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Bunt, vielfältig und ursprünglich einmal „sehr gut“ – das ist Gottes Schöpfung. Wir Menschen allerdings haben mit Zwietracht, Neid und Egoismus ganz viel zerstört. Die Welt zerfällt in Arme und Reiche, Mächtige und Ohnmächtige, Profiteure und Ausgebeutete. Das war schon zur Zeit Jesu so, und verschärft sich heute durch die Globalisierung, den Klimawandel und Kriege. Die Botschaft Jesu im Predigttext ist dabei ganz einfach: Macht es besser! (Foto: Rawpixel.com)

Die Chance zum Bessermachen

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 25 / 2022

Dirk Heckmann | 17. Juni 2022

Über den Predigttext zum 1. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 16,19-31

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Bunt, vielfältig und ursprünglich einmal „sehr gut“ – das ist Gottes Schöpfung. Wir Menschen allerdings haben mit Zwietracht, Neid und Egoismus ganz viel zerstört. Die Welt zerfällt in Arme und Reiche, Mächtige und Ohnmächtige, Profiteure und Ausgebeutete. Das war schon zur Zeit Jesu so, und verschärft sich heute durch die Globalisierung, den Klimawandel und Kriege. Die Botschaft Jesu im Predigttext ist dabei ganz einfach: Macht es besser! (Foto: Rawpixel.com)
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Dirk Heckmann (58) ist Pfarrer für Bildungsarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken.

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Predigttext
19 Es war einmal ein Reicher. Er lebte in Saus und Braus. Alles konnte er sich kaufen. Und das genoss er sehr. 20 Vor seiner Tür lebte Lazarus. Er war arm und sehr krank. Er stank. 21 Lazarus wollte sich aus dem Abfall etwas zu essen holen. Doch der Reiche hatte Wachhunde. Die leckten an seinen Wunden. 22 Dann starb der arme Lazarus. Und die Engel trugen ihn in den Himmel, direkt in Abrahams Schoß. Auch der reiche Mann starb. 23 Er kam in die Hölle und litt teuflische Qualen. Als er aber zum Himmel hinaufsah, erblickte er Abraham und bei ihm Lazarus. 24 Er rief hinauf zu ihnen: Vater Abraham, hab Mitleid mit mir! Bitte schicke Lazarus zu mir, dass er mir mit etwas Wasser meine heiße Zunge kühlt. Ich verglühe! 25 Aber Abraham antwortete: Mein Sohn, erinnere dich: Du hast deinen Teil an Gutem schon bekommen – genauso wie Lazarus seinen Teil an Leid und Schmerzen. Dafür wird er hier getröstet, aber du musst leiden und schmoren. 26 Und es liegt ein unüberwindbarer Abgrund zwischen uns und euch. Niemand kann ihn überwinden. 27 Da sagte der Reiche: Dann schicke doch Lazarus wenigstens zu meiner Familie. 28 Lazarus soll sie warnen, dass sie nicht diese Höllenqualen leiden müssen. 29 Aber Abraham antwortete: Sie haben die Geschichte, die Gesetze und die Propheten. Auf die sollen sie hören. 30 Der Reiche antwortete: Nein Vater Abraham! Nur wenn jemand von den Toten zurückkommt, werden sie ihr Leben ändern. 31 Doch Abraham antwortete: Wenn sie nicht aus der Geschichte und von den Gesetzen lernen und auf die Propheten hören – dann wird sie auch niemand überzeugen, der von den Toten aufersteht.
Übersetzung auf Grundlage der BasisBibel

Es gibt zwei Wahrheiten, zwei Aussagen, die sich in unserem Bibeltext finden lassen. Zunächst: Der Reiche kommt nicht in den Himmel. Er hat das Gute schon in seinem Leben bekommen. Lazarus hingegen bekommt das Gute erst nach seinem Leben. Auf dieser Ebene werden der reiche Mann und der arme Lazarus verglichen. Der Vergleichspunkt ist das Geld. Dies ist die äußere Wahrheit.

Die zweite, die innere Wahrheit, stellt dem äußeren Reichtum des reichen Mannes den inneren Reichtum des Lazarus entgegen. Beim Pilgern lernt man: Es gibt einen äußeren Weg, und einen inneren, seelischen Weg.

