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Chemnitzer Oberbürgermeisterin Ludwig sagt MDR-Podium ab

15. August 2019

Weil der Rechtsextremist Oesterle geladen ist, bleibt die Chemnitzer Oberbürgermeisterin einer Podiumsdiskussion des MDR fern. Sie sieht "eine rote Linie überschritten".

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Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig Foto: epd-Bild

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Chemnitz, Leipzig (epd). Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) hat ihre Teilnahme an einer Podiumsdiskussion des MDR abgesagt. Das bestätigte Stadtsprecher Matthias Nowak dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag in Chemnitz. Ludwig reagiere auf die Tatsache, dass der MDR zur selben Diskussion in Chemnitz auch den Rechtsextremisten Arthur Oesterle eingeladen hat. "Mit einem bekannten Neonazi setzt man sich nicht aufs Podium", sagte Nowak, "da ist eine rote Linie überschritten".

Die für den 22. August geplante Diskussion mit den Protagonisten der TV-Dokumentation "Chemnitz - ein Jahr danach" soll anlässlich einer Preview stattfinden. Ludwig hatte zunächst zugesagt. Danach wurde bekannt, dass Oesterle ein offenbar bekennender Neonazi ist. Er war vom MDR als AfD-Mitglied und Chefordner bei den von "Pro Chemnitz" organisierten Demonstrationen vor einem Jahr angekündigt worden.

Zusage unter anderen Voraussetzungen

Die Oberbürgermeisterin sei nicht davon ausgegangen, dass der MDR sie auf einem Podium platziert, an dem ein Neonazi teilnimmt, sagte Nowak. Insofern habe ihre Zusage unter anderen Voraussetzungen gestanden. Die SPD-Politikerin halte es für falsch, Oesterle ein Podium zu bieten. Am Mittwoch hatte bereits Margarete Rödel von der Grünen Jugend Sachsen ihre Teilnahme an der Diskussionsrunde abgesagt. Ob der MDR weiter an der Veranstaltung festhält, war zunächst unklar.

Auf Twitter hatte die Rundfunkanstalt am Mittwoch erklärt, zu MDR-Previews würden "vor allem Protagonisten eingeladen, die die gesamte Bandbreite des Films widerspiegeln, um dem Publikum einen unmittelbaren Eindruck zu vermitteln und den Austausch zu ermöglichen". Der Film begleite Oesterle kritisch und mache seine rechtsextremen Verbindungen transparent.

Ein Jahr nach tödlicher Gewalt

In Chemnitz war am 26. August 2018 am Rande des Stadtfestes ein 35 Jahre alter Deutsch-Kubaner im Streit erstochen worden. Der tödliche Vorfall löste eine Reihe ausländerfeindlicher Proteste in der Stadt aus, die bundesweit für Aufsehen sorgten. Zudem führte die politische Bewertung der Proteste zu einer Krise in der Bundesregierung und zur Versetzung von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen in den einstweiligen Ruhestand.

Ein Jahr nach den Ausschreitungen laden Chemnitzer Kirchgemeinden am 26. August zu einem Ökumenischen Friedensgottesdienst in die Stadtkirche St. Jakobi ein. Die TV-Doku "Chemnitz - ein Jahr danach" soll am 26. August um 22.45 Uhr im Ersten ausgestrahlt werden.

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