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Bis zu 15.000 Gefängnisinsassen in Deutschland sind heroinabhängig, schätzt die Deutsche Aidshilfe (Symbolfoto). Foto: epd-Bild
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Aidshilfe: Drogenabhängige Häftlinge sind medizinisch unterversorgt

12. Juni 2019

Bis zu 15.000 Häftlinge sind in Deutschland heroinabhängig, schätzt die Deutsche Aidshilfe. Allerdings bekommen nur wenige den Drogenersatzstoff Methadon, kritisieren Experten.

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Bis zu 15.000 Gefängnisinsassen in Deutschland sind heroinabhängig, schätzt die Deutsche Aidshilfe (Symbolfoto). Foto: epd-Bild

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Berlin (epd). Drogenabhängige Strafgefangene erhalten nach Erkenntnissen der Deutschen Aidshilfe (DAH) zu selten suchtmedizinische Therapien. "Menschen in Haft haben ein Recht auf die gleiche medizinische Behandlung wie Menschen in Freiheit", sagte Dirk Schäffer, DAH-Experte für Drogen und Strafvollzug, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Nur rund zehn Prozent der Heroinabhängigen erhalten laut Schäffer eine Substitutionsbehandlung und damit die Möglichkeit, legale Drogenersatzstoffe wie Methadon unter ärztlicher Aufsicht einzunehmen.

Schäffer kritisierte, dass Ärzte in Haftanstalten in der Regel nicht über suchtmedizinische Qualifikation verfügen. Daher könnten sie kaum einschätzen, ob ein Gefangener eine Ersatztherapie benötigt. "Die Nicht-Behandlung ist unmenschlich und widerspricht dem Gesetz", sagte Schäffer. Er stützt sich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte aus dem Jahr 2016. Darin entschied der Gerichtshof in Straßburg, dass Deutschland gegen die Menschenrechte verstoßen habe, weil einem heroinsüchtigem Mann aus Bayern über Jahre im Gefängnis ein Ersatzstoff verwehrt wurde.

Bis zu 15.000 Häftlinge in Deutschland heroinabhängig

Nach Schätzungen sind in deutschen Gefängnissen 10.000 bis 15.000 Insassen heroinabhängig. Auf den Schwarzmärkten in den Gefängnissen gelangten die Häftlinge weiterhin an Drogen. "Häftlingen stehen nicht einmal Präventionsmaßnahmen wie sterile Spritzen zur Verfügung", kritisierte Schäffer. Daher teilten sich Häftlinge Spritze und Nadel und riskierten dabei, sich mit Krankheiten wie HIV und Hepatitis C zu infizieren.

Dass Politiker sich nicht für menschliche Bedingungen für drogenabhängige Häftlinge einsetzen, führt der Gesundheitsexperte auch auf deren Eigeninteressen zurück. "Niemand will bei den Wählern als derjenige in Erinnerung bleiben, der die Häftlinge mit Spritzen und Medikamenten zur Substitution versorgt hat." Würden Politiker etwa Spritzen-Vergabestellen in Haftanstalten gestatten, würde dies gleichzeitig auch ihr Eingeständnis bedeuten, dass Drogen im Justizvollzug nicht gänzlich zu vermeiden seien, sagte Schäffer.

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