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Der Marienkäfer steht im Mittelpunkt des Nabu-"Insektensommers" Foto: epd-Bild
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Beliebter Glückskäfer

28. Mai 2020

Er gilt als Glücksbringer und viele finden ihn einfach niedlich: den roten Marienkäfer mit sieben schwarzen Punkten. Der Nabu ruft jetzt dazu auf, ihn und seine Verwandten im Garten, Park oder auf dem Balkon besonders zu beobachten.

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Der Marienkäfer steht im Mittelpunkt des Nabu-"Insektensommers" Foto: epd-Bild

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Frankfurt a.M. (epd). Sieben schwarze Punkte auf roten Flügeln: Das ist der klassische Marienkäfer. Wenn er über ein Blatt krabbelt oder auf dem Arm landet, freuen sich nicht nur Kinder. Er ist ein Glückssymbol, hieß früher auch "Herrgottskäfer", "Himmelskäferlein" oder "Marienwürmchen" und galt bei der katholischen Landbevölkerung als Geschenk der Jungfrau Maria. Daher hat der "Siebenpunkt" (Coccinella septempunctata) seinen Namen. In vielen Kulturen ist zudem die Sieben traditionell eine besondere Zahl.

Bei Gärtnern und Pflanzenfreunden ist er beliebt: Denn Marienkäfer machen Blattläusen den Garaus. Bis zu 150 Pflanzensaft saugende Läuse vertilgt ein Marienkäfer täglich, seine Larve frisst in den drei Wochen bis zu ihrer Verpuppung 400 bis 600 Blattläuse.

Insgesamt gibt es in Deutschland 70 Arten des Marienkäfers. Vor allem der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) macht dem Siebenpunkt in Deutschland seit rund 20 Jahren Konkurrenz. Er vermehrt sich dreimal jährlich, der Siebenpunkt nur einmal. Der Käfer mit gelb-orangefarbenem Grundton ist ein enormer Nützling, weil er noch mehr Blattläuse vertilgt. Seine Larve frisst bis zu 2.000 innerhalb von zwei Wochen, der geschlüpfte Käfer täglich 100 bis 270. Albert Wotke, Blogger beim World Wide Fund for Nature (WWF), bezeichnet ihn als "Blattlausmonster".

Siebenpunkt und Asiatischer Marienkäfer

Eben deshalb hatten die Amerikaner den in Japan und China heimischen Nützling schon im vergangenen Jahrhundert in ihren Gewächshäusern ausgesetzt: zur biologischen Schädlingsbekämpfung, also um chemisches Gift zu vermeiden. Von dort gelangte er ins Freiland, wurde 1988 erstmals im US-Bundesstaat Louisiana gesichtet. Auch in Europa wurde er zum Schutz von Kulturpflanzen importiert und 2001 zum ersten Mal in Belgien in der Natur beobachtet, 2002 auch in Westdeutschland. Mittlerweile habe er Europa nahezu "flächendeckend" besiedelt, erklärt Wotke.

Hier setzt der dritte "Insektensommer" des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) an. Um neue Teilnehmer für die jährliche Aktion zu gewinnen, stelle der Nabu zum ersten Mal eine "Entdeckungsfrage": Naturbeobachter sollen melden, wie oft sie den Siebenpunkt und den Asiatischen Marienkäfer entdecken konnten.

Damit wollen die Artenschützer erfahren, wie weit sich die "invasive" Art schon verbreitet hat. Wobei der Siebenpunkt-Marienkäfer nicht gefährdet ist, wie Nabu-Insektenexpertin Lisa Timmermann betont: "Um das Aussterben geht es nicht, sondern um das Entdecken."

Eine Stunde lang zählen

Das Beobachtungsgebiet - sei es im Garten, auf dem Balkon oder in Wald und Feld - soll nicht größer als zehn Meter im Radius sein. Gezählt werden soll eine Stunde lang an einem sonnigen, warmen, windstillen Tag. Im vergangenen Jahr haben sich 16.300 Menschen am "Insektensommer" beteiligt. Mehr als 6.300 Beobachtungen wurden gemeldet.

Für die diesjährige Zählung vom 29. Mai bis 7. Juni und vom 31. Juli bis 9. August in Zusammenarbeit mit der Plattform "www.naturgucker.de" sollen sich die Teilnehmer auf acht "Kernarten" konzentrieren: Neben den Marienkäfern sind das Tagpfauenauge, Admiral, Steinhummel, Hainschwebfliege, Lederwanze, Blutzikade und Gemeine Florfliege. Eine App kann beim Bestimmen helfen: "So können die Tiere einfach und schnell mit dem Smartphone fotografiert und automatisch erkannt werden", sagt der Biologe Gerhard Eppler, Nabu-Landesvorsitzender in Hessen.

Dahinter steckt der Gedanke: Nur was wir kennen, schützen wir auch. Noch gibt es laut Nabu 33.000 Insektenarten in Deutschland. Aber seit der "Krefelder Studie" von 2017 weiß man, dass die Sechsbeiner immer weniger werden. Ihre Biomasse war im Studiengebiet innerhalb von 27 Jahren um 76 Prozent eingebrochen - dabei stand das Studiengebiet unter Naturschutz.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 28. Mai 2020, 16:43 Uhr


Meine Mutter, gebürtig aus Naumburg, kannte für den Marienkäfer den entzückenden Namen "Mutschekiepchen".
Tut nichts zur Sache, ich fand den Namen einfach nur zu nett, um in Vergessenheit zu geraten.
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