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Alle Kinder sollen sich in der neuen Bibelübersetzung wiederfinden. (Foto: Sergey Novikov)
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Sensibel und gerecht

Kirche und Rassismus

Aus der Printausgabe - UK 27 / 2022

Katja Schmidtke | 3. Juli 2022

Erste antirassistische Kinderbibel in deutscher Sprache soll im kommenden Jahr erscheinen

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Alle Kinder sollen sich in der neuen Bibelübersetzung wiederfinden. (Foto: Sergey Novikov)

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Die Bibel erzählt Geschichten, in denen sich Menschen existenziell wiederfinden: mit ihrer Sehnsucht und ihrem Schmerz, in ihrer Einsamkeit und in ihrer Verbundenheit mit Gott und mit anderen Menschen. Kinder hören oder lesen diese Geschichten nicht nur, sie erfahren sie mit allen Sinnen und erfassen Hintergrund und Kontext, manchmal ganz bewusst, oft aber auf eine subtile Art und Weise.

In ihrem aktuellen Buch deckt Sarah Vecera, Theologin und Mitarbeiterin der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM), auf, wie Jesus weiß geworden ist. Im Auftrag der VEM arbeitet eine ökumenische Arbeitsgruppe nun an einer antirassistischen Kinderbibel. Sie soll einen Kanon bekannter biblischer Geschichten in eine verständliche, sensible und gerechte Sprache übersetzen und somit zeigen, wie vielfältig Gottes Schöpfung ist – im Unterschied zu anderen Kinderbibeln auf dem deutschsprachigen Markt, die Jesus und weitere biblische Figuren als weiße Mitteleuropäer zeigen.

Kinderbibel erscheint kommendes Frühjahr

14 Pfarrer, Professoren, Studienleiter und Ökumene-Experten bilden das Team. Die Schriftstellerin Andrea Karimé erzählt die biblischen Geschichten. Die Illustrationen kommen von der Kölner Künstlerin Anna Lisicki-Hehn. Die neue Kinderbibel soll im kommenden Frühjahr erscheinen.

„Mit den Illustrationen, Erzählweisen und der Sprache wollen wir für diskriminierungssensiblen Ausdruck und Inhalt sorgen“, sagt An­drea Karimé, die in Köln lebt und arbeitet und interkulturelle Schreib- und Geschichten-Lernstätten für Kinder anbietet. Nun liegen die Lutherbibel und die Bibel in gerechter Sprache auf ihrem Schreibtisch. Sie studiert die von der Arbeitsgruppe ausgewählten Texte in den jeweiligen Übersetzungen und überträgt sie in eine kindgerechte und rassismuskritische Sprache. Karfreitag zum Beispiel ist eine zentrale, aber zugleich komplexe Erzählung. Eine Vereinfachung birgt die Gefahr, die Historie zu verfälschen und Menschengruppen zu diskriminieren. Antisemitische Stereotype und antijüdischen Deutungen von Jesu Tod will Andrea Karimé keinen Platz lassen.

In der Geschichte von Rut, die ihrer Schwiegermutter nach Israel folgt, findet die Autorin eine große weibliche Stärke. „Es ist nicht so, dass Boas einfach daherkommt und Rut durch die Heirat rettet. Nein, sie schlägt sich selbst durch, kümmert sich um ihre Schwiegermutter“, so Karimé. Die Tochter eines Libanesen schmerzen auch muslim- und araberfeindliche Beschreibungen, etwa wenn Ismael mit einem Pferd verglichen wird. „Das ist im Prinzip menschenfeindlich“, sagt Karimé.

Es liegt an ihrer Kunst als Autorin und an der Kompetenz der Arbeitsgruppe, diskriminierungsfrei zu formulieren, neue Denkräume und Repräsentation zu öffnen und dabei historisch und theologisch korrekt zu arbeiten. Andrea Karimé treibt die Tatsache an, dass die Bibel voller Erfahrungsschätze ist, die alle Menschen teilen können. Sie denkt an die Geschichte von Zachäus, der durch Jesu gütigen Blick sich selbst mit anderen, mit gütigen Augen sieht.

Das Bibelprojekt, betonen die Verantwortlichen, ist kein Nischenthema. „Wer fragt, ob wir in der Kirche keine anderen Probleme haben, liegt falsch. Rund 40 Prozent der Menschen machen Erfahrungen mit Rassismus, Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit“, sagt die Schriftstellerin.

Auch haben 40 Prozent der Kinder in Deutschland eine Migrationsgeschichte. Für sie sei Repräsentation wichtig: in der Kirche, in der Öffentlichkeit, in Medien und Büchern. Wer Kirche für andere sein will, muss das Bild von Jesus als Mitteleuropäer und Gott als alten weißen Mann auf einer Wolke überarbeiten. Die antirassistische Kinderbibel erweitert die Perspektive und bezieht Schwarze, Indigene und People of Colour sowie Menschen mit Behinderungen ein.

„Kinder nehmen Gruppenzugehörigkeiten sehr genau wahr, ihre eigene und die anderer. Sie registrieren genau: Komme ich in den Geschichten vor? Wie werden Kinder wie ich dort beschrieben oder gesehen?“, schreibt Mika Purba, die Teil der Arbeitsgruppe ist, im VEM-Journal. „Auch Auslassungen haben Wirkung: Wer nicht vorkommt, ist vermeintlich nicht so wichtig.“ Diese Erfahrung soll die Kinderbibel einer neuen Generation von jungen (und älteren) Lesern ersparen.

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