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Wir alle kennen die Geschichte vom Engel, der Maria die unglaubliche Botschaft von ihrer Empfängnis bringt. Dann folgt Wunder über Wunder rund um Jesu Geburt. So beschreiben es jedenfalls die Evangelien und bringen damit den Glauben zum Ausdruck, dass Jesus, der Messias, Gottes Sohn ist. Wie es wirklich war, können wir im Nachhin­ein nicht wissen. Aber ist das eigentlich so wichtig? (Foto: Prostock-studio)

Wie war es wirklich, Maria?

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 51 / 2021

Anke von Legat | 17. Dezember 2021

Über den Predigttext zum 4. Sonntag im Advent: Lukas 1, 26-38

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Wir alle kennen die Geschichte vom Engel, der Maria die unglaubliche Botschaft von ihrer Empfängnis bringt. Dann folgt Wunder über Wunder rund um Jesu Geburt. So beschreiben es jedenfalls die Evangelien und bringen damit den Glauben zum Ausdruck, dass Jesus, der Messias, Gottes Sohn ist. Wie es wirklich war, können wir im Nachhin­ein nicht wissen. Aber ist das eigentlich so wichtig? (Foto: Prostock-studio)

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Predigttext
26 Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, 27 zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. 28 Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! 29 Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? 30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden. 31Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. 32 Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, 33und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. 34 Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Manne weiß? 35 Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. 36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, sie, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. 37 Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. 38 Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

Wie war das eigentlich damals wirklich, Maria, als du gemerkt hast, dass du schwanger warst? Warst du da tatsächlich noch Jungfrau und hast von einem Engel die Botschaft gehört, dass Gott dich als Mutter des Messias ausgesucht hat? Oder hattest du schlicht und einfach mit Josef geschlafen – verheiratet oder nicht – und dann gemerkt, dass deine Blutung ausblieb?

Und wie war das, Maria, als du den Namen für deinen Sohn ausgesucht hast – war es wirklich der Engel, der dir aufgetragen hat, ihn Jesus zu nennen? Oder hast du, wie alle Mütter, überlegt, welcher Name wohl passen würde? Und bist auf den alten Namen Jeschua – „Gott rettet“ – gekommen, den schon Josua, der Nachfolger des Moses, getragen hat?

Schwangerschaft und Geburt – ein Wunder?

Und was ist wirklich passiert bei der Geburt deines Sohnes, Maria? War da ein Stall und ein Engelschor und die Herrlichkeit des Herrn – oder ging das Ganze nicht viel menschlicher vor sich, mit Wehen und Keuchen und Schmerzen und Pressen, bis das Kind endlich das Licht der Welt erblickte und dann, warm eingewickelt, an deiner Brust das erste Mal gestillt wurde?

Wie war es wirklich, Maria? Vielleicht ist jedes Wort so geschehen, wie es im Lukasevangelium beschrieben wird. Ja, das kann sein – denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Vielleicht war dein Leben aber auch ganz alltäglich, angefüllt mit Arbeit und Familie, mit Geburten und Kindererziehung, mit ganz normalen Sorgen und Freuden, und niemand sprach von einem Engel – bis dein Sohn Jesus anfing, als Prediger durchs Land zu ziehen und von Gott zu reden.

Da wurden die Leute aufmerksam. Denn dein Sohn war einer, der alle Tabus brach. Einer, der keine Berührungsängste kannte und allen Menschen mit der gleichen Zuwendung und Achtung begegnete. Einer, der es ernst meinte mit den Geboten der Thora. Einer, der mit Gott sprach wie mit einem vertrauten, nahbaren Vater, und der die Heiligen Schriften als erfüllt bezeichnete. Einer, der von sich selbst sagt: Ich bin Gottes Sohn – wie unverfroren! Und gleichzeitig: Wie faszinierend!

Das war dein Sohn, Maria, den du in deinem Bauch getragen hast, geboren, gestillt und großgezogen. Hast du ihn wiedererkannt? Oder kam es dir manchmal so vor, als gehörte er in eine andere Welt?

Den Menschen, denen er sich zuwandte, die ihm zuhörten und nachfolgten, denen schien es jedenfalls so, als könnte Jesus nicht einfach ein ganz normaler Mensch sein. Sie hörten seine Worte als die Botschaft Gottes. Sie sahen Gott am Werk, als er Menschen berührte und heilte. Und sie fragten sich: Wie kann das sein, dass einer, den wir alle kennen, solche Dinge tut und sagt? Muss da nicht Gott von Anfang an seine Hand im Spiel gehabt haben – mit einem Engel, einer Jungfrau und einer wunderbaren Geburt?

Aber das eigentliche Wunder kam erst später. Als dieser Jesus am Kreuz starb – du warst dabei, Maria, erinnerst du dich? –, da glaubten seine Nachfolgerinnen und Nachfolger nicht dem Tod, sondern sie glaubten Gott, der lebendig macht. „Er ist auferstanden von den Toten!“, verkündeten sie.

Was damals wirklich passiert ist, wissen wir genauso wenig wie das, was vor und während deiner Schwangerschaft geschah, Maria. Aber auch wir glauben an Gott, der lebendig macht – und an Jesus Christus, der diesen Gott verkündete und den du auferweckt hast. Wir glauben an die Kraft des Heiligen Geistes, die Menschen verändern kann.

Und schließlich glauben wir, dass Gott jedes Wunder tun kann, auch heute –  denn bei ihm ist kein Ding unmöglich.

Gebet

Gütiger Gott. Du siehst uns Menschen, wie wir sind, in unserem Alltag, unseren normalen Tätigkeiten und in unserem Wünschen und Sehnen. Manchmal hoffen wir auf Wunder – und manchmal erleben wir Wunder, mit denen wir nicht gerechnet haben. Mach uns offen für diese Momente, in denen ein Engel zu uns spricht und uns dein Wort verkündet. Amen.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 18. Dezember 2021, 14:29 Uhr


Warum fällt mir zu diesem Gebet ein Hindu ein?
„Ihr Christen habt in eurer Obhut ein Dokument mit genug Dynamit in sich, die gesamte Zivilisation in Stücke zu blasen, die Welt auf den Kopf zu stellen; dieser kriegszerrissenen Welt Frieden zu bringen. Aber ihr geht damit so um, als ob es bloß ein Stück guter Literatur ist, sonst weiter nichts.“
Mahatma Gandhi

Die Christliche Kirche steht ob der Verfehlung Einzelner am Pranger, den Medien immer wieder befeuern. Warum ist der Mensch dem GUTEN Glauben so wenig zugeneigt, warum frönt er geradezu allen auffindbaren Fehlern?

Der Mensch ist bequem und möchte das Gute umsonst haben.
Einsatz ist ihm zu aufwendig. Wie sagte unser Wilhelm Busch?

"Tugend will, man soll sie holen,
Ungern ist sie gegenwärtig;
Laster ist auch unbefohlen
Dienstbereit und fix und fertig.

Gute Tiere, spricht der Weise,
Mußt du züchten, mußt du kaufen;
Doch die Ratten und die Mäuse
Kommen ganz von selbst gelaufen."

Wunder, die es umsonst gibt?
Ja es gibt sie, in dem das Gute, mag Gewalt es auch morden, immer wieder neu ersteht.

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