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Gedenkweg der Kirchen anlaesslich des 80. Jahrestags der Reichpogromnacht
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Berlin erinnert an Opfer der NS-Novemberpogrome von 1938

8. November 2018

Vor 80 Jahren brannten in Deutschland die Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet und Juden angegriffen. Mit den Pogromen gingen die Nazis zur offenen Gewalt gegen Juden über. In Berlin wurde am Donnerstag der Opfer gedacht.

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Gedenkweg der Kirchen anlaesslich des 80. Jahrestags der Reichpogromnacht

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Berlin (epd). Mit einer Gedenkstunde im Abgeordnetenhaus und einem Gedenkweg der Kirchen ist am Donnerstag in Berlin an die Opfer der antijüdischen NS-Pogrome vor 80 Jahren erinnert worden. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der evangelische Bischof Markus Dröge, der katholische Erzbischof Heiner Koch und weitere Vertreter aus Politik, Religion und Gesellschaft riefen dazu auf, Antisemitismus und Intoleranz zu bekämpfen. Am Mahnmal für die ermordeten Juden Europas wurden aus dem Gedenkbuch des Landes Berlin die Namen der fast 56.000 von den Nazis ermordeten Berliner Juden vorgelesen.

Der Regierende Bürgermeister Müller rief in der Gedenkstunde dazu auf, Antisemitismus, Rassismus und antidemokratischen Tendenzen offen und laut entgegenzutreten. Der 9. November 1938 erinnere daran, dass Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich seien, sagte Müller: "Hier sind wir alle in der Pflicht, uns eindeutig zu positionieren."

Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland (SPD), rief dazu auf, die historische Verantwortung, die aus den Verbrechen an den Juden in der NS-Zeit erwachse, anzunehmen. "Die Gnade der späten Geburt zählt nicht", sagte Wieland: "Es reicht nicht aus, nur zu erinnern."

Demokratische Gesellschaft als Denkmal für Opfer

Nach der Gedenkstunde wurden an der Gedenkstätte Topographie des Terrors auf dem Gelände der ehemalige Gestapo-Zentrale der Nazis Kränze für die Opfer niedergelegt und jüdische Gebete gesprochen. Das beste Denkmal für die Opfer sei eine demokratische Gesellschaft, sagte der Direktor der Gedenkstätte, Andreas Nachama, bei der Zeremonie.

Antijüdische Ressentiments seien auch heute verbreitet und würden zum Teil "wieder neu lebendig", sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, beim anschließenden Gedenkweg der Kirchen: "Das ist eine Schande für unser Land." Rechtspopulisten und Rechtsextreme verbreiteten Hass gegen Juden, Flüchtlinge und Minderheiten. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass sich "dieses menschenverachtende Gift" im Land ausbreite.

Bundesweite Aktionswoche gegen Antisemitsmus eröffnet

"Wir wissen, wie oft damals Katholiken und Christen versagt haben", sagte Erzbischof Koch über die NS-Zeit: "Das darf nicht wieder passieren." Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, betonte bei dem Gedenkweg, lebendige Erinnerung sei wichtig für eine demokratische Gesellschaft. Antisemitismus müsse entschlossen bekämpft werden, sagte Klein: "Demokratie braucht Zivilcourage im Alltag."

Klein hatte zuvor am Vormittag gemeinsam mit Israels Botschafter Jeremy Issacharoff in Berlin die bundesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus eröffnet. In den kommenden Wochen sind in ganz Deutschland dazu mehr als 150 Veranstaltungen geplant. An dem Gedenkweg von der Topographie des Terrors zum Holocaust-Mahnmal beteiligten sich kirchlichen Angaben zufolge rund 500 Menschen.

Auch die großen evangelischen Kirchenbünde in Deutschland haben zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht jede Form von Judenhass verurteilt. "Antisemitismus ist kein Phänomen von gestern", erklärten die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) am Donnerstag in Hannover: "Es ist heute weiterhin nötig, allen Formen von Judenfeindschaft und Antisemitismus entgegen zu treten."

Gedenkfeier des Zentralrats der Juden in Würzburg

In Würzburg sollte am Donnerstagabend eine Gedenkfeier des Zentralrates der Juden zur Pogromnacht vor 80 Jahren stattfinden. An der Gedenkfeier wollten auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, teilnehmen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) betonte am Abend bei der Eröffnung einer Ausstellung über Diplomatenberichte über die Pogrome von 1938 in Berlin laut Redemanuskript, mit den brennenden Synagogen seien auch "Anstand und Moral in Schutt und Asche" gesunken. Aus den Berichten der ausländischen Diplomaten über die Pogrome spreche die Mahnung, dass Hass und Hetze in Gewalt münden. Wenn heute wie in Chemnitz wieder offen der Hitlergruß gezeigt werde und "Jude" zum Schimpfwort werde, sei dies unerträglich, betonte Maas: "Das können, dürfen und werden wir nicht hinnehmen."

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