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Warum erleben die einen Wunder und die anderen nicht? Warum erhört Gott hier Gebete und dort nicht? Es ist nicht immer einfach, auf Gottes Hilfe und Führung zu vertrauen, wenn das Leben gerade aus den Fugen gerät und ganz anders läuft als erhofft. Der Predigttext erzählt von einem römischen Hauptmann, der mit seinem Glauben und seinen Zweifeln zu Jesus kommt und von ihm ein Wunder erwartet. Ein Mensch, der seine Unsicherheit offen zugibt und dabei an seiner Hoffnung festhält – gerade darin ein Vorbild im Glauben. (Foto: callisto)

Zwischen Zweifel und Vertrauen

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 04 / 2022

Ulrike Bell | 21. Januar 2022

Über den Predigttext zum 3. Sonntag nach Epiphanias: Matthäus 8, 5-13

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Warum erleben die einen Wunder und die anderen nicht? Warum erhört Gott hier Gebete und dort nicht? Es ist nicht immer einfach, auf Gottes Hilfe und Führung zu vertrauen, wenn das Leben gerade aus den Fugen gerät und ganz anders läuft als erhofft. Der Predigttext erzählt von einem römischen Hauptmann, der mit seinem Glauben und seinen Zweifeln zu Jesus kommt und von ihm ein Wunder erwartet. Ein Mensch, der seine Unsicherheit offen zugibt und dabei an seiner Hoffnung festhält – gerade darin ein Vorbild im Glauben. (Foto: callisto)
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Ulrike Bell (52) ist Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde St. Nicolai in Lemgo.

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Predigttext
5 Jesus ging nach Kapernaum. Da kam ihm ein römischer Hauptmann entgegen. Er sagte zu Jesus: 6 „Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause. Er hat furchtbare Schmerzen!“ 7 Jesus antwortete: „Ich will kommen und ihn gesund machen.“ 8 Der Hauptmann erwiderte: „Herr! Ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst! Aber sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund! 9 Denn auch bei mir ist es so, dass ich Befehlen gehorchen muss. Und ich selbst habe Soldaten, die mir unterstehen. Wenn ich zu einem sage: ,Geh!‘, dann geht er. Und wenn ich zu einem anderen sage: ,Komm!‘, dann kommt er. Und wenn ich zu meinem Diener sage: ,Tu das!‘, dann tut er es.“ 10 Als Jesus das hörte, staunte er. Er sagte zu den Leuten, die ihm gefolgt waren: „Amen, das sage ich euch: Bei niemandem in Israel habe ich so einen Glauben gefunden! 11 Ich sage euch: Viele werden aus Ost und West kommen. Sie werden mit Abraham, Isaak und Jakobim Himmelreich zu Tisch liegen. 12 Aber die Erben des Reiches werden hinausgeworfen in die völlige Finsternis. Da draußen gibt es nur Heulen und Zähneklappern.“ 13 Dann sagte Jesus zum Hauptmann: „Geh! So wie du geglaubt hast, soll es geschehen!“ In derselben Stunde wurde sein Diener gesund. (BasisBibel)

Ich kenne einige Menschen, die mich mit ihrem lebendigen christlichen Glauben und ihrem ganz konkreten, diesseitigen Gottvertrauen sehr beeindruckt haben.

Mariana zum Beispiel hat früh im Leben Heilung durchs Gebet erfahren: ein Christ betete über ihrem etwas verkürzten Bein, das ihr Wirbelsäulenprobleme brachte. Sie erinnert sich, wie sie es während des Gebets wachsen spürte, ein Wunder; die Basis ihres wunderbaren, lebenslangen Glaubens. Oder Mavis, die schöne Seele aus Jamaica, die trotz vieler Schicksalsschläge festhält an der Güte Gottes und „the love of my Lord Jesus“ („an der Liebe meines Herrn Jesus“).

Was meinen Sie, auf einer Skala von eins bis zehn, wo sind Sie gerade mit der Weite und Tiefe Ihres Glaubens, mit Ihrer Durchlässigkeit für Gott?

Wie kann Glaube wachsen?

Jesus kannte sicher einige gute, weise und gottesfürchtige Leute. Aber hier war er beeindruckt vom Glauben des Centurios – wow. Bei dem Römer, dem Besatzer, dem starken Alpha-Tier mit machtvollem, hohem Rang, fand er mehr Gottvertrauen als bei Gottes eigenem Volk oder ihren Berufs-Gläubigen in Jerusalem.

Woher hatte der Römer das, was die Geliebten Gottes so nicht hatten? Wie kann Glaube, wie kann Gottvertrauen wachsen? Wie kann unser Glaube tiefer werden?

Der Hauptmann muss von Jesus gehört haben, und vielleicht hat er Jesus auch schon eine Weile beobachtet oder beobachten lassen. Es gab also Berichte, Zeugnis. Und er hatte den Mut, Jesus direkt anzusprechen: „Sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund.“

Auch wir brauchen all das: lebendiges Echt-Zeit Zeugnis, und Gebet. Und natürlich Offenheit für Gottes Handeln. Und Gottes Gnade.

Mit Glaubenszeugnissen tun wir uns schwer. Als Sie weiter oben von meiner Freundin Mariana gelesen haben, vielleicht waren Sie da etwas skeptisch, so wie ich, als ich es erst hörte. Die Wahrheit ihres Zeugnisses entdeckte ich in der zögerlichen und stillen Art, wie sie mir dieses unglaubliche Ereignis erzählte. Sie ging damit nicht hausieren, sondern entschied sich erst nach Jahren Freundschaft, mit mir dieses Wunder zu teilen. Warum gibt es Heilungswunder für einige, aber für andere nicht?

Sie hat keine Antwort darauf, und ich habe sie auch nicht. Nur das Wissen, dass Jesus auch heute noch Wunder wirkt. Und gleichzeitig die Trauer mit all denen, die all ihre Hoffnung auf Gottes Rettung setzen – und sie kommt nicht, oder vielleicht anders als erbeten, und im Augenblick nicht zu erkennen.

Gottes Wirken mutig bezeugen

Marianas und Mavis‘ Zeugnisse über die Kraft des lebendigen Gottes haben meinem Glauben geholfen; ich weiß, sie sind echt und glaubhaft. Nun versuche auch ich, großzügiger und mutiger Gottes Wirken in meinem Leben zu bezeugen. Ich hoffe, dass das wiederum andere neugierig macht auf Jesus und vielleicht ein heutiger „Römer“ sich wundern mag: „Du glaubst, Gott hat hier was gemacht?“

Und Gebet: „Herr, ich bin es nicht wert, dass du einkehrst unter meinem Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ Angelehnt an des Centurios Worte beten dies viele vorm Abendmahl. Vertrauen, dass das genau so passiert, Seele auf; bei aller eigenen Stärke in der Welt und Kommando-power zu wissen, wem man hier gegenübersteht, und hilflos, bedürftig werden vor dem, der liebt ohne Bedingung, und der alles vermag.

So kann mit Zeugnis, Gebet, Offenheit und Gottes Hilfe der Glaube wieder wachsen, in uns heutigen Mehrheits-Religiösen und in den Römern dieses Lebens.
Ich bete darum täglich.

Gebet

Guter Gott, ich danke dir für mein Leben und deine Führung, auch durch Menschen die dein Wirken heute bezeugen. Vertiefe, Herr, in mir den Glauben, dass ich das, was du in meine Seele einfließen lässt, nicht ignoriere, sondern als Geschenk erkenne, und in die Welt weitergebe. Dir sei Lob in Ewigkeit, durch Jesus Christus, Amen.

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