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Grafik: TSEW

Sind wir noch zu retten?

Leitartikel

Aus der Printausgabe - UK 50 / 2021

Anke von Legat | 13. Dezember 2021

Alle gemeinsam – das wäre die richtige Antwort auf Klimakrise, Umweltverschmutzung und Pandemie. Und wir? Stehen da wie trotzige Kinder und suchen nach Ausreden.

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„O Heiland, reiß die Himmel auf“, so betete der Liederdichter Friedrich Spee inbrünstig vor 400 Jahren; „komm, hilf uns hier im Jammertal“.

„O Herr, schmeiß Hirn vom Himmel“, möchte man heute mindestens genauso laut singen. Denn einen Gutteil unseres Jammers haben wir uns selbst zu verdanken.
Da stehen wir vor Herausforderungen, die es so weltweit noch nie gegeben hat: Wir vermüllen und verpesten unseren Planeten und verbrauchen so viel an Ressourcen und Energie, als wären die Quellen unendlich. Da pusten wir mit unserer Konsumgier und scheinbar grenzenlosen Sucht nach Mobilität Giftstoffe in die Luft, die unser Klima wahrscheinlich für immer verändern. Und als wäre das noch nicht genug, kämpfen wir jetzt auch noch gegen ein Virus, das einfach nicht in den Griff zu kriegen ist.

Aber statt alle Kräfte zusammenzunehmen und gemeinsam anzupacken, stehen wir wie trotzige Kinder da und weigern uns, der Realität ins Gesicht zu sehen. Boden und Meere sind zunehmend mit Mikroplastik verseucht? Aber das hat doch nichts mit meinen Importtomaten aus Spanien zu tun! Die Energie-Erzeugung macht den Hauptanteil des weltweiten CO2-Ausstoßes aus? Aber mein Handy-Akku ist doch so klein, was macht das schon für einen Unterschied. Und die Corona-Pandemie bekommen wir nur mit Kontaktverzicht in den Griff? Aber den netten Kneipen-Abend mit meinem Freundeskreis kann ich mir schon noch gönnen…

Dass es noch dazu Menschen gibt, die wissenschaftliche Erkenntnisse ablehnen und sich weigern, Fakten als Fakten anzuerkennen, macht die Sache nicht besser. Und noch weniger gut wird es dadurch, dass diese Menschen ihre Ansicht besonders laut, verbittert und zum Teil mit Gewalt vertreten.

Jede, jeder findet gute Gründe, die Verantwortung wegzuschieben. Dabei ist damit doch niemandem geholfen! Lösen können wir die Krisen dieser Welt nur gemeinsam, in Solidarität und mit vernünftigen Maßnahmen, und nicht nach Bauchgefühl und Egoismus. Das ist so glasklar – und doch sind wir Menschen offenbar nicht dazu in der Lage, diese Erkenntnisse in die Tat umzusetzen. Eigentlich kann man nur verzweifeln. Wie muss es da erst Gott gehen, wenn er auf seine Welt sieht, die er doch einmal „sehr gut“ geschaffen hatte?

Aber das ist das Merkwürdige mit Gott: Er verzweifelt nicht an uns. Er bleibt uns treu – uns, seinen Menschen, die wir täglich die Treue brechen mit unserer selbstbezogenen Gier nach Konsum, nach Macht, nach Selbstverwirklichung.

Wie es anders gehen kann, zeigt Jesus, der Gottessohn: Er predigte und lebte die Solidarität und Achtsamkeit und Nächstenliebe, die uns bei den Problemen in unserem Jammertal helfen könnte. Und er versprach einen neuen Himmel und eine neue Erde. An diese Hoffnung erinnern wir uns im Advent. Und gleichzeitig machen die Bibeltexte und Lieder der Adventszeit klar: Hoffnung ist kein Kuschelgefühl, in dem man es sich gemütlich macht. Nein, Hoffnung ist eine Antriebskraft: Gebt nicht auf! Setzt euch ein für eine lebenswerte Welt. Gott will es so.

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