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Aretha Franklin singt bei Präsident Barack Obamas Labor-Day Veranstaltung am 05.09.2011 in Detroit, Michigan, USA. (epd-bild/imageBROKER/Jim West)
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Die Königin des Soul

Musik

Holger Spierig (epd) | 26. März 2022

«Respect» heißt ihr bekanntester Song, und er könnte auch als Motto für ihr Leben gelten. Aretha Franklin (1942-2018) steht für den Kampf gegen jede Form von Unterdrückung. Mit ihren Songs ermutigte sie die Bürgerrechtsbewegung - und viele Frauen.

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Aretha Franklin singt bei Präsident Barack Obamas Labor-Day Veranstaltung am 05.09.2011 in Detroit, Michigan, USA. (epd-bild/imageBROKER/Jim West)

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Bochum (epd). Sie war die «Queen of Soul» und ein Star mit Haltung. Aretha Franklin lieferte in ihrer rund 60-jährigen Karriere so viele Hits wie kaum jemand sonst. Sie war im Pop und Soul ebenso zu Hause wie im Jazz oder in der Gospelmusik. «Eine der einflussreichsten und wichtigsten Stimmen in der Popgeschichte», urteilte das Magazin «Rolling Stone». Am 25. März wäre die Sängerin 80 Jahre alt geworden, sie starb 2018.

   Aretha Franklin, die den Bürgerrechtler Martin Luther King öffentlich unterstützte, sang Welthits mit George Michael («I Knew You were waiting for me»), Annie Lennox von den Eurythmics («Sisters are doing it for themselves») und Elton John («Through the Storm»). Sie brachte Gospelmusik in die Hitparaden («Amazing Grace»). Und in den Filmen «Blues Brothers» (1980) und «Blues Brothers 2000» (1998) begeisterte sie mit ihren Auftritten weltweit das Kinopublikum.

   Die stimmgewaltige Künstlerin sei bis heute Vorbild für viele Popmusiker, sagte Gregor Schwellenbach, Komponist und Dozent an der Folkwang Universität Essen/Bochum, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie sei «eine der besten Sängerinnen der Popgeschichte».

   Ihre Stimme klinge sehr kraftvoll, aber gleichzeitig entspannt. Das unterscheide Franklin von vergleichbaren Sängerinnen, die zwar eine ähnliche Emotionalität und Emphase zeigten, dabei aber viel angestrengter wirkten: «Franklins Stimme scheint keine Grenzen zu haben.»

   «Emotional überzeugend» nennt er sie: «Jedes Wort, das sie singt, fühlt sie in dem Augenblick.» Aretha Franklin habe sich nicht angebiedert, sondern eine Haltung und eine Botschaft vermittelt. Ihre Gospel-Wurzeln habe sie nahtlos in die Bürgerrechtsbewegung übertragen können: «Man glaubt ihr, was sie sagt - und sie hat auch etwas zu sagen.» Bekanntestes Beispiel ist ihr Song «Respect».

   Ursprünglich war das Lied von Otis Redding die Klage eines Mannes, der nach einem langen Arbeitstag zu Hause von seiner Frau mehr Respekt verlangte. Bei Aretha Franklin aber verwandelte es sich in eine Hymne der Bürgerrechtsbewegung und auch der weiblichen Emanzipation. In einer von ihr hinzugefügten Strophe buchstabierte sie selbstbewusst die Botschaft des Songs: «R-E-S-P-E-C-T - Finde
heraus, was das für mich heißt!»

   Erfolge wie «Respect», «Think» oder «I Say a Little Prayer» machten Aretha Franklin zum Superstar der Soul-Musik, zur «Queen of Soul». Mit 18 Grammys und 73 Hits in den amerikanischen Charts gehört sie zu den erfolgreichsten Frauen der Musikgeschichte. Sie war die erste Frau, die in die Hall of Fame des Rock 'n' Roll aufgenommen wurde. Das Magazin «Rolling Stone» kürte sie 2010 unter 100 Anwärterinnen zur «größten Sängerin aller Zeiten».

   Aretha Franklin steht dabei auch für den Kampf für die Bürgerrechte und für die Emanzipation von Frauen. Sie sang für Bill Clinton und Barack Obama bei deren Amtseinführungen als US-Präsidenten. US-Präsident Geoge W. Bush verlieh ihr 2005 die Presidential Medal of Freedom.

   Die Hingabe, mit der Aretha Franklin sang, könnte auch damit zusammenhängen, dass sie die Schattenseiten des Lebens kannte. Die Mutter verließ die Familie, als Aretha sechs Jahre alt war, und starb vier Jahre später. Mit 14 Jahren wurde Aretha Franklin selbst Mutter und brach die Schule ab. Ein weiteres Kind bekam sie mit 16. Über die Väter äußerte sie sich nicht. Ihren ersten Sohn nannte sie Clarence Franklin, nach ihrem eigenen Vater.

   Ihr erster Ehemann gängelte sie und soll sie auch geschlagen haben. Ihren Schmerz versuchte sie mit Essen und auch mit Alkohol zu lindern. Aretha sei jedoch eine Überlebenskünstlerin, schrieb der Musikjournalist Mark Bego in der Biografie «Aretha Franklin - Queen of Soul»: «Es gelang ihr jedes Mal, den Schmerz ihrer persönlichen Tragödien in kreative Energie umzuwandeln.»

   Geboren wurde Aretha Franklin 1942 in Memphis als zweitjüngstes von fünf Kindern eines Baptistenpredigers. Schon als Kind sang sie zusammen mit zwei ihrer Schwestern im Chor der «New Bethel Baptist Church» ihres Vaters. Mit 14 Jahren nahm sie dort live ihre erste Schallplatte «Songs of Faith» (1956) mit Gospelsongs auf. Mit 18 Jahren hatte sie ihren ersten Plattenvertrag in der Tasche.

   Mit ihrer Vorliebe für Limousinen und teure Pelze galt Franklin als eine der letzten großen Soul-Diven. Ihr Privatleben schirmte sie strikt ab. Kurz vor ihrem 75. Geburtstag kündigte sie ihren Rückzug von der Bühne an, ein gutes Jahr später, am 16. August 2018, erlag sie einem Krebsleiden.

   Zu den Trauergästen gehörten Bill und Hillary Clinton, Bürgerrechtler Jesse Jackson, Schauspielerin Whoopi Goldberg und Soul-Veteran Stevie Wonder. Auch nach ihrem Tod ist Aretha Franklin immer noch öffentlich präsent: Im vergangenen Jahr kam die Filmbiografie «Respect» mit den Oscar-Preisträgern Jennifer Hudson
und Forest Whitaker ins Kino.

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