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Wissen, wo es langgeht

Leitartikel

Aus der Printausgabe - UK 09 / 2022

Karin Ilgenfritz | 1. März 2022

Niemand lässt sich gerne vorschreiben, was zu tun oder zu lassen ist. Dennoch gibt es immer wieder Zeiten, in denen Menschen Orientierung brauchen. Der eine mehr, die andere weniger

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Wanderer sind vom Weg abgekommen. Sie haben sich verlaufen. Zum Glück haben sie eine gute Wanderkarte und einen Kompass dabei. So können sie sich orientieren und finden einen Weg, der sie weiterführt. Wenn Autofahrer sich nicht auskennen, hilft das Navigationssystem, sich zurechtzufinden – etwa in einem Gewirr von Autobahnen oder in einer fremden Stadt.

Wenn ein junger Mensch vor der Wahl steht, welchen Beruf er ergreifen soll, ist das mit der Orientierung nicht ganz so einfach. Da hilft es, sich gut zu informieren und vielleicht verschiedene Tätigkeiten auszuprobieren. So oder so: Es gibt viele Situationen im Leben, wo Menschen Orientierung brauchen.

Schon in der Erziehung ist es wichtig, Kindern zu helfen, dass sie ihren Weg finden. Ihnen einerseits zu verdeutlichen, was möglich ist. Andererseits brauchen Kinder auch klare Grenzen. Wo sie die nicht haben, testen sie diese aus und können Erwachsene manchmal wiederum an deren Grenzen bringen.

Orientierung heißt, man findet sich zurecht – in Raum und Zeit. Wer sich orientiert, verschafft sich einen Überblick, auch in unübersichtlichen Situationen. Der Mensch braucht Orientierung. Er sehnt sich geradezu danach. Fehlt sie, kann das Stress auslösen, krank machen oder aber auch zu Stillstand führen. Wer keine Orientierung hat, wird handlungsunfähig.

Generationen lang waren die Kirchen ein wesentlicher Faktor für die Orientierung der Menschen. Es war klar, welche Feste gefeiert wurden, was man da durfte und was nicht – etwa das Tanzverbot an den stillen Feiertagen wie Karfreitag. Es war vorgegeben, dass man in der Fastenzeit auf bestimmte Speisen und Verhaltensweisen verzichtete.

Das hat sich im Laufe der Zeit verändert. Die Kirchen haben nicht mehr diesen selbstverständlichen Einfluss auf die Gesellschaft. Individuelle Entscheidungen und der Drang nach Unabhängigkeit sind in den Vordergrund gerückt. Dennoch können Kirchen, kann der christliche Glaube Orientierung geben. Das ist etwas anderes als Vorschriften machen.

So gibt es längst keine starren Regeln mehr, wie Christinnen und Christen die Fastenzeit zu gestalten haben. Aber es gibt Ideen, Vorschläge, wie das aussehen könnte. Doch jede und jeder kann in aller Freiheit entscheiden, wie er oder sie sich auf Ostern vorbereitet.

Noch viel wichtiger ist Orientierung, wenn es um wesentliche Lebensentscheidungen geht. Etwa darum, eine neue Stelle anzunehmen und den Wohnort zu wechseln. Oder wenn sich die Frage stellt, ob die Ehe noch zu retten ist. Manche Menschen würden sich in solchen Situationen wünschen, dass es da ganz klare Orientierungspunkte gibt. Ist aber selten so.

Dennoch kann der Glaube da Orientierung geben. Ein Blick in die Bibel kann helfen, seien es die Zehn Gebote, das Gebot der Gottes-, Selbst- und Nächstenliebe oder Gleichnisse, die Jesus erzählt hat. Auch Gespräche mit Menschen, denen man vertraut und deren Haltung man schätzt, können hilfreich sein. Natürlich – entscheiden muss jeder selbst. Aber es hilft, wenn man Werte und Ideale hat, an denen man sich orientieren kann.

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