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Verena Fink sortiert in der Kleiderkammer der griechischen Organisation Oikopolis in Thessaloniki Kleidung. (Foto: epd-bild/Paul-Philipp Braun)

Gelebte Nächstenliebe

Aus der Printausgabe - UK 34 / 2022

Paul-Philipp Braun | 20. August 2022

Eine Frau gibt in Deutschland alles auf, um Flüchtlingen und Bedürftigen in Griechenland zu helfen

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Verena Fink sortiert in der Kleiderkammer der griechischen Organisation Oikopolis in Thessaloniki Kleidung. (Foto: epd-bild/Paul-Philipp Braun)

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Die Deutsche Verena Fink hat sich vor fünf Jahren entschlossen, nach Griechenland zu gehen, um Menschen auf der Flucht zu helfen. „Hier passe ich hin. Hier kann ich so sein, wie ich möchte“, sagt sie.

„Ich bin eine Kategorie für mich“, sagt Verena Fink, während sie mit der Hand durch einen Basilikum-Strauch fährt. Hier, mitten in Thessaloniki, hat die Münchnerin ihre Bestimmung gefunden. Seit 2017 arbeitet sie ehrenamtlich für den Verein Oikopolis, der in Griechenlands zweitgrößter Stadt Nothilfe für Bedürftige und Flüchtlinge mit Umweltbildung kombiniert.

Im Zuge der nationalen Solidaritätsbewegungen und durch die Nöte der griechischen Wirtschaftskrise nach 2010 gegründet, ist Oikopolis inzwischen zu einer Anlaufstelle für Griechen und Menschen auf der Flucht gleichermaßen geworden. „Wir unterstützen die Menschen mit Kleiderspenden oder durch Nahrungsmittel, die wir ausgeben. Manchmal kochen wir oder veranstalten Nachhaltigkeitsbasare, bei denen wir Secondhand-Artikel verkaufen“, erklärt Verena Fink, die ihren Lebensunterhalt mit Seminaren und Weiterbildungsangeboten im sozialen Sektor verdient. Verbunden wird die Arbeit von Oikopolis mit Umweltbildung und dem Anspruch der Nachhaltigkeit.

Nur Taschen und einen Rucksack

„Solidarität und Ökologie sind die Ideale, die für mich das Leben ausmachen. Nur wenn wir sie verbinden, haben wir als Menschen eine Zukunft“, sagt die 49-Jährige, die seit 2017 in Thessaloniki wohnt. Die studierte Theaterpädagogin hatte 2015 die aus Osteuropa ankommenden Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof unterstützt. Als 2016 Bilder des Flüchtlingslagers im nordgriechischen Idomeni um die Welt gingen, beschloss sie, für zwei Wochen nach Griechenland zu gehen. So kam sie mit Oikopolis in Kontakt und fand ihre Berufung. Ein Jahr später zog Verena Fink nach Griechenland. „Ich hatte damals nur Taschen und einen Rucksack bei mir“, erinnert sie sich und muss dabei lachen.

Die Deutsche Evangelische Gemeinde in Thessaloniki sei ihr erster Anlaufpunkt gewesen. Sie wohnte für einige Zeit im Gemeindehaus und knüpfte von dort aus Kontakte zu Vereinen und Initiativen, die Menschen auf der Flucht unterstützen. „Mein Glauben ist schon lange ein wichtiger Ankerpunkt im Leben“, sagt Verena Fink und berichtet, dass sie im Alter von 30 Jahren von der katholischen Kirche zum lutherischen Protestantismus übergetreten sei und das Thema Nächstenliebe sich für sie untrennbar mit Solidarität verknüpfe: „Dennoch ist Nächstenliebe nur eine Basis, Solidarität heißt für mich, diese Basis zu leben.“

Oikopolis versteht sich wiederum als eine religiös und politisch neutrale Organisation, in der Menschen verschiedener Herkunft und Weltanschauung zusammenarbeiten. „Diese Unabhängigkeit ist uns sehr wichtig. Sie sorgt dafür, dass uns niemand reinreden kann, wenngleich es finanziell auch manchmal eine echte Bürde ist“, sagt Verena Fink, die einzige Deutsche in der Organisation. „Wir arbeiten hier viel mit Sprache. Menschen, die Hilfe brauchen, sollen sich verständigen können“, erzählt Fink, deren Griechisch inzwischen ebenso wie ihr Französisch und ihr Englisch fließend ist. „Meinen deutschen Akzent werde ich aber nicht so leicht los“, sagt sie und betont, dass es ihr von Anfang an darum gegangen sei, nicht nur in Griechenland zu leben, sondern auch mit den Griechen kommunizieren zu können.

Ein Kommunikationsbedürfnis habe aber nicht nur sie, sagt Verena Fink, sondern es sei auch der griechischen Natur eigen. „Dieses Bedürfnis litt in den Monaten des Lockdowns und der Pandemie stark“, berichtet Fink, die damit auch eine Art Solidaritätskrise verbindet.

„Wir stellen fest, dass die Unterstützung für Menschen auf der Flucht im Land abzunehmen scheint. Das liegt zum einen daran, dass die Griechen selbst immer mehr Probleme haben, zum anderen aber auch an der europäischen und landesweiten Politik.“

Viele Griechen fühlten sich von Europa und der eigenen Regierung hängengelassen. „Zahlreiche Unterstützungsgelder aus Brüssel kamen nie an, wo sie gebraucht werden, und außer vermeintlicher Grenzsicherung merken wir von der EU nicht viel“, schildert Fink ihre Sicht.

Doch wenngleich auch in Griechenland die Probleme für die Deutsche zunehmen – die weltweite Wirtschafts- und Energiekrise hat das Land längst erreicht –, eine Rückkehr nach Deutschland ist für sie keine Option. Zu dringend werde ihre ehrenamtliche Arbeit benötigt, zu sehr habe sie ihre Liebe zur griechischen Lebensart entdeckt: „Hier passe ich hin. Hier kann ich so sein, wie ich möchte.“

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