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So war es in diesem Jahr wohl in vielen Gemeinden: Die Konfirmandinnen und Konfirmanden durften ohne Maske Gottesdienst feiern. Die Gäste wurden gebeten, eine Maske zu tragen. (Foto: epd-bild/Jens Schulze)

„Das hat geklappt“

Konfirmation

Aus der Printausgabe - UK 25 / 2022

Karin Ilgenfritz | 19. Juni 2022

In den meisten Kirchengemeinden wurden die Konfirmationsgottesdienste fast wie früher gefeiert

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So war es in diesem Jahr wohl in vielen Gemeinden: Die Konfirmandinnen und Konfirmanden durften ohne Maske Gottesdienst feiern. Die Gäste wurden gebeten, eine Maske zu tragen. (Foto: epd-bild/Jens Schulze)

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Die Konfirmationsgottesdienste sind in diesem Jahr wieder normaler gelaufen. Aber die Pandemie war dennoch zu spüren. Vor allem der Konfirmandenunterricht litt darunter. Doch die Jugendlichen haben ihr Fest genossen.

„Meine Konfirmation war sehr cool“, sagt Caroline Sommerkamp aus Herne. „Ich war unglaublich aufgeregt.“ Die 14-Jährige wurde an Himmelfahrt konfirmiert. Bei dem feierlichen Gottesdienst hatten die Konfirmandinnen und Konfirmanden eine Sonderstellung. Als Hauptpersonen waren sie vom Masketragen befreit.

„Auch wenn es offiziell keine Maskenpflicht mehr gibt, wir bitten die Menschen dennoch, beim Gottesdienst eine Maske zu tragen“, sagt Pfarrer Ferdinand Kenning von der Gemeinde Holsterhausen in Herne. Er hat Caroline und 16 weitere Jugendliche konfirmiert. „Es hat alles wie am Schnürchen geklappt“, freut er sich. „Die Kirche war voll und bis auf die Masken war es fast wie früher.“

Freiwillig Maske getragen

Die Masken. Gemeindepädagogin Carina Kuznik ist Dozentin für Konfirmandenarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW)am Pädagogischen Institut (PI) in Villigst. Ihr fiel auf, dass es in vielen Gemeinden so war wie bei Ferdinand Kenning. Die Menschen in den Gottesdiensten zur Konfirmation haben größtenteils freiwillig Masken getragen.
„Die Konfirmandinnen und Konfirmanden haben wenig Probleme mit dem Maskentragen“, sagt sie. Manchmal schon zu wenig. „Mir fällt auf, dass viele sich geradezu hinter den Masken verstecken, sie sind schüchtern“, hat die Diakonin beobachtet. Sie vermutet, es liegt auch daran, dass der Unterricht zu großen Teilen digital stattgefunden hat und wenig Nähe möglich war. „Ich fürchte, viele dieser Jugendlichen erreichen wir auch mit Angeboten der Jugendarbeit kaum noch.“

In den letzten beiden Jahren haben die Konfis vielerorts wenig Bindung zu ihrer jeweiligen Kirchengemeinde entwickelt. „Dadurch fehlen oftmals jetzt auch die Teamer, also die, die sich nach ihrer Konfirmation in der Jugendarbeit engagieren“, sagt Carina Kuznik. „Da muss man investieren und noch mal Kontakt mit den letzten beiden Jahrgängen aufnehmen.“

In der Gemeinde von Ferdinand Kenning ist das noch kein allzu großes Problem. „Mit dem aktuellen Jahrgang war ich gut im Kontakt. Im Jahr davor war es schwieriger, da fand der meiste Unterricht digital statt.“ Jetzt konnte er sich mit seinen Konfis vor Ort treffen. Erst ein halbes Jahr lang wöchentlich je eine Stunde – direkt vor der Jugendstunde. „Wer wollte, konnte gleich da bleiben.“ Im zweiten Halbjahr hielt er Blockunterricht an Samstagen und eine Konfi-Fahrt gab es auch.

Er findet es wichtig, dass die Jugendlichen nach der Konfirmation die Möglichkeit haben, in der Gemeinde zu bleiben. „Ohne Jugendarbeit sind sie sonst schnell weg.“ Für ihn war es toll zu erleben, wie wichtig den jungen Menschen ihre Konfirmation ist. „Für sie ist es super, einmal so im Mittelpunkt zu stehen, Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu bekommen. Die Feier ist wichtig und auch die Geschenke gehören dazu“, sagt er. Aber der junge Pfarrer betont auch: „Viele bringen schon Kenntnisse über den Glauben und die Bibel mit. Sie sind bereits Christinnen und Christen und werden nicht erst durch die Konfirmation dazu.“

Pfarrerin lag mit Corona flach

Auch Pfarrerin Nina Ciesielski liegt die Konfirmandenarbeit am Herzen. In ihrer Gemeinde in Gelsenkirchen wollte sie zwei Konfirmationsgottesdienste feiern. Doch dann hat ihr Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Ich hatte am Abend vor dem ersten Gottesdienst etwas Halsschmerzen, der Test war aber negativ“, erzählt sie. So hat sie eine Gruppe von neun Jugendlichen konfirmiert. „Die zweite Runde habe ich verpasst, das wären 19 Konfis gewesen. Da lag ich mit Corona im Bett.“ Ihre größte Angst war, dass sie jemanden angesteckt haben könnte. Doch sie hat ständig eine Maske getragen und es scheint alles gut gegangen zu sein.

