hg
Bild vergrößern
Sylvester Stallone bei der Pressekonferenz im Hagener Osthaus-Museum. Neben ihm auf dem Podium: Tayfun Belgin, Direktor Osthaus Museum Hagen (rechts), und Mathias Rastorfer von der Galerie Gmurzynska (links). (Foto: Bernd Becker)

Hollywood-Legende in Hagen

Ausstellung

Bernd Becker | 7. Dezember 2021

Sylvester Stallone stellt Bilder im Osthaus-Museum aus

Bild vergrößern
Sylvester Stallone bei der Pressekonferenz im Hagener Osthaus-Museum. Neben ihm auf dem Podium: Tayfun Belgin, Direktor Osthaus Museum Hagen (rechts), und Mathias Rastorfer von der Galerie Gmurzynska (links). (Foto: Bernd Becker)
Bild vergrößern
Foto: BB
Bild vergrößern
Foto: BB

Anzeige

Sylvester Stallone in Hagen. Da muss ich dabei ein. Ein Weltstar, bekannt aus Actionfilmen wie Rocky oder Rambo. Ein Schauspieler, der sich auch auch als Maler einen weltweiten Ruf erworben hat. Und nun sind seine Werke vom 4. Dezember bis zum 20 Februar im Hagener Osthaus-Museum zu sehen. Zu Pressekonferenz und Vernissage am vergangenen Freitag ist Stallone - trotz Corona - persönlich erschienen. Mit ihm 80 Reporter-Teams aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Und ich mittendrin.

Schnell muss ich mit einigen Vorurteilen aufräumen. Ich erlebe Stallone bei seinem Auftritt in Hagen nämlich gar nicht eitel oder arrogant, sondern eher bodenständig und zugänglich. Ich hatte mir seinen Auftritt tatsächlich anders vorgestellt. Entspannt und in legerem Look, ganz in schwarz, sitzt er auf dem Podium und gesteht gleich zu Beginn: „Für mich ist das hier auch ein bisschen wie eine neue Welt“. In der Filmbranche scheint er sich sicherer zu bewegen, als im Kunstmuseum. 75 Jahre alt ist der Hollywood-Star, wirkt deutlich jünger und immer noch gut trainiert. Prompt zieht er einen Vergleich zwischen seinen beiden Leidenschaften: „Malen ist für mich die reinste Art aller Künste. Beim Film arbeiten vielleicht 500 Menschen, aber vor der Leinwand, die bearbeitet wird, ist es nur ein Mensch. Der muss letztlich allein die Kritik, den Ruhm, oder den Spott allein. Man kann niemand anderen dafür verantwortlich machen.“ Aus allen seinen Statements an diesem Tag wird deutlich: Es geht Sylvester Stallone um die ganz großen Themen: Lebenszeit, Kampf, Scheitern, Zweifel und Glaube.

Museums-Direktor Tayfun Belgin hat den Schauspieler und seine Bilder nach Hagen geholt, Anlass ist der 75. Geburtstag des Action-Stars. Es wird sein Gesamtwerk beleuchtet, von den späten sechziger Jahren bis heute sowie seine verschiedenen künstlerischen Phasen. Mehr als 50 Arbeiten sind zu betrachten, darunter Selbstporträts und noch nie zuvor gezeigte frühe Werke. Seine berühmteste Filmfigur „Rocky“ etwa entstand 1975 als Gemälde, lange vor dem Drehbuch. Als „Finding Rocky“ ist es in der Ausstellung zu sehen. Eines ist Stallone dabei wichtig: „Ich möchte nicht nur als Promi-Maler wahrgenommen werden. Ich war Maler bevor ich Schauspieler wurde, und ich bin es immer noch. Man muss nur etwas finden, das zu einem selbst passt. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Weg und damit, dass das hier wertgeschätzt wird.“

