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Bundestag will sich mit Bluttests auf Down-Syndrom befassen

12. Oktober 2018

Anfang kommenden Jahres will der Bundestag über vorgeburtliche Bluttests auf das Down-Syndrom beim ungeborenen Kind und weitere Gentests debattieren. Die Abgeordneten müssen sich eine Meinung darüber bilden, ob der Gesetzgeber eingreifen sollte.

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Berlin (epd). Die Frage lautet: "Wie weit wollen wir gehen?" Sie wird über der Bundestagsdebatte zu vorgeburtlichen Gentests Anfang kommenden Jahres stehen. Die Initiatoren, Abgeordnete aus allen Fraktionen außer der AfD, konnten am Freitag in Berlin verkünden, dass sie ihr vorläufiges Ziel erreicht haben. Das Parlament wird sich mit den ethischen und gesetzgeberischen Fragen beschäftigen, die mit der zunehmenden Anwendung von Bluttests für Schwangere auf ein Down-Syndrom beim Ungeborenen verbunden sind.

Im kommenden Jahr will der Gemeinsame Bundesausschuss darüber entscheiden, ob solche Tests auf Trisomie 21 (Down-Syndrom) und weitere Gendefekte künftig von den Krankenkassen bezahlt werden sollen. Der CDU-Abgeordnete und Arzt Rudolf Henke sagte, der Bundestag könne die Entscheidung darüber an sich ziehen, welche Leistungen die Krankenkassen finanzieren.

Henke sagte, die Trisomie-Tests seien nur der Anfang. Für die Schwangere seien sie ohne Risiko, anders als Fruchtwasseruntersuchungen. Aus medizinischer Sicht sei wenig dagegen einzuwenden sie einzusetzen. Aber es werde weitere Gentests geben, warnte Henke und sprach sich dafür aus, die Beratung gesetzlich anders zu regeln. Es könne nicht sein, dass Ärzte aus Angst vor Schadenersatzverfahren werdende Eltern davor warnen müssten, auf Untersuchungen zu verzichten.

Test muss bislang selbst bezahlt werden

Die Bluttests gibt es in Deutschland schon seit 2012. Seitdem lässt sich anhand einer Blutprobe der Schwangeren feststellen, ob das Kind wahrscheinlich mit Down-Syndrom zur Welt kommt. Bis dahin war dies nur über eine Fruchtwasseruntersuchung möglich, bei der ein Risiko für Fehlgeburten besteht. Bislang müssen werdende Eltern den Test selbst bezahlen.

Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken, hatte selbst eine ethische Debatte gefordert, weil das Gremium nur eine medizinische Bewertung der Tests vornimmt. Der Ausschuss aus Vertretern der Ärzteschaft, Kliniken und Krankenkassen entscheidet über sämtliche Kassenleistungen.

Dem Ruf nach einer Bundestagsdebatte, der im Sommer von zehn Abgeordneten ausgegangen war, haben sich inzwischen mehr als 100 Parlamentskollegen angeschlossen, darunter die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, und der Ex-Unionsfraktions-Vorsitzende Volker Kauder (CDU). Die Grünen-Abgeordnete Corinna Rüffer, die zu den Initiatorinnen und Initiatoren zählt, betonte, in die Debatte müsse die Sicht von Menschen mit Down-Syndrom eingehen: "Wir müssen den Wert der Vielfalt in unserer Gesellschaft verteidigen." Stattdessen werde der Anschein erweckt, werdende Eltern könnten eine vollständige Kontrolle darüber erlangen, was für ein Kind sie bekommen.

"Recht auf Leben"

Rüffer und ihre Mitstreiter hatten am Freitag den Berliner Schauspieler Sebastian Urbanski dazugeholt, und dessen Aussage war glasklar: "Ich bin gegen die Tests", sagte er, "weil ich dann schon im Mutterleib aussortiert worden wäre. Wir haben alle ein Recht auf Leben", sagte der 40-Jährige, der am Berliner "Ramba Zamba" -Theater engagiert ist, in dem behinderte und nicht behinderte Schauspieler gemeinsam auftreten. Urbanski forderte, dass einem behinderten Kind genauso wie jedem Kind geholfen werden müsse, seinen Platz im Leben zu finden.

Die Linken-Abgeordnete Kathrin Vogeler sagte, es komme jetzt darauf an, "das Zeitfenster bis zur Entscheidung des Bundesausschusses zu nutzen". Die Kassenzulassung für die Bluttests könnte zum "Türöffner" werden für zahlreiche weitere Tests auf Erbkrankheiten. Man müsse zu einer gesetzlichen Regelung kommen, die die Diskriminierung von behinderten Menschen verhindere.

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, hat sich unterdessen dafür ausgesprochen, dass die Blutuntersuchung auf das Down-Syndrom künftig von den Krankenkassen bezahlt wird. Man müsse akzeptieren, dass Eltern Klarheit über den Gesundheitszustand ihre Kindes haben wollten, sagte Dabrock dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Freitag).

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