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Matschen, kneten, ausstechen – und Spaß haben: Das gehört zum adventlichen Plätzchenbacken dazu. (Foto: JenkoAtaman)

Eine riesengroße Kleckerei...

Musik

Aus der Printausgabe - UK 48 / 2021

Andreas Steidel | 27. November 2021

Der Kinderliedermacher Rolf Zuckowski und sein Schlager von der Weihnachtsbäckerei

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Matschen, kneten, ausstechen – und Spaß haben: Das gehört zum adventlichen Plätzchenbacken dazu. (Foto: JenkoAtaman)

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Deutschlands bekanntestes Plätzchen-Lied ist Rolf Zuckowskis „Weihnachtsbäckerei“. Ein Auftritt in der Fernsehshow „Wetten dass …?“ im Dezember 1987 machte es berühmt. Generationen von Kindern und Eltern haben es seither mit immer neuer Begeisterung geträllert.

An einem Adventssonntag im Dezember 1986 rief der Liedermacher Rolf Zuckowski seine Familie an. Er hatte gerade ein Nachmittagskonzert in Bochum gegeben und wollte nun die Stimme seiner Lieben hören. Die hatten allerdings gerade nicht viel Zeit, sondern waren am Plätzchenbacken. Im Hintergrund wuselte es und klapperte es, Ehefrau Monika, die Kinder Anuschka und Alexander waren höchsteifrig bei der Sache. Das gefiel ihm.

Auf der Heimfahrt nach Hamburg summte und sang Zuckowski vor sich hin. Ein Backlied lag ihm auf den Lippen, als er später zu Hause eintraf, war es in groben Zügen fertig. Die Kinder waren noch auf und stimmten lauthals mit ein, Sohn Alexander wiederholte eine Stelle daraus so lange, bis die Schlusszeile des Refrains auch zum Anfang des Liedes wurde. „In der Weihnachtsbäckerei, da gibt’s manche Leckerei …“.

Das Plätzchenback-Lied von Rolf Zuckowski ist ein Ohrwurm, den man nicht mehr loswird. Einfach in seiner Sprache, anschaulich und lustig. Vor allem aber so angelegt, dass Kinder dabei mitsingen können. So trat er im Dezember 1987 mit einem kleinen Chor bei „Wetten dass …?“ auf und verzauberte die Herzen der Zuschauer im Studio und vor den Bildschirmen.

Seitdem ist „In der Weihnachtsbäckerei“ aus dem adventlichen Liederzyklus nicht mehr wegzudenken. Das Lied hat einen Popularitätsgrad erreicht, der es mit „Stille Nacht“ und „Ihr Kinderlein, kommet“ locker aufnehmen kann. 1,8 Millionen Mal wurde das dazugehörige Album „Winterkinder“ verkauft, 38 Wochen hielt sich das Lied insgesamt in der deutschen Hitparade.

Rolf Zuckowski, heute 74 Jahre alt, war damals schon ein bekannter Sänger. Mit Kinderliedern war ihm in den Siebzigerjahren der Durchbruch gelungen, mit seinem Titel „... und ganz doll mich“ landete er 1982 auf Platz eins bei Dieter-Thomas Heck in der Hitparade. Immer waren Kinder bei den Auftritten dabei, weshalb er manchmal auch als Gotthilf Fischer der Nachwuchschöre bezeichnet wurde.

Die Weihnachtsbäckerei wurde zu seinem größten Erfolg. Die ersten Kinder, die es sangen, sind heute Mitte vierzig, doch jede neue Generation stimmt in die fröhlichen Backverse ein. Gleiches gilt für eine Vielzahl von berühmten Kollegen: Sowohl Wolfgang Petry als auch Helene Fischer haben sich als Weihnachtsbäcker versucht. Und der Komiker Otto Waalkes, mit dem Zuckowski befreundet ist, hat kaum etwas an den Zeilen verändert, weil das Lied ohnehin schon ziemlich lustig ist.

Zuckowski hat einmal bedauert, dass heute bei vielen sein Lied offenbar bekannter ist als manch traditionelle Weihnachtsweise. Der christliche Inhalt des Festes ist ihm wichtig, seit Langem gehört er zu den engagierten Mitgliedern seiner evangelischen Kirchengemeinde in Hamburg-Blankenese. „Der Glaube gibt mir innere Ruhe“, hat er einmal gesagt.

Vor etwa einem Jahr hat er noch ein ganz anderes Geheimnis seines Lebens preisgegeben: Er kann überhaupt nicht backen. Die Küche betritt er am liebsten zum Probieren. Als ihn die Zeitung „Christ & Welt“ 2019 einlud, Plätzchen zu backen, war es das erste Mal in seinem Leben, dass er das wirklich tat. So absolvierte Rolf Zuckowski gut 30 Jahre nach der Niederschrift seines Erfolgsrezeptes endlich auch ein Praktikum in der Weihnachtsbäckerei.

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