Beide Wege beeinflussen sich gegenseitig, befruchten sich, verändern sich. Der Reiche hat keinen Namen, somit kein persönliches Profil. Er braucht Wachhunde, um sein Hab und Gut zu schützen. Hinter der Mauer des Reichtums und beschützt von seinen Hunden, nimmt er den Bedürftigen, den Kranken und Hungrigen nicht wahr.

Missgunst selbst beim Abfall

Lazarus will nur von seinem Abfall leben. Aber selbst da ist es des Reichen Angst, dass der Arme ihm seinen Reichtum stiehlt – und sei es nur sein Müll. Ganz so, wie es heute verboten ist, die abgelaufenen Lebensmittel vor der Entsorgung zu retten und aus dem Müll der Supermärkte zu entwenden. „Containern“ ist juristisch Diebstahl.

Die Hunde stehen in unserer Geschichte für den Instinkt und die Seele des Reichen. Sie kommen ihrer Wachhund-Funktion aber nicht nach. Sie nehmen Lazarus wahr, seine Not und Pein. Ganz im Gegensatz zu ihrem Herrchen. Und sie lindern Lazarus‘ Schmerz, indem sie seine Wunden lecken.

Äußerlich reich, innerlich arm

Die Hunde stehen für die abgespaltenen Gefühle des Reichen. Die Gefühle wären für ihn allerdings „Not-wendig“, um seinem Schicksal nach dem Tod zu entgehen. Wir sehen: Der reiche Mann mag äußerlich reich sein, innerlich ist er arm. Er hat seine Gefühle abgespalten, aus der Angst heraus, sie könnten ihn teuer zu stehen kommen.

Szenenwechsel: Der reiche Mann und der arme Lazarus sterben. Lazarus wird von den Engeln direkt in den Schoß Abrahams getragen. Abraham wartet schon auf ihn. Sein Leid im Leben wird nun kompensiert. Ganz anders der reiche Mann: Er erleidet Höllenqualen. Doch nun erst nimmt er Lazarus wahr. Seine im Leben aufgebaute Abwehr fremder Bedürfnisse und anderer Menschen bricht zusammen. Seine abgespaltene Emotionalität wird durch sein eigenes Leiden aktiviert.

Er sieht nun Lazarus und will von ihm profitieren. Die Linderung, die die Hunde dem Lazarus gebracht haben, indem sie seine Wunden leckten, erwartet der Reiche nun von Lazarus.

Darauf antwortet nun Abraham selbst. Der Tod verewigt die Kluft zwischen beiden Menschen. Im Leben hätte der Reiche die Chance gehabt, aus der Geschichte und den Geboten zu lernen. Er hätte die Chance gehabt, auf die Propheten zu hören.
Im Tod ist diese Chance vorbei. Ergreifen wir sie in unserem Alltag!

Gebet

Gott, öffne meine Augen, dass ich die Not meiner Mitmenschen sehe; öffne mein Herz, dass ich handle, wo meine Hilfe Not lindern kann. Lass mich nicht innerlich verhärten. Gott, schenke mir ein lebendiges und warmes Herz, dass ich mich berühren lasse von den Gefühlen und Geschichten der Menschen um mich her. Amen.

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Leser-Kommentare öffnen

ellybe, 22. Juni 2022, 16:56 Uhr


Was ist mit der Zuspitzung der gleichnishaften Erzählung ganz am Schluss: "wird sie (sie wird) auch niemand überzeugen, der von den Toten aufersteht"? Darauf geht der Verfasser überhaupt nicht ein, so als hörte die Geschichte mit dem ersten Halbsatz von Vers 31 auf! Statt dessen tut er so, als sei die Geschichte, die Jesus erzählt hat, kein (erfundenes) Gleichnis, das auf ein ganz besonderes Problem hinweisen will, sondern ein Tatsachenbericht aus dem Totenreich! Warum weicht der Verfasser der Andacht der Zuspitzung des Gleichnisses aus?

Alwite, 26. Juni 2022, 9:14 Uhr


Tod ist Ende und Schluß. Leben hier und jetzt. Dialoge im Totenreich erörten? Diskussionen um Gerechtigkeit können nur Lebende führen. So lese ich das Gleichnis der Bibel und die Predigt.
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