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Sonderausstellung "Walt Disney - Mickey, Donald & Friends" in Mainz
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Als Micky Maus noch Anarchist war

14. März 2018

Die Walt-Disney-Figuren sind heute rund um den Globus bekannt. Wie Trickfilme und Comics einst entstanden, zeigt eine Sonderausstellung im Mainzer Landesmuseum.

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Sonderausstellung "Walt Disney - Mickey, Donald & Friends" in Mainz

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Mainz (epd). Es kommt nicht alle Tage vor, dass das Mainzer Landesmuseum im Begleitprogramm zu einer kunsthistorischen Ausstellung wissenschaftliche Fachvorträge mit dem Titel "Horch, horch! Klatsch, klatsch!" ankündigt. Aber die Schau, die dort vom 14. März an zu sehen ist, fällt in jeder Hinsicht aus dem Rahmen: "Walt Disney - Mickey, Donald & Friends" bietet einen Einblick in die Geschichte des Disney-Konzerns und einiger seiner bekanntesten Comic-Figuren. Dabei stehen aber weniger der amerikanische Filmproduzent Walt Disney selbst, sondern vielmehr die bedeutendsten Zeichner der weltbekannten Gestalten im Mittelpunkt.

Die Sonderschau nimmt den Besucher zunächst mit in die Anfangszeit des Unternehmens, erklärt, wie an den Zeichentischen der Disney-Studios ein Heer von Mitarbeitern Trickfilme in industriellem Umfang produzierte. Den Wert der Original-Skizzen erkannte damals noch niemand. "Als die Filme fertig waren, hat man die Zeichnungen weggeschmissen", berichtet Ausstellungskurator Eduard Sebald. Comicstrips, kurze Bildgeschichten für die Zeitung, waren bei Disney anfangs allenfalls ein Nebenprodukt, sie erschienen deutlich später als die Filme. Erst im Laufe der Jahre setzte das Unternehmen sie auch als Werbemittel für die aktuellen Filmproduktionen ein.

Lange nicht signiert

Mit der Disney-Schau wolle das Landesmuseum keineswegs einfach nur dem Massengeschmack nacheilen, betont Kulturstaatssekretär Salvatore Barbaro (SPD). Die Disney-Figuren hätten das Leben vieler Menschen begleitet, aber "wir wissen sehr wenig darüber, wer hinter diesen Zeichnungen steht." Tatsächlich durften die Disney-Zeichner ihre Arbeiten Sebald zufolge lange nicht signieren, sie sollten weitgehend anonym bleiben. Aber nicht allen gefiel diese Regel, vor allen denjenigen, die maßgeblich an der Entwicklung der Charaktere beteiligt waren.

Carl Barks, der sich den reichen Enten-Geizhals Dagobert Duck, die Panzerknacker-Bande und den Erfinder Daniel Düsentrieb ausdachte, war einer der ersten, der den Unternehmenskodex brach. Bereits Anfang der 1990er Jahre hatte das Mainzer Landesmuseum insgesamt 42 von Barks' originalen Tusche- und Bleistiftzeichnungen erworben. Diese Arbeiten im Museumsarchiv waren ausschlaggebend für die Idee, in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt eine große Disney-Ausstellung auf die Beine zustellen. Die Schau wird durch zahlreiche Leihgaben ergänzt, einige davon wurden noch nie öffentlich ausgestellt.

Neben Barks, Charles Alfred Taliaferro und Floyd Gottfredson - den mittlerweile verstorbenen "Alten Meistern" der Disney-Studios - werden auch Arbeiten maßgeblicher zeitgenössischer Disney-Zeichner gezeigt. Die Sonderausstellung geht aber auch auf andere Aspekte der Disney-Welt ein. So wird dargestellt, wie einige der Figuren im Laufe der Zeit ihren Charakter veränderten. "Micky Maus war anfänglich ein Abenteurer, ein Rebell, fast ein Anarchist", sagt Kurator Sebald. Später habe er die Aufmüpfigkeit dann verloren.

Comic- und Trickfilm-Workshops

Wie der Disney-Konzern durch die Vermarktung seiner Zeichen-Figuren Geld verdiente, wird ebenfalls in Mainz thematisiert. Als Beispiele für frühes Disney-Merchandising sind beispielsweise Donald-Duck-Figuren und ein Micky-Maus-Kaffeeservice aus der Vorkriegszeit zu sehen. Sogar in Nazi-Deutschland gab es die Maus mit den schwarzen runden Ohren als Blickfang auf Glanzwachs-Packungen und als Werbebotschafter für einen "Edel-Mop".

Die Ausstellung "Walt Disney - Mickey, Donald & Friends" wird nach der Eröffnung bis zum 29. Juli zu sehen sein. Neben Fachvorträgen namhafter "Donaldisten" umfasst das Begleitprogramm unter anderem auch Comic- und Trickfilm-Workshops und einen Openair-Kinoabend.

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