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Foto: epd-bild/Rico Thumser

«Jeder Krimi ist eine Tragödie»

epd-Gespräch

Diemut Roether | 5. Mai 2022

Ein Gespräch mit dem Regisseur und Autor Max Färberböck

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Foto: epd-bild/Rico Thumser

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Frankfurt a.M. (epd). Der Regisseur und Autor Max Färberböck ist zwar für Krimis bekannt, sieht sich jedoch nicht als Krimi-Regisseur. «Für mich ist jeder Krimi in erster Linie eine Tragödie», sagte er dem Evangelischen Pressedienst. «Die Filme erzählen von Existenzen, die mitten aus dem Leben herausgelöst und hinweggefegt werden.» Diesem Muster bleibt er auch im achten «Tatort Franken» treu, der am Sonntag im Ersten läuft.

   Der neue «Tatort» aus Nürnberg mit dem Titel «Warum» zeigt in den ersten Minuten, welche Tragödie über Angehörige hereinbricht, wenn ein Mensch gewaltsam aus dem Leben gerissen wird. «Das ist die Art, wie ich gerne Krimis oder 'Tatorte' erzähle», sagte Färberböck. «Es gibt Menschen, die in eine Situation geraten, die sie nicht mehr meistern können.» In seinen Filmen gebe es keine Serienkiller: «Ich vermeide die üblichen Verdächtigen, die normalerweise die Plots bevölkern. Ich vermeide Plots so gut ich kann. Mir geht es um Menschen und um Schauspieler, um Musik, Motive und eine Kamera, die so tief wie möglich guckt.» Auch typische Milieufiguren kämen bei ihm nicht vor: «Mich interessiert die Stille von Menschen, die man kaum ertragen kann.»

   Der Filmemacher hat den «Tatort Franken» 2015 gemeinsam mit seiner Co-Autorin Catharina Schuchmann für den Bayerischen Rundfunk entwickelt. Dabei sei es ihnen darauf angekommen, das Team möglichst lebendig zu gestalten: «Das sind Menschen aus dem Leben, sie haben Humor, sie haben einen vitalen, zugreifenden Geist. So werden sie von den Tragödien, mit denen sie umzugehen haben, auch persönlich getroffen.»

   Färberböck (71), der in den 90er Jahren auch die ersten Krimis der «Bella-Block»-Reihe für das ZDF schrieb, entwickelt gerne Frauenfiguren: «Ich bin mit einer Mutter, zwei Tanten und einer Cousine aufgewachsen, die eine große Rolle gespielt haben, das hat mir beim Schreiben von Frauen viel geholfen.»

   Obwohl der Regisseur vor allem für Krimis bekannt ist, sieht er sich selbst eigentlich eher als Komödienautor: «Deswegen haben auch die größten Tragödien immer eine Tür, die auffliegt, und da kommt plötzlich Leichtigkeit dazu.»

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