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O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf ... Wie sehnsüchtig klingt das Adventslied; wie groß die Hoffnung auf Gott, der uns hilft in unserem „Jammertal“; wie ungeduldig der Ruf nach dem „Trost der ganzen Welt“! Der Dichter Friedrich Spee kannte wahrscheinlich kein Polarlicht, aber vielleicht hat er sich das Kommen Christi ähnlich mächtig und überwältigend vorgestellt. Auch der Prophet Jesaja erwartet große Veränderungen durch Gottes Kommen – und schwankt dabei zwischen gewaltiger Hoffnung und realistischer Ernüchterung – wie wohl jede und jeder Gläubige. (Foto: Felix Pergande)
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Susanne Kuttler, Petra Schulze
König Pritzprotz und die Socke
Illustriert von Sandra Rodenkirchen

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Gottes Gegenwart in dunkler Zeit

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 49 / 2021

Simone Rasch | 3. Dezember 2021

Über den Predigttext zum 2. Sonntag im Advent: Jesaja 63,15-64,3

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O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf ... Wie sehnsüchtig klingt das Adventslied; wie groß die Hoffnung auf Gott, der uns hilft in unserem „Jammertal“; wie ungeduldig der Ruf nach dem „Trost der ganzen Welt“! Der Dichter Friedrich Spee kannte wahrscheinlich kein Polarlicht, aber vielleicht hat er sich das Kommen Christi ähnlich mächtig und überwältigend vorgestellt. Auch der Prophet Jesaja erwartet große Veränderungen durch Gottes Kommen – und schwankt dabei zwischen gewaltiger Hoffnung und realistischer Ernüchterung – wie wohl jede und jeder Gläubige. (Foto: Felix Pergande)
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Simone Rasch (51) ist Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Herringhausen.

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Predigttext

15 Schau doch vom Himmel herab, wo du in Heiligkeit und Pracht wohnst! Wo sind deine brennende Liebe und deine Macht? Dein großes Mitgefühl und deine Barmherzigkeit – wir merken nichts davon. 16 Du bist doch unser Vater! Abraham weiß nichts von uns und Israel kennt uns nicht. Du, Herr, bist unser Vater, „unser Befreier“ – das ist von jeher dein Name. 17 Warum lässt du uns in die Irre gehen, sodass wir deinen Weg verlassen, Herr? Warum machst du unser Herz so hart, dass wir keine Ehrfurcht mehr vor dir haben? Wende dich uns wieder zu! Wir sind doch deine Knechte, wir sind die Stämme, die für immer dir gehören. 18 Für kurze Zeit wurde dein heiliges Volk vertrieben, unsere Feinde traten dein Heiligtum mit Füßen. 19 Es geht uns, als wärst du nie unser Herrscher gewesen.Es ist, als wären wir nicht nach deinem Namen benannt. Reiß doch den Himmel auf und komm herab,sodass die Berge vor dir beben! 64,1 Komm wie ein Feuer, das trockene Zweige in Brand setzt und Wasser zum Kochen bringt! Zeig deinen Feinden, wer du bist. Völker sollen vor dir zittern. 2 Denn du vollbringst furchtbare Taten,die all unsere Erwartungen übertreffen. Komm doch herab, sodass die Berge vor dir beben! 3 Noch nie hat man so etwas vernommen, noch nie hat jemand davon gehört. Kein Auge hat jemals einen Gott wie dich gesehen: Du allein tust denen Gutes, die auf dich hoffen. (Übersetzung: Basis-Bibel)

Ich würde sehr gerne einmal Polarlichter sehen. Dieses Himmelsphänomen entsteht, wenn elektrisch geladene Teilchen der Sonne unsere Atmosphäre treffen. Wie der Name schon sagt, sind sie vor allem in den Polarregionen bei klarem Himmel sichtbar. Aber auch bei uns leuchtet der Himmel im Winter durch die tiefstehende Sonne manchmal in herrlichen Farben. Mich berührt und fasziniert dieses besondere Licht, es ist für mich ein tröstender und ermutigender Hinweis auf Gottes Gegenwart auch in der dunklen Zeit.

