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Rami Suleiman, Vorsitzender des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, Rabbiner Moshe Flomenmann, Manuel Hagel, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, Simon Bachmann vom Staatsweingut, Rabbiner Yehuda Puschkin und Peter Hauk (CDU), Landwirtschaftsminister von Baden-Württemberg (von links), nehmen an der Vorstellung des Projekts „Koscherer Wein“ teil. (Foto: epd-bild/Marcus Mockler)

Wein aus dem „Himmelreich“

Aus der Printausgabe - UK 29 / 2022

Marcus Mockler | 17. Juli 2022

Baden-Württemberg wagt sich an die Produktion von koscherem Wein

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Rami Suleiman, Vorsitzender des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, Rabbiner Moshe Flomenmann, Manuel Hagel, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, Simon Bachmann vom Staatsweingut, Rabbiner Yehuda Puschkin und Peter Hauk (CDU), Landwirtschaftsminister von Baden-Württemberg (von links), nehmen an der Vorstellung des Projekts „Koscherer Wein“ teil. (Foto: epd-bild/Marcus Mockler)

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Wollen gläubige Juden Wein genießen, muss er nach strengen Regeln gepflanzt, geerntet und gekeltert werden. Baden-Württemberg wagt sich nun als erstes Bundesland an „koscheren Wein“. Rabbiner überwachen die Produktion.

Jüdischer Wein wächst künftig im „Himmelreich“. So heißt das Flurstück in Gundelsheim bei Heilbronn, wo derzeit auf rund einem Hektar Fläche weiße und rote Trauben reifen – gehegt und gepflegt nach jüdischen Regeln. Es sei das erste staatliche Weingut, das sich koscherem Wein widmet, sagt Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU).

Die Unbedenklichkeitserklärung für jüdische Gaumen kommt von zwei Geistlichen: Moshe Flomenmann, Landesrabbiner von Baden, und Yehuda Puschkin, Stuttgarter Rabbiner, werden die Produktion überwachen.

Eines der entscheidenden Kriterien ist laut Flomenmann, dass die Arbeiter im Weinberg männliche Juden sind, die den Sabbat beachten. Deshalb sei man bei der Traubenlese auf Helfer aus jüdischen Gemeinden angewiesen.

Um die Reinheit zu gewährleisten, hat man in der Produktionsanlage neue Schläuche und Dichtungen eingebaut. Andere Regeln, wie sie auf israelischem Grund gelten, finden in Württemberg keine Anwendung. So kommt zum Beispiel das Gebot, dem Weinberg im siebten Jahr Ruhe zu gönnen und nicht zu ernten, im „Himmelreich“ nicht zum Zug.

Rabbiner Yehuda Puschkin mahnt einen sehr sorgfältigen Umgang mit den geltenden Regeln an. „Schon der kleinste Verstoß gegen die Vorschriften kann zur katastrophalen Situation führen, dass eine ganze Charge unkoscher wird“, warnt er. Immerhin betrachteten Juden Wein nicht nur als Entspannungsmittel und Festgetränk, er habe auch eine „heilige Bedeutung“. Beim Gottesdienst im Tempel, bei Beschneidung, Hochzeit und Schabbat gehöre Wein immer dazu.

Die koscheren Württemberger Sorten sind sehr traditionell. Simon Bachmann vom Staatsweingut Weinsberg erwartet im kommenden Jahr bis zu 4000 Flaschen Riesling und noch einmal halb so viel Lemberger. Anfragen aus jüdischen Gemeinden gebe es jetzt schon bundesweit.

Vorangetrieben hat das Projekt die baden-württembergische CDU-Landtagsfraktion. Deren Vorsitzender Manuel Hagel sieht die Chance, Juden in Deutschland nicht nur in Verbindung mit Anschlägen, Holocaust und Antisemitismus ins öffentliche Bewusstsein zu bringen.

Baden-Württemberg ist nicht der erste Produzent koscheren Weins in Deutschland. In Rheinhessen ging schon in den 90er Jahren die Produktion in einem Unternehmen los, es folgten vereinzelt private Winzer wie etwa in Franken. Die Politiker im Südwesten nehmen allerdings für den Südwesten in Anspruch, in Deutschland erster staatlicher Anbieter von koscherem Wein zu werden.

Das alkoholische Getränk hat auch schon einen Markennamem: Le Chaim. Das kommt aus dem Hebräischen, bedeutet „Auf das Leben“ – und ist ein Trinkspruch.

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