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Der schiefe Turm der St-Viktor-Kirche ist ein Wahrzeichen von Schwerte. Von hier kommt der Gottesdienst am Ostermontag. (Foto: WDR/Christoph Harmata)

Kurzfristige Änderung

Aus der Printausgabe - UK 16 / 2022

Karin Ilgenfritz | 18. April 2022

Tom Damm predigt beim ARD-Gottesdienst am Ostermontag. Die Vorbereitungen waren aufregend

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Der schiefe Turm der St-Viktor-Kirche ist ein Wahrzeichen von Schwerte. Von hier kommt der Gottesdienst am Ostermontag. (Foto: WDR/Christoph Harmata)
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Tom Damm ist Stadtpfarrer in Schwerte und predigt am Ostermontag beim ARD-Gottesdienst. (Foto: Daniel Groß)

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Am Ostermontag um 10 Uhr überträgt die ARD den evangelischen Gottesdienst aus der Kirche St. Viktor in Schwerte. Pfarrer Tom Damm wird predigen. Im Gespräch mit Karin Ilgenfritz berichtet er von den Vorbereitungen.

Ist das Ihr erster Fernsehgottesdienst?
Tom Damm: Nein. Ich habe bereits zwei Gottesdienste beim ZDF mitgestaltet und einen bei der ARD. Den bei der ARD allerdings nicht als Pfarrer, sondern als Musiker. Unsere Band sorgte für die musikalische Umrahmung.

Wie sehen die Vorbereitungen aus?
Die sind sehr aufwändig. Man wird da extra geschult – da gibt es Sprechtraining und Kameratraining. Es ist wichtig, dass man freundlich rüberkommt. Ich höre manchmal, dass ich auch schon mal distanziert wirke. Da musste ich üben.

Wie übt man das?
Man muss zum Beispiel lernen, nicht nur den Mund zu einem Lächeln zu ,verziehen‘, sondern auch mit den Augen zu lächeln. Sonst wirkt es gekünstelt. Inzwischen kann ich das, aber das hat bei mir nicht von Anfang an geklappt. Dann habe ich auch gelernt, direkt in die Kamera zu schauen. Dafür habe ich meine Texte auswendig gelernt. Viele fanden es toll, wenn ich in die Kamera blicke. Aber es kamen auch Rückmeldungen, die sagten, das wäre ihnen zu nahe und zu direkt gewesen.

Worin liegt der größte Unterschied zur Vorbereitung eines normalen Gottesdienstes?
Ein wesentlicher Unterschied ist, dass normalerweise alle Menschen im Gottesdienst willkommen sind. Egal, wer man ist und wie man aussieht. Im Fernsehen wird schon darauf geachtet, wie jemand aussieht. Man spricht bei einem TV-Gottesdienst auch anders. Es wird viel Wert darauf gelegt, dass Menschen angerührt werden. Das sollten wir Pfarrerinnen und Pfarrer sonst auch mehr beachten – dass wir Menschen berühren.

Tun Sie das denn nicht alle?
Doch, schon. Aber ich habe den Eindruck, wir konzentrieren uns oft zu sehr auf die Liturgie und auf den Inhalt der Predigt als darauf, dass wir die Menschen wirklich erreichen. Wie wir rüberkommen. Ich schätze, wir stecken rund 80 Prozent in die theologische Vorbereitung und 20 Prozent in die Vorbereitung, wie es bei den Menschen ankommt.

Sind Sie aufgeregter als sonst vor einem Gottesdienst?
Auf jeden Fall. Da sehen im Schnitt mindestens 500 000 Menschen zu, das ist schon was anderes. Und es wird live übertragen, das steigert die Aufregung nochmal.

Was tun Sie gegen die Aufregung?
Tief durchatmen und ein Stoßgebet zum Himmel schicken. Manchmal mache ich auch eine Entspannungsübung oder sage mir einen Bibelvers vor. Ich bin schon aufgeregt, aber wenn es dann so weit ist, werde ich nach den ersten Worten schnell ruhig. Dann bin ich voll da.

Wie lief die Vorbereitung für den Gottesdienst kommenden Ostermontag?
Das war krass. Im letzten Jahr habe ich beim WDR, der übrigens auch diesen Gottesdienst produziert, einen Radiogottesdienst über das Musical ,Jesus Christ Superstar‘ gemacht. Pfarrerin Petra Schulze ist die evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR. Sie fand die Sache mit dem Musical so gut und meinte, daraus könnten wir einen Fernsehgottesdienst gestalten. Das haben wir gemacht. Wir haben mit den Vorbereitungen Mitte letzten Jahres begonnen. Alles war fertig. Dann brach der Krieg in der Ukraine aus und der WDR sagte: Das geht nicht. Der vorbereitete Gottesdienst passt nicht zur aktuellen Lage.

Und dann?
Wir, das Team, haben Kopf gestanden. Wir stellten fest, dass wir das Konzept nicht umarbeiten konnten, sondern konsequenterweise ein neues her musste. Also entstand ein komplett neues Drehbuch. Das wurde eine Woche vorher fertig. Alles musste neu gedacht werden – angefangen von Licht, Ton, Kameraführung, Musik bis hin zur Predigt. Wir haben uns oft in der Kirche getroffen und viele Besprechungen online gemacht. Wir mussten eine neue Band suchen. Die Lieder müssen ja auf die Sekunde genau gespielt werden. Das hat alles geklappt. Wir haben eine fünfköpfige Band, die poppige Lieder spielt – zum Beispiel „Imagine“ von John Lennon. Und wir haben ein klassisches Trio, das die Gemeindelieder mitsingt.

Wird da viel geprobt?
Klar. Am Ostersonntag ist von 12 bis 19 Uhr Generalprobe. So ein TV-Gottesdienst ist aufwändig. Kostet rund 40 000 Euro. Rund 40 Personen wirken vor und hinter der Kamera mit.

Krieg in der Ukraine, wir sehen jeden Tag unsägliches Leid in den Bildern – was predigt man da zu Ostern?
Mit Ostern verbinde ich Leichtigkeit und Fröhlichkeit. Es ist ein Familienfest. Dagegen ist die Stimmung in der Gesellschaft gerade bestimmt von der Grausamkeit des Krieges, wir sind erschüttert und viele Menschen haben Angst. Wenn man das erste Osterfest anschaut, sind wir nicht so weit davon entfernt: Die Jünger hatten sich verschanzt. ,Ihr‘ Jesus ist gestorben. Sie hatten Angst vor den Behörden. Davor, dass sie selbst verhaftet, gefoltert und getötet werden könnten. Dann kommt Jesus zu ihnen und das erste, was er ihnen sagt ist: Friede sei mit euch. Das ist auch meine Osterbotschaft: Friede sei mit uns.

Der evangelische Gottesdienst am Ostermontag, den 18. April, wird um 10 Uhr aus der Kirche St. Viktor in Schwerte übertragen. Die Predigt hält Pfarrer Tom Damm. Die kirchliche Leitung hat Landespfarrerin Petra Schulze.

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