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Bundestag ändert Contergan-Gesetz für mehr Hilfen

15. Dezember 2016

Contergan-Opfer bekommen mehr Geld für Hilfen im Alltag. Der Bundestag beschloss am Donnerstag in Berlin, das komplizierte Antragsverfahren abzuschaffen und jedem Betroffenen pro Jahr 4.800 Euro pauschal auszuzahlen.

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Contergan-Tabletten Foto: epd-Bild

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Berlin (epd). Je nach Grad ihrer Schädigung können die Menschen darüber hinaus zwischen 876 und 9.900 Euro im Jahr erhalten.

Mit der Gesetzesänderung reagiert die Politik auf Probleme bei der Bewilligung der Gelder. Von 30 Millionen Euro, die der Conterganstiftung jährlich zur Verfügung stehen, wurden nur 2,5 Millionen Euro pro Jahr ausgezahlt. Viele Betroffene hätten gar nicht erst einen Antrag gestellt, erklärten Abgeordnete aller Fraktionen.

Auf Augenhöhe mitentscheiden

Contergangeschädigte Menschen erhalten je nach Schwere ihrer Behinderung Renten, die zwischen 635 und 7.175 Euro monatlich liegen. Außerdem können sie Extra-Hilfen beantragen, etwa für Reha-Leistungen oder Hilfsmittel wie Rollstühle. Das soll ihnen helfen, mit den im Alter zunehmenden Einschränkungen und Schmerzen durch die Behinderung zu leben. Gutachten im Auftrag der Bundesregierung kamen aber zu dem Ergebnis, dass die Anträge zu kompliziert, die Bewilligung zu restriktiv und die Hilfen nicht passgenau waren.

Die Conterganopfer zeigten sich von der Bundestagsentscheidung enttäuscht. Ihnen werde in der Conterganstiftung weiter eine echte Mitsprache verwehrt, kritisierte der Bundesvorsitzende des Contergannetzwerks Deutschland, Christian Stürmer. Zwar seien die Verbesserungen begrüßenswert, doch sei Geld nicht alles. Die Betroffenen wollten in der Stiftung auf Augenhöhe mitentscheiden.

Verkürzte Arme und Beine

Die Conterganstiftung wurde auf der Basis von Vereinbarungen zwischen dem Schlafmittel-Hersteller Grünenthal, dem Staat und den Eltern der geschädigten Kinder errichtet. Über sie werden die Renten und weitere Hilfen ausgezahlt, die inzwischen allein aus dem Bundeshaushalt finanziert werden.

Das Schlafmittel Contergan hatte in den 1960er Jahren dazu geführt, dass Frauen, die es genommen hatten, behinderte Kinder zur Welt brachten. Weltweit leben noch rund 2.700 Betroffene, die heute zwischen 50 und 60 Jahre alt sind. Die Behinderung durch verkürzte Arme und Beine, oft auch durch die Schädigung innerer Organe, führt bei vielen zu chronischen Schmerzen und Folgeschädigungen.

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