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Zugewandt soll die Segensgeste wirken – die Arme vielleicht noch etwas runder? Robin Meier und Heike Bandner-Wappner üben die richtige Haltung beim Segen. (Foto: Anke von Legat)

Damit Worte und Gesten ankommen

Aus der Printausgabe - UK 22 / 2022

Anke von Legat | 29. Mai 2022

Menschen, die ehrenamtlich Gottesdienste halten, sind gefragter denn je. Ein Seminar zeigt, wie‘s geht

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Zugewandt soll die Segensgeste wirken – die Arme vielleicht noch etwas runder? Robin Meier und Heike Bandner-Wappner üben die richtige Haltung beim Segen. (Foto: Anke von Legat)

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Prädikantinnen und Prädikanten sind Frauen und Männer, die von der Kirche zum „Dienst an Wort und Sakrament“ beauftragt sind. Aber um  predigen, das Abendmahl einsetzen und taufen zu dürfen, muss erst eine Ausbildung absolviert werden – zum Beispiel in der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Die Sonne scheint warm auf den Innenhof von Haus Villigst, der Tagungsstätte der westfälischen Landeskirche. 21 Frauen und Männer stehen hier im Kreis, heben die Arme, wölben die Finger, führen dann die rechte Hand gerade nach unten und schlagen ein Kreuz. „Achtet darauf, dass ihr die Hand einfach aufrecht haltet“, rät Carsten Haeske, Pfarrer und Ausbilder für Prädikantinnen und Prädikanten. „Und setzt die Linie von rechts nach links etwas weiter nach vorne – dann haben die Leute das Gefühl, dass ihr ihnen entgegen kommt.“

Segen ist das Thema der kurzen praktischen Einheit während der Prädikantenausbildung an diesem Samstag. Ein tief vertrautes Ritual für alle, die hier stehen. Aber gar nicht so einfach, wenn man es selbst ausführen soll, wie die konzentrierten Blicke zeigen.

Segnen – gar nicht so einfach

Denn es gibt einiges zu beachten: Aufrecht stehen, aber locker bleiben; den Blick wandern lassen; und dann noch die Segensworte auswendig sprechen und mit den Gesten koordinieren… Wahrscheinlich nimmt sich die eine oder der andere vor, das noch einmal kräftig zu üben, bevor es das erste Mal live vor die Gemeinde geht.

Hinter der Gruppe liegt bereits die Andacht einer Teilnehmerin mitsamt Analyse und eine Einheit zum Thema Predigtgliederung. „Predigen macht Arbeit“, stellt Elke Rudloff, die zweite Ausbilderin des Kurses, zu Beginn fest. Denn eine Predigt schreibt sich nicht einfach in einer Stunde herunter. Vor dem fertigen Text stehen Arbeitsschritte wie die Analyse des Bibeltextes, das Sammeln von Einfällen und Impulsen und – ganz wichtig – das Auswählen einer Botschaft, auf die alles andere zugeschnitten wird. „Das kann auch heißen, dass ihr eure Lieblingsidee wieder streichen müsst“, erklärt Rudloff. „Seid da streng mit euch selbst! Ihr macht es den Zuhörenden einfacher, wenn ihr eine klare rote Linie verfolgt.“ Die Ideen, die diesmal nicht zum Zuge kamen, sollte man ins „Schatzkästchen“ legen, so rät die Pfarrerin – „fürs nächste Mal“.

Wer sich zur Prädikantin oder zum  Prädikanten ausbilden lassen möchte, braucht einen Beschluss des Presbyteriums und eine Stellungnahme der Superintendentur, um sich beim Landeskirchenamt zu bewerben. Die Kosten übernimmt die Landeskirche, die Fahrtkosten erstattet die Gemeinde. Vor der Zulassung findet ein Kolloquium statt, bei dem es um Vorkenntnisse und um die persönlichen Fähigkeiten der Bewerbenden geht. „Wir haben festgestellt, dass es Bewerberinnen und Bewerbern durchaus schwerfällt, Texte zu verfassen“, erklärt Elke Rudloff. „Manchmal raten wir dazu, vor Beginn der Ausbildung daran zu arbeiten. Das kann Misserfolgen vorbeugen.“

 Die Ausbildung umfasst im Zeitraum von rund anderthalb Jahren zwei Wochenenden und zwölf Samstage, an denen es um Bibelkunde und Exegese, um das Auftreten in der Liturgie und die eigene Rolle beim Predigen geht. Ein dichtes Programm – auch an diesem Kurstag. Gerade mal eine Stunde Mittagspause bleibt, bevor es weitergeht mit der nächsten Andachtskritik, Einzelarbeiten an Texten und persönlichen Feedbacks von Carsten Haeske und Elke Rudloff. Ein ganz schöner Aufwand. Warum tun sich die Männer und Frauen zwischen 26 und 71, die hier mitmachen, das an?

„Meine Pfarrerin hat mich gefragt, ob ich Presbyterin werden wollte – oder Prädikantin. Da habe ich lieber die Prädikantin genommen“, erzählt Bärbel Debus aus Burbach im Siegerland. Für Debus, die in der Flüchtlingsarbeit tätig ist, gab es aber zusätzlich auch einen theologischen Reiz: „Ich bin mit einer ziemlich engen Frömmigkeit aufgewachsen und wollte gerne über den Tellerrand schauen.“ Eine Dialogpredigt gemeinsam mit ihrer Pfarrerin hat sie schon gehalten während der Ausbildung – die Premiere für einen Gottesdienst ganz in eigener Verantwortung steht noch aus.

Auch bei Heike Bandner-Wappler kam der Vorschlag, Prädikantin zu werden, aus der Gemeinde. „Die haben einfach nicht lockergelassen“, erzählt die Musikerin, die sich schon seit langem in ihrer Gemeinde Borgentreich-Körbecke bei Warburg ehrenamtlich engagiert, unter anderem als Presbyterin. Regelmäßig übernimmt sie Lesungen im Gottesdienst – „als Musikerin bin ich es gewohnt, vorne zu stehen“. Mehrmals habe der Superintendent sie gefragt, ob sie sich nicht zur Prädikantin ausbilden lassen wolle, bis sie schließlich zusagte.

„Die Not in den Gemeinden ist groß, und sie wird immer größer“, sagt auch Erhard Lemmink aus Ahaus. Deshalb hat auch er sich überzeugen lassen, die Ausbildung zu machen, obwohl er mit einem Alter von 71 nur noch vier Jahre lang als Prädikant tätig sein könne – die offizielle Altersgrenze liegt bei 75. Aber, so gibt Lemming zu bedenken: „Wir können als Ehrenamtliche nicht die Lücken stopfen, die durch zu wenige Pfarrer entstehen.“

• Ausführliche Informationen im Internet: www.institut-afw.de/wir-ueber-uns/fachbereiche/praedikantinnen-und-praedikanten/

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