Dass der Prophet Jesaja Polarlicht kannte, ist sehr unwahrscheinlich. Aber den rot leuchtenden Abendhimmel kannte er sicherlich. Oder er hatte Bilder von aufreißender Bewölkung und dem Spiel der Sonnenstrahlen vor Augen. Vielleicht sogar Bilder von vulkanischer Tätigkeit, wenn er schreibt: „Reiß doch den Himmel auf und komm herab, sodass die Berge vor dir beben!“ (Jes 63,19b).

Die Urgewalt der Schöpfung

Naturphänomene haben eine besondere Wirkung auf uns Menschen. Sie lassen uns mal staunen oder sogar erschrecken. In diesem Jahr waren es die Bilder vom Vulkanausbruch auf der kanarischen Insel La Palma, die uns noch vor Augen stehen. Die Urgewalt der Schöpfung wird darin deutlich, eine buchstäblich weltbewegende Kraft. Kein Wunder, dass Menschen früherer Generationen diese Phänomene mit Gott in Verbindung gebracht haben.

Jesaja wünscht sich so ein weltbewegendes Eingreifen Gottes. Denn sein Volk ist zwar aus der Gefangenschaft in Babylon wieder heimgekehrt, aber goldene Zeiten sind noch fern. Deshalb sehnt Jesaja sich nach einem Gott, der vor den Völkern seine Macht erweist und damit auch das eigene Volk wieder für sich einnimmt. Er hofft auf ein himmlisches Zeichen: Einen Durchbruch, ein neues Aufscheinen der göttlichen Macht in der Welt. So wie damals, als Gott Abraham auf den Weg schickte.

Eine bessere Zukunft – mit Gott

Wenn Gott sich zeigt, dann wird eine bessere Zukunft möglich sein, davon ist Jesaja überzeugt. Als Prophet möchte er die Hoffnung darauf schüren.

Unsere Gegenwart ist weit von dieser Zeit entfernt, aber unsere heutige Situation ist durchaus vergleichbar. Wir leben ebenso wie Jesaja in einem Wechselspiel von Hoffnung und Ernüchterung. Ein Weihnachtsfest in Normalität, ohne Einschränkungen von Kontakten schien im frühen Herbst noch so greifbar, aber jetzt steht es wieder in den Sternen. Und auch beim zweiten brennenden Thema dieser Tage, beim Klimaschutz, gibt es zwar Fortschritte, aber noch keinen wirklichen Durchbruch. Es bleibt also bei der Hoffnung auf eine gute Zukunft, aber sie scheint noch in weiter Ferne.

Wie schön wäre es, wenn der Himmel endlich aufrisse und die Strahlen der Hoffnung, die uns doch schon leuchteten, wieder kraftvoll durchbrechen würden und als wunderbares Leuchten auf einmal den dunklen Himmel erhellen würden! Das wäre ein Durchbruch, wenn wir die Coronapandemie im nächsten Jahr endlich in den Griff bekommen und auch in Bezug auf den Klimaschutz endlich weiterkommen und zukunftsfähige Wege finden würden. Noch ist diese Hoffnung nur ein Schimmer am Horizont. Aber daran möchte ich festhalten, so wie einst Jesaja, als er schrieb: „Noch nie hat man so etwas vernommen, noch nie hat jemand davon gehört. Kein Auge hat jemals einen Gott wie dich gesehen: Du allein tust denen Gutes, die auf dich hoffen.“ (Jes 64,3).

Gebet

Barmherziger Gott! Reiß den dunklen Himmel auf und lass uns neue Hoffnung schöpfen.
Sende dein Licht, das unsere finstere Nacht wunderbar erhellt, damit wir die Wege erkennen, die in eine gute Zukunft führen.
Komm und zeige uns deine Liebe – heute und an allen Tagen, die du uns schenkst. Amen.

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