Große Fragen der Theologie werden aufgegriffen

Ich habe Zeit, mir die Bilder anzusehen und muss zugeben: Ich mag sie. Seine Arbeiten sind einerseits tatsächlich action-geladen, wild und ausdrucksstark wie seine Filme; andere wirken feinnervig und vielschichtig. Manche der Werke enthalten explizit religiöse Anspielungen, darunter „Madonna is not afraid“ oder „Theology (Christianity/Paganism)“. Letzteres ist zwischen 1988 und 1979 entstanden. Leider hatte ich nicht die Gelegenheit, Stallone dazu näher zu befragen. Aber am Rande erklärte ein Vertrauter des Schauspielers, hier würden große Fragen der Theologie aufgriffen: Zweifel, Anfechtung, der Widerstreit zwischen Glauben und Unglauben sowie die Lebenszeit, die unaufhörlich verrinnt. Ein Motiv, das in vielen von Stallones Gemälden auftaucht, oft symbolisiert durch eine Uhr. Mich erinnert es an den Vers aus Psalm 90: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Und, ja, Stallone sei ein religiöser Mensch, auch das war zu erfahren. Es gibt also diese andere Seite des Rambo-Darstellers, die ich ihm zunächst nicht zugetraut hätte.

Bereits in jungen Jahren hatte Stallone die Liebe zur Malerei entdeckt. Seine frühen Werke, die er noch mit „Mike Stallone" signierte, waren sehr experimentell. Aus finanziellen Gründen arbeitete er damals jedoch vorwiegend als Autor und begann seine Schauspielkarriere. In den siebziger und achtziger Jahren schuf er dann düstere, ausdrucksstarke Bilder, in denen er unter anderem den Tod seiner Managerin und weitere Schicksalsschläge verarbeitete. Zu dieser Zeit arbeitete Stallone vor allem mit graphischen Linien und grellen Farben. Danach zeichnete sich ein Wandel ab, denn Stallone beschäftigte sich zunehmend mit zeitgenössischer Kunst, insbesondere Malern wie Picasso, Gerhard Richter oder Anselm Kiefer. Auch setzte er sich mit den abstrakten Werken von Mark Rothko auseinander und entwickelte schließlich seinen ganz eigenen Stil. Es entstanden in dieser Zeit zahlreiche expressionistische Werke, teils als verfremdete Selbstporträts, immer wieder in Graffiti-Manier.

Spiel, Träume, Fantasie, Realität, Glaube und Tod

Stallones expressive Bilder führen mit großer Energie vor Augen, was die Existenz des Menschen ausmacht. Seine Themen kreisen um Spiel, um Träume, um Fantasie, um harte Realitäten, um Glaube und Tod: „Zur biographischen Realität Stallones gehört selbstverständlich seine Auseinandersetzung mit den Gewinner- und Verlierertypen, um Rocky, Rambo und anderen Leinwandfiguren. Die Identifikation mit dem Helden Rocky, dem Boxer, der eigentlich zum Typ Verlierer zählt, gilt bis heute“, so Museumsdirektor Belgin.

Das Scheitern hat für Stallone ohnehin eine große Bedeutung, wie er in Hagen mehrfach betont. Nur dadurch wachse man und könne neue Ebenen erreichen. Auch Furcht und Zweifel brächten einen in der Malerei wie im Leben nach vorn: „Sie pushen dich auf das nächste Level. Aber das Scheitern bleibt für mich einfach die beste Art zu lernen.“ Ohnehin ließen sich Gefühle in der Malerei besonders gut vermitteln, erklärt Stallone: „Malen ist der schnellste und reinste Übersetzer des Unterbewusstseins. Wenn etwas in einem vorgeht und man auf die Leinwand trifft, ist es schwer, es zu fälschen.“

Die Bilder von Stallone zeigen etwas davon, was in ihm vorgeht. Und so erlebt man die ganz andere Seite eines Action-Stars, der mehrfach für den Oscar nominiert war. Ich sehe ihn jedenfalls mit anderen Augen als zuvor. Und ich werde mir die Ausstellung tatsächlich noch einmal in Ruhe ansehen.

Informationen

Sylvester Stallone: Retrospektive zum 75. Geburtstag –
Osthaus Museum Hagen
4. Dezember 2021 bis 20. Februar 2022

Adresse

Osthaus Museum Hagen
Museumsplatz 1
58095 Hagen
http://www.osthausmuseum.de/

Per E-Mail empfehlen