hg
Bild vergrößern
Friedenspreisträger Jan und Aleida Assmann Foto: epd-Bild
Buchtipp

Konrad Raiser
500 Jahre Reformation weltweit
Studienreihe Luther 7

zur Detailseite

Anzeige

Aleida Assmann: Ehrlicher Umgang mit Vergangenheit schafft Frieden

12. Oktober 2018

Die diesjährige Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Aleida Assmann, ist angesichts des wachsenden Nationalismus in Europa "sehr alarmiert". "Der Nationalismus war hierzulande schon immer in Nischen vorhanden und nur stillgestellt", sagte sie auf Deutschland bezogen auf der Frankfurter Buchmesse.

Bild vergrößern
Friedenspreisträger Jan und Aleida Assmann Foto: epd-Bild

Anzeige

Frankfurt a.M.: (epd). Insgesamt könne das Land aber zufrieden sein mit der Aufarbeitung seiner NS-Geschichte. Dafür ernte Deutschland international große Anerkennung.

Am Sonntag wird die 71-jährige Literatur- und Kulturwissenschaftlerin zusammen mit ihrem Mann, dem Ägyptologen Jan Assmann (80), für ihr Werk zur "Kultur des Erinnerns" in der Frankfurter Paulskirche ausgezeichnet. Laudator ist der deutsch-amerikanische Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht. Der Friedenspreis ist mit 50.000 Euro dotiert.

Nach den Worten Aleida Assmanns ist ein ehrlicher und offener Umgang mit der Vergangenheit grundlegende Bedingung für ein friedliches Miteinander. Dazu gehöre auch eine neue Sprache. "Wir dürfen im Hinblick auf die NS-Zeit nicht mehr von persönlicher Schuld, sondern müssen von Verantwortung sprechen und historische Wahrheiten anerkennen." Dazu gehöre, dass Deutschland schon lange keine ethno-nationale Einheit mehr sei, sondern ein Zuwanderungsland. Wichtig sei daher, "sich darauf zu konzentrieren, was wir mit Flüchtlingen gemeinsam haben". Mit den neu Zugezogenen werde das nationale Gedächtnis immer vielfältiger. Deswegen brauche es auch dringend ein nationales Migrationsmuseum.

Abgrenzung und Gewalt

Große Sorgen müsse man sich auch weiterhin angesichts von religiösem Fundamentalismus machen, sagte Jan Assmann. Er sei durch den Ein-Gott-Glauben in die Welt gekommen. Durch seine "Idee der Offenbarung einer ausschließlichen Wahrheit" bezichtige er alle anderen Religionen des Irrtums und rufe dadurch Abgrenzung und Gewalt hervor.

Die in Bethel bei Bielefeld geborene Aleida Assmann wurde 1993 Professorin für Anglistik und allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz und nahm weltweit zahlreiche Gastprofessuren wahr. Sie veröffentlichte unter anderem die Bücher "Der lange Schatten der Vergangenheit. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik" (2006) und jüngst angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte "Menschenrechte und Menschenpflichten" (2017).

Preis wird seit 1950 vergeben

Der in Langelsheim (Harz) geborene Jan Assmann war von 1976 bis 2003 Professor für Ägyptologie an der Universität Heidelberg und hatte zahlreiche Gastprofessuren inne. Über die Analyse des ägyptischen Totenkults setzte er sich mit der Frage auseinander, welches Selbstverständnis eine Kultur späteren Generationen von sich vermitteln will. Er verfasste Bücher zur Entstehung des Monotheismus und leistete einen Beitrag zur aktuellen Diskussion über das Gewaltpotenzial monotheistisch geprägter Gesellschaften, etwa in "Totale Religion. Ursprünge und Formen puritanischer Verschärfung" (2016).

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 vergeben. Zu den Trägern des Preises gehören der DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer, der Schriftsteller Martin Walser, der Historiker Fritz Stern, der Philosoph Jürgen Habermas und die amerikanische Essayistin Susan Sontag. Im vergangenen Jahr erhielt die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood den Preis.

2

Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 13. Oktober 2018, 21:12 Uhr


Dass der Nationalismus hierzulande schon immer in Nischen vorhanden und nur stillgestellt, sich bei uns wieder so deutlich zu regen beginnt. erfüllt mich mit Entsetzen.
Doch wenn wir außerdem auf Schweden schauen oder gar Übersee, scheinen sich Menschen der ganzen Welt nach einem klaren Führungsstil zu sehnen.

Winston Churchill äußerte am 11. November 1947 bei einer Rede im Unterhaus: "Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen, abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind."

Das derzeitige Verwirrspiel unserer Regierung stellt den guten Willen an den Segen der Demokratie zu glauben, auf eine recht harte Probe und um Churchills Feststellung zu Ende zu denken: Welche Form zu regieren auch immer ausprobiert wurde, wenn auch erwähnte, stillgelegte Nischen nicht nur dem eigenen Staat geschuldet sind, sie klein zu reden, müssen wir auf der Hut sein.

Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Schallblech, 18. Oktober 2018, 9:21 Uhr


Es sind nicht nur die monotheistischen Religionen, die für Unfrieden sorgen! In einigen asiatischen Ländern betreiben auch Buddhisten und Hindus religiöse Verfolgung, vor allem an Christen, aber auch an Muslimen.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login
Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Buchtipp
Buchtipp

Konrad Raiser
500 Jahre Reformation weltweit
Studienreihe Luther 7

zur Detailseite
Buchtipp

Konrad Raiser
500 Jahre Reformation weltweit
Studienreihe Luther 7

zur Detailseite
Per E-Mail empfehlen