Inzwischen ist die Pfarrerin wieder fast fit und glücklich, dass sie wenigstens eine Konfirmation durchführen konnte. „Das war toll“, schwärmt sie. Im vergangenen Jahr hat es in ihrer Gemeinde viele Einzelkonfirmationen gegeben. „Das ging den ganzen Sommer über.“ Diesmal war es auch bei ihnen in der Gemeinde fast wieder normal.

Allerdings sind auch hier die Masken geblieben. Ihre Konfis hat sie immer mit Masken unterrichtet. „Auf dem Kirchvorplatz vor der Konfirmation habe ich sie zum ersten Mal ohne gesehen“, erzählt sie. „Eine habe ich erst gar nicht erkannt – ohne Maske, geschminkt und mit aufwändiger Frisur.“

Da der Konfirmandenunterricht durch Corona sehr eingeschränkt war und auch der Projekttag nicht stattfinden konnte, soll es für diesen Konfi-Jahrgang vor den Sommerferien noch eine große Grillparty geben. „Jede und jeder darf noch eine Person mitbringen“, sagt Nina Ciesielski. Sie hofft, dass viele kommen und dann viele anschließend den Weg in die Jugendarbeit finden.

„Konfirmandenarbeit ist mir wichtig“, sagt sie. „Ich mag es mitzuerleben, wie sich die verschiedenen Persönlichkeiten entwickeln, wie Denk-Prozesse angestoßen werden und wie sie einen Bezug zu Glauben und zu Gott bekommen.“ In ihrer Gemeinde erlebt sie, dass die meisten Jugendlichen noch nicht viel über Glaube und Kirche wissen.

In Herne bei Ferdinand Kenning ist das anders. Aber auch bei ihm gibt es die, die noch wenig Berührungspunkte mit dem Glauben hatten. „Darum ist die Konfirmation als Kasualie (kirchliche Amtshandlung) auch eine große Chance“, sagt er. „Man kommt nicht nur mit den Konfis in Kontakt, sondern auch mit ihren Familien und dem Freundeskreis.“

Carina Kuznik sieht in der Konfirmandenarbeit einen wichtigen Auftrag. „Es ist wichtig, dass jede Gemeinde, jeder Pfarrer und jede Pfarrerin für sich die richtige Form der Konfi-Arbeit findet“, sagt sie. „Es gibt so viele Möglichkeiten und so verschiedene Ansprüche. Auf dem Land, wo die Konfis manchmal über mehrere Ortschaften verteilt sind, braucht es andere Formen als in der Stadt, wo man sich schnell und unkompliziert auch mal für eine Stunde treffen kann.“

Das Pädagogische Institut bietet Gemeinden Beratung an, um die Konfirmandenarbeit zu gestalten. „Wir kommen gern in die Gemeinden vor Ort“, sagt Carina Kuznik und meint damit auch ihre Kollegin Pfarrerin Iris Keßner. Und auch für die Teamerinnen und Teamer gibt es Angebote. „Gönn dir…“ heißt eines davon. „Ich kann in das Konfi-Team vor Ort in der Gemeinde oder im Kirchenkreis eingeladen werden und gestalte mit den Ehren- und Hauptamtlichen einen halben Tag zu einem selbstgewählten Thema.“

Caroline empfiehlt Konfirmation

Für Konfirmandin Caroline Sommerkamp ist jedenfalls klar: „Ich gehe auf jeden Fall weiter in die Jugendgruppe. Bei uns heißt das „You“. Mindestens die Hälfte von uns kommt da.“ Sie kommt ins Schwärmen, wenn sie von ihrer Konfi-Zeit erzählt. „Ich habe neue Freundschaften geschlossen und viel erlebt. Wir konnten super mit unserem Pfarrer und den Teamern reden. Und uns segnen lassen.“ Für sie war die Konfirmation auch deswegen wichtig, weil sie mehr über die Bibel erfahren wollte und Gott näher sein wollte. „Das hat geklappt. Ich kann jedem empfehlen, sich konfirmieren zu lassen.“

Angebote des PI gibt es bei Carina Kuznik, Telefon (0 23 04) 75 52 67, mobil (01 60) 6 73 94 30; E-Mail: carina.kuznik@pi-villigst.de oder an Iris Keßner, Telefon (0 23 04) 75 52 61.

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