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Kindergartenkinder fahren in der Emmaus-Kirche in Kreuth am Tegernsee mit ihrem Bobbycar um den Altar. (Foto: epd-bild/Matthias Balk)
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Windeln wechseln am Altar

Brigitte Bitto | 26. Oktober 2022

In Kreuth soll eine Kirche zur Kita werden – und Gotteshaus bleiben

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Kindergartenkinder fahren in der Emmaus-Kirche in Kreuth am Tegernsee mit ihrem Bobbycar um den Altar. (Foto: epd-bild/Matthias Balk)

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Bällebad und Bibelwort: Unter der Woche sollen in einer evangelischen Kirche am Tegernsee bald Kinder spielen, sonntags bleibt sie Ort für Gottesdienste. Mit dieser ungewöhnlichen Doppelnutzung will die Gemeinde zwei Probleme auf einmal lösen.

Raum für Kinderbetreuung ist vielerorts Mangelware. Indes stellen sinkende Mitgliederzahlen, immer weniger Gottesdienstbesucher und steigende Kosten für Erhalt und Unterhalt von Gebäuden die Kirchengemeinden vor Herausforderungen. In der evangelischen Kirchengemeinde am Tegernsee in Bayern hat man sich daher etwas einfallen lassen: Die kleine protestantische Kirche in Kreuth soll zur Kita umgebaut werden.

Das allein ist heute gar nicht mehr so besonders, häufig trennen sich Kirchen von Immobilien und es entstehen daraus Kletterhallen, Clubs oder Hotels. Doch nach eigener Aussage deutschlandweit einzigartig in Kreuth: Die Kirche wird Kita – und bleibt Kirche.

Neben dem Taufstein mit Lego bauen

Auch der Kirchenraum der Emmaus-Kirche selbst solle im Kita-Alltag mitgenutzt werden, erläutert Pfarrer Martin Weber. Dann wird also auf dem Altar gebastelt, neben dem Taufbecken Lego gebaut und vor der Kanzel gepuzzelt.

Und wenn die Gemeinde in dem 1956 erbauten modernen Sakralbau mit asymmetrischem Giebel Gottesdienst feiern will? „Dann werden die Sachen einfach zur Seite gestellt“, sagt der Pfarrer. Denn vielen Einheimischen und Gästen sei „ihre“ Emmauskirche nach wie vor wichtig. „Und das soll sie auch bleiben.“ Die Kirche werde nicht entwidmet – ihre Nutzung wird erweitert. Besonders biete sie sich dann natürlich für Kinder- und Familiengottesdienste oder für Taufen an, sagt der Pfarrer.

Damit alles, was es für eine Kita braucht, genügend Platz findet, bekommt das Gebäude einen Anbau. Die Pläne hierfür liegen aktuell beim Landratsamt. „Wenn wir im Herbst 2023 als Krippe loslegen könnten, wäre das schön“, sagt Weber. Ob das jedoch realistisch ist, werde sich im Winter zeigen, wenn die Ausschreibung begonnen hat. Eine erste Schätzung der Baukosten liegt bei 1,3 Millionen Euro – die Gemeinde wird davon etwa 200 000 Euro selbst stemmen müssen.

Unterkommen soll in dem Gebäude eine Krippengruppe für zwölf Kinder von null bis drei Jahren. Die evangelische Gemeinde hat Erfahrung in Sachen Kinderbetreuung: Acht Kitas hat sie in den vergangenen 15 Jahren gemeinsam mit den Kommunen im Tegernseer Tal aufgebaut. Trotzdem sind die Wartelisten lang. Kirchen dagegen gebe es im Tal mehr als genug, sagt Weber: fünf evangelische und elf katholische. Auch dank der heutigen Mobilität werde da die Emmauskirche „nicht mehr so intensiv benötigt wie vor 50 Jahren“.

Statt also ein weiteres Gotteshaus teuer für die immer weniger werdenden Besucher zu sanieren, entschied sich der Ort, in die Kinder zu investieren. Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider hat selbst als kleiner Junge an der Glockenschnur der Emmauskirche gezogen. Er freue sich, dass das Gotteshaus mit Blick auf die Berge dazu beitragen könne, den Notstand an Krippenplätzen zu mildern.

Wie der Umbau des hellen Raumes mit vielen hohen Klarglasfenstern, weißen Wänden und schlichter Ausstattung im Detail aussehen wird, dazu gibt es noch viel zu klären. Altar, Taufbecken, Kanzel – all das soll bleiben und in das Raumkonzept für die spielenden Kinder integriert werden. Auf der Empore sollen dann Büro und Lager entstehen, die Sakristei vermutlich zum Schlafbereich werden, sagt Weber, und der Altarraum zum Entspannungsbereich mit vielen Kissen und Decken. Toiletten und Küche kommen wohl in den Anbau.

„Das ganze Projekt ist übrigens gut biblisch“, sagt Pfarrer Weber: Schon in den ersten Generationen des Urchristentums sei es üblich gewesen, dass etwa in Wohnhäusern auch Gottesdienst gefeiert wurde. „Eigene Kirchen gab es nicht, es wurde am selben Ort gelebt und geglaubt.“

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