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Matthias Haudel: Theologie und Naturwissenschaft. Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, 486 Seiten, 24,90 Euro.

Vorurteile überwinden – Wirklichkeit erkennen

Rezension

Aus der Printausgabe - UK 11 / 2022

Christa A. Thiel | 12. März 2022

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Matthias Haudel: Theologie und Naturwissenschaft. Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, 486 Seiten, 24,90 Euro.

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Wer dieses Buch in die Hand nimmt, braucht weder Theologie noch ein naturwissenschaftliches Fach studiert zu haben. Interesse an dem Verhältnis von Theologie und Naturwissenschaft reicht. Denn gleichermaßen verständlich wie hochwissenschaftlich beschreibt Matthias Haudel die geschichtlichen Entwicklungen, die aktuelle Situation und zukünftige Herausforderungen – lokal und global. Haudel ist Professor für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.

Die biblische und die naturwissenschaftliche Sicht auf die Welt sind nicht als Gegensätze zu begreifen. Sie brauchen einander, um die ganze Wirklichkeit und um Lebenszusammenhänge zu verstehen. Das wird an vielen Beispielen deutlich. Fast fünf Jahre lang hat der Autor an dieser umfassenden Darstellung gearbeitet. Ich habe das Buch nicht Seite für Seite gelesen, sondern mit den Kapiteln begonnen, die mich ansprangen. Das waren „Experimente zur Willensfreiheit“ und die „Ansprüche der Neurowissenschaften“. Was ich las, machte Lust auf mehr. So erschlossen sich mir auch Albert Einsteins Relativitätstheorie und seine Religiosität.

Als das Buch entstand, war Corona noch kein vorrangiges Thema. Die Frage aber, wie ein gerechter Gott das Leid in der Welt zulassen kann, ist ein bleibendes Thema. In diesem Zusammenhang zeigt der Autor, wie Naturprozesse verstanden werden können. Diese grundsätzlichen Ausführungen geben Impulse für die konkreten Lebensfragen heute.

Am Ende des Buches geht es um konkrete ethische Herausforderungen und Lösungsversuche. Gerade beim Thema selbstbestimmtes Sterben müssten Theologie und Kirche ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung immer wieder neu wahrnehmen, so der Autor. „Auch die ethische Perspektive verweist also in vielfältiger Hinsicht auf die bleibende Bedeutung des Dialogs von Theologie und Naturwissenschaft.“

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