000 Unterschriften treten dieses Jahr wieder 500.000 aus der Kirche aus."

Die Zahl 50.000 spielt auf die laufende Petition an. "Kommen sie bis zum 3. April zusammen, muss sich der Petitionsausschuss des Bundestages der Sache annehmen", erklärt EKM-Sprecher Ralf-Uwe Beck. Jeden Tag müssten dafür knapp 1.800 Unterstützer gewonnen werden, rechnet er vor. Am Anfang schien das leicht, als es nach drei Tagen schon 10.000 Petenten gab. Auch am nunmehr zehnten Tag liegt das Projekt noch einige Hundert Unterstützer vor der Marke. Doch geht die Geschwindigkeit weiter zurück, wird es für das Tempolimit eng.

Einen Grund sieht man bei der EKM auch in mangelnder Hilfe durch die Schwesterkirchen. Nur die Nordkirche, die Bayern sowie die Landeskirche Hessen und Nassau sind in Sachen Petition bisher selbst aktiv, heißt es enttäuscht.

Wendt: Verkehrspolitik hat in der Kirche nichts zu suchen

Dazu kommt ein unerwarteter Zwischenruf aus Torgau. Die Stadt in Nordsachsen gehört als Exklave zum EKM-Gebiet. Dort erregte sich via "Leipziger Volkszeitung" der CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt: "Grüne Verbotspolitik hat in der Kirche nichts zu suchen. Kirche darf nicht bevormunden und die Menschen gängeln", sagte er über die Petition. Er drohte: "Über notwendige Konsequenzen meiner persönlichen Mitgliedschaft in der EKM denke ich angesichts dieser politischen Ausrichtung stark nach."

Wendt ist nicht irgendein Abgeordneter. Der 33-Jährige steht dem Petitionsausschuss des Bundestages vor. Eben diesen Ausschuss will die EKM-Petition erreichen. Solveig Grahl wird derweil am Messestand gefragt, ob die Kirche das Tempolimit nicht den Parteien überlassen sollte. "Aber die trauen sich doch nicht, mit Blick auf ihre Wähler", erklärt sie einer älteren Dame. Die erwidert: "Da haben Sie auch wieder recht!"

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 18. März 2019, 9:03 Uhr


Alle starren auf das Tempo wie das Kaninchen auf die Schlange, anstatt gegen die Hauptunfallursachen anzugehen: Zu dichtes Auffahren, Drängeln, Nötigen, gefolgt von Rechtsüberholen und ständigem Spurwechsel. Auch Sekundenschlaf ist eine sehr häufige Ursache - und zu dem wird es noch viel öfter kommen, wenn man gezwungen ist, bei freier Bahn lange Strecken 130 zu fahren.
Überhöhte Geschwindigkeit ist eher Thema auf Landstraßen - wo es ja Tempolimits gibt.
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Pierre Viret, 2. April 2019, 16:18 Uhr


Über 0,wieviel Prozent Emissionen reden wir bei einem Tempolimit?
Ein Flug nach New York entspricht den Emissionen eines Mittelklassewagens in einem Jahr - warum geht da niemand dran? Und ein Kreuzfahrtschiff schleudert mehr Dreck in die Luft als wieviele Millionen Autos?
Das Gegenargument: Da wohnt ja keiner...
Aber die Klimaerwärmung ist doch ein globales Problem, oder? Und wenn die Kirche sich da auf eine Gartenzwerg-Diskussion einlässt, dann ist das nicht eine Überschreitung ihrer Kompetenz, sondern sie begibt sich damit auf eine Spielwiese.
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