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Die Bibel lesen

Aus der Printausgabe - UK 38 / 2022

Von Walter Schroeder | 16. September 2022

Woche vom 18. bis 24. September

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Sonntag:    Psalm 146
Montag:     2. Chronik 20, 1-26
                 Sirach 15, 11-20
Dienstag:   2. Chronik 26, 1-23
                 Sirach 16, 17-23
Mittwoch:   2. Chronik 28, 1-15
                 Sirach 17, 1-24
Donnerstag:  2. Chronik 28, 16-27
                     Sirach 18, 1-14
Freitag:     2. Chronik 34, 1-7
                 Sirach 22, 27 – 23, 6
Samstag:   2. Chronik 34, 8-21
                 Sirach 24, 1-29

Die Rolle des Menschen in der Schöpfung wird in der Weisheitsliteratur neu „justiert“. Zwar ist und bleibt der Mensch immer Geschöpf: Niemand wurde und wird gefragt, ob und wann er leben will oder welche Begabungen er bekommen möchte. Das geschieht ausschließlich nach Gottes Willen. Aber während die Propheten noch von dem Ton in des Töpfers Hand sprechen (vgl. Jesaja 18,6 und 45,9 und 64,7), wird jetzt betont: Gott hat den Menschen mit einem freien Willen geschaffen (15,14ff.) und ihm die Entscheidung überlassen, wie er sich zu seinem Schöpfer stellt. Er kann ihn auch ablehnen oder leugnen bis dahin, dass er im wahrsten Sinne Gott loswerden, also gottlos sein kann.
Niemals jedoch, nicht im Guten und nicht im Bösen, kann sich der Mensch allerdings aus seiner Verantwortung lösen. Vor Gott kann man sich nicht verstecken! (16,15) Gott fragt nach jedem Menschen, sei es im Glück oder im Elend, sei es, wenn der mit seinen Talenten (Matthäus 25,15) wuchert und sich ans Gesetz hält (16,21), aber auch, wenn er Schuld auf sich lädt und sich verliert (vergleiche Lukas 15). Nichts ist für Gottes Aufmerksamkeit zu klein, zu weit, zu schlimm. Alles Geschehen ist vor Gottes Angesicht!
Anders ausgedrückt: Gott gab den Menschen Macht über das, was auf Erden ist, und verlieh ihnen Schaffens-, Schöpfungskraft wie er selber(!) sie hat, und schuf ihn nach seinem Bilde. In jedem Menschen also ist Gott abgebildet! Das sind sehr eindeutige und auch außergewöhnliche Sätze, und wenn es dann weitergeht „(Gott) bestimmte, dass alle Geschöpfe ihn fürchten mussten und sie (die Menschen) herrschen sollten über Tiere und Vögel“ (17,4ff.) dann ist damit nicht einer Ausbeutung der Schöpfung und menschlicher Willkür das Wort geredet, sondern „herrschen“ heißt hier, Verantwortung übernehmen, genauer: Leitungsverantwortung. In der Gesellschaft wird nicht nur emotionale Nächstenliebe eingefordert, sondern ganz praktisch und sozial „für seinen Nächsten zu sorgen“ (17,12). Der Mensch hat von Gott für die Welt Prokura erhalten, also Fürsorgevollmacht.
Interessant ist wieder die Bemerkung zum israelischen Königtum: Jedem Volk hat Gott einen Herrscher gegeben, aber über Israel ist er selbst Herr geworden. Die Rolle der eigenen Könige war damit sehr relativiert.
Hinter diesen Sätzen ist ebenfalls spürbar, dass Israel weiß: Gott ist ein Gott über die ganze Welt, also nicht nur über sein Volk, und seine Barmherzigkeit ist allumfassend (18,12).

Wochenspruch
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Psalm 103, 2

Wochenlied
Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn

EG 333

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