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Wo es langgehen soll, das bestimmen wir Menschen am liebsten selbst. Wir haben unsere eigenen Vorstellungen davon, wie das Leben laufen soll: Pläne, Ziele, Träume. Aber was, wenn die Richtung plötzlich nicht mehr stimmt? Wenn wir uns verrannt haben – oder den Weg von Anfang an falsch gewählt? Dann fällt es uns schwer, die Richtung zu ändern. Der Prophet Jona hat genau das erlebt, und auch er tut sich sehr schwer mit dem Richtungswechsel. Es ist eben nicht so leicht, zu akzeptieren, dass Gottes Pläne manchmal ganz anders sind als unsere... (Foto: Franco Visintainer)

Wenn Gott die Richtung weist

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 26 / 2022

Renate Weißsenseel | 24. Juni 2022

Über den Predigttext für den 2. Sonntag nach Trinitatis: Jona 3,1-10

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Wo es langgehen soll, das bestimmen wir Menschen am liebsten selbst. Wir haben unsere eigenen Vorstellungen davon, wie das Leben laufen soll: Pläne, Ziele, Träume. Aber was, wenn die Richtung plötzlich nicht mehr stimmt? Wenn wir uns verrannt haben – oder den Weg von Anfang an falsch gewählt? Dann fällt es uns schwer, die Richtung zu ändern. Der Prophet Jona hat genau das erlebt, und auch er tut sich sehr schwer mit dem Richtungswechsel. Es ist eben nicht so leicht, zu akzeptieren, dass Gottes Pläne manchmal ganz anders sind als unsere... (Foto: Franco Visintainer)
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Renate Weißsenseel (59) ist Pfarrerin im Evangelischen Kirchenkreis Unna mit dem Hauptauftrag Trauerarbeit.

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Predigttext
1 Und es geschah das Wort des Herrn zum zweiten Mal zu Jona: 2 Mach dich auf, geh in die große Stadt Ninive und predige ihr, was ich dir sage! 3 Da machte sich Jona auf und ging hin nach Ninive, wie der Herr gesagt hatte. Ninive aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß. 4 Und als Jona anfing, in die Stadt hineinzugehen, und eine Tagereise weit gekommen war, predigte er und sprach: Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen. 5 Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und riefen ein Fasten aus und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an. 6 Und als das vor den König von Ninive kam, stand er auf von seinem Thron und legte seinen Purpur ab und hüllte sich in den Sack und setzte sich in die Asche 7 und ließ ausrufen und sagen in Ninive als Befehl des Königs und seiner Gewaltigen: Es sollen weder Mensch noch Vieh, weder Rinder noch Schafe etwas zu sich nehmen, und man soll sie nicht weiden noch Wasser trinken lassen; 8 und sie sollen sich in den Sack hüllen, Menschen und Vieh, und heftig zu Gott rufen. Und ein jeder kehre um von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände! 9 Wer weiß, ob Gott nicht umkehrt und es ihn reut und er sich abwendet von seinem grimmigen Zorn, dass wir nicht verderben. 10 Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie umkehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat’s nicht.

Geh nach Ninive“, ruft Gott Jona kurz und bündig zu, „und sag den Menschen dort, dass die Stadt untergehen wird“.

Den Propheten Jona hatte es richtig erwischt. Der erste Fluchtversuch vor Gott hatte nicht geklappt. Mit dem Leben davongekommen, ausgespuckt aus dem Wal, zurückgeworfen in die Realität, blieb Gott ihm an den Fersen kleben.

Was für ein unglücklicher Auftrag. Ich kann nur versuchen, mich ein wenig in Jona einzufühlen: Keine eigene Wahl, kein Entkommen. Gott an den Fersen auf Schritt und Tritt.

Was bewegt Menschen, sich zu ändern?

Mir kommen Situationen in den Sinn, in denen ich mich vielleicht ansatzweise so gefühlt habe. Situationen, Momente, in denen ich mich hilflos, auch überfordert gefühlt habe. Ich weiß nicht, ob Gott mir am Hacken war, oder manchmal ist?

Der für mich große Clou dieser Geschichte: Als Jona das ihm Geheißene in Ninive gepredigt hatte, glaubten die Menschen ihm. Und nicht nur das, sie änderten sich. Sie hüllten sich in den Sack und setzten sich in die Asche. Sie taten Buße, waren reumütig, kehrten um, veränderten ihr Verhalten.

Was bewegt uns Menschen, Verhalten zu ändern?
Furcht? Gehorsam? Erkenntnis? Einsicht?

Jona war durch eigenes Erleben belehrt worden: Er konnte seinem Leben und seinem Auftrag im Namen Gottes nicht entkommen. Weglaufen lief nicht, und läuft auch heute nicht.

Die Menschen in Ninive haben sich ansprechen lassen, sich, ihr Handeln, in Frage stellen lassen. Und: Verantwortung für sich und ihr Tun und Lassen übernommen. Diese Leute haben Konsequenzen gezogen.

Und erfahren können: Ich bin veränderbar. Und ja: Das verändert die Welt.
Denn, wie bekannt und überliefert: Gott veränderte seinen Plan. Ihn reute, und er legte seinen ursprünglichen Plan zur Seite. Er veränderte seinen Plan mit Ninive. Die Leute blieben unversehrt.

Gottes Geschenk des Vertrauens

Das finde ich eine großartige und Mut machende Entwicklung in dieser Geschichte: Unser Gott stellt unser menschliches Tun in den Mittelpunkt seines Handelns!
Gott ist nicht ohne uns Menschen. Er selbst ist immer ein Gott, der mit Menschen Gott ist. Wenn wir Veränderung leben, können wir Gottes und unsere Selbstwirksamkeit erleben.

Unser Gott will mit uns die Welt verändern, uns ansprechen, uns aufmerksam machen, uns erinnern und immer wieder ermutigen, uns zu erinnern an die Liebe, die er in unsere Herzen gegeben hat. Diese Liebe möge unserem Tun und Lassen Orientierung geben. Und diese Richtung ist in Jesu Leben vorgelebt, verbürgt.

Die grenzenlose, geteilte Liebe Gottes ist uns Geschenk und Aufgabe. Ein Geschenk des Vertrauens, der Zuwendung. Eine Aufgabe, die die Welt zu einem guten, menschenwürdigen Lebensraum zu verändern vermag.

Was bewegt uns Menschen, unser Verhalten zu ändern? Vielleicht müssen wir uns manchmal was sagen lassen, um uns auf unsere Orientierung zu besinnen. Es möge die Sehnsucht nach lebendiger, geteilter Liebe unter uns Menschen sein, nach Frieden und Gerechtigkeit. Diese Sehnsucht möge uns locken und herausfordern, uns auf nottuende und gute Veränderungen konsequent einzulassen.

Und, ja, ziemlich flexibel ist unser Gott. Das schenkt Hoffnung und Mut. Und Vertrauen in Gott mit uns Menschen, und in die Welt.

Gebet

Guter Gott. Du liebst uns Menschen, und möchtest mit uns eine menschenwürdige, friedvolle Welt gestalten. Wir danken dir für alle Möglichkeiten, die du uns dazu schenkst. Schenke uns das Vertrauen, damit wir dies annehmen. Mit all unserem Vermögen. Gib, dass wir nicht vor Veränderungen weglaufen, wo Glaube, Hoffnung und Liebe unsere Wegweiser sein wollen. Amen.

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