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Architekt der Hoffnung und Erinnerung

12. Mai 2016

Seine Bauwerke setzen sich häufig mit den Themen Erinnerung und Hoffnung auseinander. Daniel Libeskind bleibt sich auch mit seinem neuesten Großprojekt treu. Heute wird er 70.

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Daniel Libeskind Foto: epd-Bild

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Es ist ein typisches Libeskind-Vorhaben. Der Sohn polnischer Holocaust-Überlebender, geboren am 12. Mai 1946 in Lódz, hat sich in vielen seiner rund 70 Bauwerke mit Erinnerung und Hoffnung befasst. Zu den Hauptwerken zählen das Jüdische Museum in Berlin, das Militärische Geschichtsmuseum in Dresden, das Kongresszentrum im belgischen Mons, die Keppel Bay Wohntürme in Singapur und das Denver Kunstmuseum. Libeskind-Bauten - das sind spitze Winkel, harte Kanten, Kristall, Licht und leerer Raum, Stahl und Glas.

Internationaler Durchbruch in Berlin

Das Museum in Erbil wurde von der Regierung der Autonomen Region Kurdistan in Auftrag gegeben. Es soll die "reiche Kultur und die Zukunft vom Kurdistan" vermitteln, erklärte Libeskind. Es müsse einen Weg finden zwischen "zwei extremen Emotionen": Trauer wegen der Last der Unterdrückung durch den irakischen Diktator Saddam Hussein und "Freude und Hoffnung beim Blick auf die Zukunft".

Als Architekt sei man zwangsläufig Optimist, sagte Libeskind in einem Interview mit der Architekturwebseite "archdaily.com". Denn ein Architekt entwerfe Projekte, die erst noch realisiert werden müssen. Architekt sei ein "Beruf, der Geschichten erzählt". Bauwerke müssten auf Erinnerungen stehen, denn man könne keine neuen Horizonte öffnen ohne Verankerung in der Geschichte.

Der internationale Durchbruch gelang Libeskind mit dem Jüdischen Museum in Berlin. 2001 eröffnet, ist das Museum heute ein Wahrzeichen der deutschen Hauptstadt. Ein zinkverkleidetes Gebäude mit zackigem Grundriss, der laut Libeskind an einen zerborstenen Davidstern erinnert. Leerräume repräsentieren eine unwiederbringbare Vergangenheit. 2010 wurde dem Baumeister die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen. Libeskind habe mit seinen "Schöpfungen neue Maßstäbe für die Wahrnehmung jüdischer Geschichte gesetzt".

In den USA, wo Libeskind 2003 sein Studio eröffnete, zusammen mit seiner Frau Nina Libeskind als Geschäftsführerin, ist der Architekt bekannt als Planer für die Neubebauung von Ground Zero, dem Ort, wo vor dem Terroranschlag vom September 2001 die Zwillingstürme des World Trade Center standen. Es war ein schwieriger Prozess. Aus Libeskinds "Freiheitsturm" mit "vertikalen Gärten" wurde das "One World Trade Center", das nur wenig an Libeskinds Entwurf erinnert. Hintergrund waren Streitigkeiten über Design und Nutzung - und, wie die "New York Times" berichtete, über Libeskinds Honorar. Erhalten ist freilich Libeskinds Konzept für das sechs Hektar große Areal, auf dem die Zwillingstürme standen. Heute begegnen sich dort Gedenken und Stadtalltag.

Trauer und Hoffnung

Lódz sei für einen jüdischen Jungen in den Jahren nach Krieg und Holocaust gefährlich gewesen, schrieb Libeskind in seiner Autobiografie "Entwürfe meines Lebens". Als der Junge elf war, zog seine Familie nach Israel, zwei Jahre später in die USA. In Interviews und bei Vorträgen spricht Libeskind über seine Ankunft im Hafen von New York und die Freiheitsstatue als Inbegriff der Hoffnung.

Der Entwurf des Kurdistan Museums erinnert an das Jüdische Museum Berlin und Libeskinds Versuch, nach "diesen schrecklichen Ereignissen dem Leben zum Sieg zu verhelfen". Vier Museumsteile repräsentierten die kurdischen Besiedlungsgebiete in der Türkei, im Irak, in Syrien und im Iran. Zwei Linien durchbrechen das Gebäude und treffen sich in einem Innenhof: Eine repräsentiert Trauer, die andere Hoffnung.

Iraks Kurden stehen im Überlebenskampf gegen den Terrorverband "Islamischer Staat". Nach jahrelanger Arbeit im Verborgenen enthüllte Daniel Libeskind das Museumskonzept im April bei der Bloomberg Businessweek Design Konferenz in San Francisco. Zu Zeiten der Zerstörung habe er "das Verlangen, etwas zu bauen", sagte er.

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