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Der evangelische Pfarrer Christoph Krauth geht in seiner Freizeit im Pfälzerwald auf die Jagd. (Foto: epd-bild/Reiner Voss/view - die)

Zum Wohl von Mensch und Natur

Aus der Printausgabe - UK 28 / 2022

Alexander Lang (epd) | 10. Juli 2022

Evangelischer Pfarrer aus der Pfalz ist ein begeisterter Hobbyjäger

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Der evangelische Pfarrer Christoph Krauth geht in seiner Freizeit im Pfälzerwald auf die Jagd. (Foto: epd-bild/Reiner Voss/view - die)

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Christoph Krauth ist eine Ausnahme: Der evangelische Pfarrer geht in seiner Freizeit im Pfälzerwald auf die Jagd. Das Töten von Wild für Frischfleisch ist für ihn ethischer als die Massentierhaltung. Dafür erntet er auch Kritik.

Da ist doch etwas im Busch. Irgendetwas zupft an den Zweigen, dann sieht man einen borstigen Kopf. „Da kommen sie“, flüstert Christoph Krauth und nimmt sein Gewehr in Anschlag. Der evangelische Pfarrer und Hobbyjäger scheint Glück an diesem vorsommerlichen Abend zu haben. Vielleicht 50 Meter entfernt lugt ein großes Wildschwein hinter einem Baum hervor, schnuppert vorsichtig in die Luft. Dann drängen sich drei, vier dunkelbraune behaarte Rücken an ihm vorbei. Eine Wildschweinrotte auf Futtersuche, irgendwo bei Kaiserslautern im Pfälzerwald, dem größten zusammenhängenden Waldgebiet Deutschlands.

Das Wild sehen und beobachten

Der 35-jährige Theologe wird ganz still auf seinem Hochsitz, sechs Meter über dem Boden. Seit zwei Stunden hat er dort ausgeharrt, mit dem Feldstecher konzentriert das Gehölz abgesucht. Und jetzt kommt ihm endlich Schwarzwild vor die „Büchse“, wie es auf Jägerlatein heißt. Doch die Tiere „haben wohl etwas vernommen“, sagt Krauth leise. Sie wagen sich nicht auf die Lichtung, um nach Futter zu suchen, das Schussfeld ist nicht frei. Der Keiler wendet den Kopf, schnuppert noch einmal – dann trottet die Wildschweingruppe gemächlich davon.

Für Christoph Krauth ist es kein Problem, dass er an diesem Abend nicht schießen wird. „Das Schönste ist es, wenn man das Wild sehen und beobachten kann“, sagt der Pfarrer aus Kaiserslautern. „Dann muss der Schuss nicht der Abschluss sein.“ Seit einem Jahr hat er nun den Jagdschein, in einem vom Förster zugewiesenen Revier geht er einmal in der Woche auf die Jagd. Vier bis fünf Stunden sitzt der Vater von zwei kleinen Söhnen dann auf dem Hochsitz, bei Wind und Wetter.

Fleisch nur für den Eigenverbrauch

Eher zufällig kam der Theologe zu seinem Hobby, für das er sich auch kritische Fragen von Tierfreunden und Jagdgegnern anhören muss. Der Schwiegervater, ein begeisterter Jäger, hinterließ der Familie nach seinem Tod seine Jagdausrüstung. Krauth machte den Jagdschein und erlernte das Waidwerk. Sechs Tiere, Wildschweine und Rehwild, hat er bisher erlegt, das Wild selbst mit dem Messer ausgenommen und das Fleisch nur für den Eigengebrauch verarbeitet.

Mit seinem Pfarrerberuf hält er sein blutiges Tun gut vereinbar: „Die Jagd ist die ethischste und nachhaltigste Weise, an Fleisch zu kommen“, sagt er. Für Krauth ist das eigenhändige Jagen auch eine Alternative zur oft qualvollen Massentierhaltung und ein Beitrag zum Naturschutz. Wildtiere lebten frei und ohne Stress. Und ziehe der Jäger schließlich den Abzug seines Gewehrs, „merken sie nicht, dass sie getötet werden“, sagt er.

Anders als anderen Jägern ist Krauth bisher der Ärger mit militanten Jagdgegnern erspart geblieben, die etwa Hochsitze umsägen oder körperliche Gewalt androhen. Und doch ist er als Pfarrer immer wieder gezwungen, sich zu rechtfertigen, zu erklären, warum durch seine Hand Tiere sterben müssen. Manche Freunde und Kollegen zeigten dafür kein Verständnis, erzählt Krauth, der stolz die grüne Jägerkluft mit dem breitkrempigen Hut trägt. „Ich bin schon ein Exot“, sagt er.

Seine Kirchengemeinde hingegen stärke ihm als Hobbyjäger den Rücken, versichert er. „Die Gemeindemitglieder finden es gut, dass ich mich für den Naturschutz und die Pflege des Wildes engagiere.“ Denn genau den Aspekt der Nachhaltigkeit, des Erhalts der Schöpfung, blendeten manche Kritiker aus. Die meisten Männer und vermehrt auch Frauen, die auf die Jagd gingen, seien keine Waffennarren mit Spaß am Töten, sagt er. Vielmehr schützten und kontrollierten sie den gesunden Bestand von Wildtieren – zum Wohl von Mensch und Natur.

Auch wenn Wolf und Luchs in heimischen Gefilden wieder mehr gesichtet werden: Wildschweinen und Rehen seien die natürlichen Feinde abhandengekommen und bedrohten vielerorts durch ihr Fressverhalten das ökologische Gleichgewicht, sagt Krauth.

Auf der Pirsch ist der Pfarrer weit weg von seiner Kanzel und seinem manchmal stressigen Job. „Hier kann ich zur Ruhe kommen, neue Kraft tanken“, sagt er. Sein Traum wäre es, eines Tages ein eigenes Revier zu haben, für das er verantwortlich ist.

Stets plagen den Pfarrer Schuldgefühle, wenn er einem Tier das Leben nimmt: „Es kostet Überwindung, abzudrücken.“ Wer aber Fleisch esse, der nehme dafür den Tod von Tieren in Kauf. Den finalen Gewehrschuss versuche er in guter Waidmannstradition zu sühnen, indem er Respekt vor dem erlegten Wild zeige, sagt Krauth: „Ich ziehe den Hut und erweise ihm damit die letzte Ehre.“

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