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Ökumenisches Friedensgebet im Dezember mit (von links) Kreiskantor Wolfgang Flunkert, Pfarrerin Melanie Jansen und Tuncay Nazik von der Islamischen Gemeinde Röhlinghausen. (Foto: Arnd Röbbelen)

Todesdrohung gegen Pfarrerin

Aus der Printausgabe - UK 03 / 2022

Anke von Legat | 19. Januar 2022

Batterien, Zigarettenkippen und Drohbriefe in einem Herner Pfarrgarten

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Ökumenisches Friedensgebet im Dezember mit (von links) Kreiskantor Wolfgang Flunkert, Pfarrerin Melanie Jansen und Tuncay Nazik von der Islamischen Gemeinde Röhlinghausen. (Foto: Arnd Röbbelen)

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Wie in vielen anderen deutschen Städten ziehen auch in Herne „Spaziergänger“ durch die Stadt, deren Teilnehmende dem Querdenker-Spektrum und der rechten Szene zuzuordnen sind. Dagegen formiert sich Widerstand, unter anderem an der Kreuzkirche in der Herner Innenstadt. Deren Pfarrerin Melanie Jansen hat jetzt bereits zum zweiten Mal eine Todesdrohung erhalten, wie sie im Gespräch mit Anke von Legat erzählt.

 

Was haben Sie erlebt?
Melanie Jansen: Wir haben im Dezember ein ökumenisches Friedensgebet vor der Kreuzkirche gefeiert, um ein Zeichen zu setzen gegen die „Spaziergänge“ von Querdenkern und Menschen aus der rechten Szene, die in Herne neuerdings stattfinden. Etwa 160 Menschen haben sich dafür auf dem Kirchplatz versammelt. Am nächsten Morgen lagen in unserem Vorgarten rund 20 Batterien und eine zusammengerollte Zeitung. Als mein Mann die wegwerfen wollte, fand er darin die handgeschriebene Drohung „Ihr seid tot“ und das Bild eines Revolvers.

Wie haben Sie reagiert?
Ich habe erst mal kräftig geschluckt und dann die Polizei gerufen. Die kamen auch sofort, um die Anzeige aufzunehmen, haben aber zunächst davon abgeraten, die Drohung öffentlich zu machen. Also habe ich nur das Presbyterium und die Superintendentin des Kirchenkreises informiert. Wir haben eine neue Lampe mit Bewegungsmelder angebracht und abgewartet.

Und wie ging es dann weiter?
Ein paarmal haben wir nach den „Spaziergängen“ Zigarettenkippen und Batterien im Vorgarten gefunden. Nach dem letzten Friedensgebet am 8. Januar blieb es erst ruhig, aber am Montag dieser Woche lag dann da ein Haufen mit etwa 60 Kippen, Asche war auf unser Wohnmobil gekippt worden, und darunter lag ein zusammengeknülltes Taschentuch mit dem Wort „Tod“. Daraufhin ist die Kriminalpolizei gekommen und hat alles sehr genau untersucht – und diesmal auch gemeint, wir sollten neben der Anzeige, die wir erstattet haben, mit diesen Anschlägen an die Öffentlichkeit gehen.

Wie fühlen Sie sich nach diesen Drohungen?
Es ist gruselig – ja, ich habe Angst. Wir haben zwei kleine Kinder; den Älteren schicke ich jetzt natürlich nicht mehr allein zur Grundschule. Und wenn ich im Dunkeln unterwegs bin, ist das schon ein komisches Gefühl. Ich versuche zwar, das wegzuschieben, aber so wirklich gelingt das nicht, vor allem jetzt, nach dem zweiten Mal.

Bekommen Sie Unterstützung?
Ja, auf jeden Fall! Das Presbyterium hat sofort angeboten, weitere Sicherheitsmaßnahmen einzurichten, und die Superintendentin wäre bereit, das Friedensgebet zu übernehmen. Zu Weihnachten habe ich ganz viele Karten mit Mut machenden Sätzen bekommen. Das ist wirklich toll! Und natürlich werden wir weitermachen. Aufgeben ist keine Option – dann hätten die Angstmacher ja gewonnen. Aber ich wäre schon froh, wenn jetzt einfach Schluss wäre mit den Drohungen und es keine weitere Eskalation gäbe.

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