hg
Bild vergrößern
Foto: TSEW

Wenn die Schwere kommt

Leitartikel

Aus der Printausgabe - UK 45 / 2021

Karin Ilgenfritz | 8. November 2021

Als ob das Leben nicht schon anstrengend genug wäre: Mit dem November fängt für viele die Zeit von Trübsal und Mattigkeit an. Was tun, wenn die Stimmung in den Keller geht?

Bild vergrößern
Foto: TSEW

Anzeige

Die Tage werden kürzer. Es wird früh dunkel, an manchen Tagen gar nicht hell. Das Wetter ist oft nasskalt und regnerisch. November.

Bei vielen Menschen steht dieser Monat nicht hoch im Kurs. Entsprechend ist sein Ruf – der November gilt als Zeit von Tod und Trauer. In diesen Wochen häufen sich auch die schweren Feiertage: Allerheiligen und Allerseelen liegen bereits hinter uns. An diesen Tagen gedenken Katholiken der Heiligen und es wird für die Seelen der Verstorbenen gebetet. Evangelische Christinnen und Christen besuchen am Toten- oder Ewigkeitssonntag die Friedhöfe. In den Gottesdiensten werden die Namen derer verlesen, die im zurückliegenden Kirchenjahr verstorben sind.

Dazu kommt der Buß- und Bettag, an dem Christinnen und Christen zur Umkehr und zum Gebet aufgerufen sind. Und schließlich gibt es am vorletzten Sonntag den Volkstrauertag. Da wird der Opfer der beiden Weltkriege gedacht.

Ganz gehörig viel Schweres für einen Monat. Vermutlich ist das kein Zufall. Das Leben scheint im November in der Natur zu ersterben, und auch bei den Menschen erweckt es den Eindruck, als schwänden bei vielen die Lebensgeister.

Das kann auch zu einem Stimmungstief führen. Jeder dritte bis vierte Deutsche kennt so eine Reaktion in der dunkleren Jahreszeit. Umgangssprachlich nennt man das Winterdepression oder auch Novemberblues. Typisch dafür sind zum Beispiel ein höheres Schlafbedürfnis, Antriebslosigkeit und eine gedrückte Stimmung. Manche leiden außerdem an Appetitzunahme, wobei Süßigkeiten eine besondere Rolle spielen – als Stimmungsaufheller.

Die Ursache eines saisonal geprägten Stimmungstiefs liegt vor allem im Lichtmangel. Das Licht gibt den Menschen den Takt vor. Fehlt es an Helligkeit, produziert das Gehirn Melatonin, das müde macht. Der Körper fährt die Aktivität herunter und wir können schlafen. Tagsüber wird das Melatonin wieder abgebaut. Serotonin wird gebildet, das aktiviert den Körper und hebt die Stimmung. Wenn es nur wenige helle Stunden gibt, kann zu wenig Serotonin gebildet werden und die Stimmung hebt sich nicht wirklich.

Daher empfehlen Medizinerinnen und Mediziner, in der dunkleren Jahreszeit täglich ein bis zwei Stunden im Freien zu verbringen. Auch wenn das Wetter trüb ist oder es regnet. Es ist dennoch genügend Licht vorhanden, um den Körper zu aktivieren. Außerdem ist Bewegung an der frischen Luft auch gut für Herz und Kreislauf.

Keine schlechte Idee ist es außerdem, dem Körper mehr Ruhe zu gönnen. Mehr zu schlafen. Das Leben etwas herunterzufahren und sich öfter mal einen gemütlichen Abend auf dem Sofa zu gönnen. Es tut gut, das Maß an Aktivität im Herbst und Winter etwas zu reduzieren und sich wenigstens etwas der Natur anzupassen.

Ja, der November hat schon etwas Schweres. Aber er bietet auch die Chance, zur Ruhe zu kommen. Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen – auch mit der eigenen Endlichkeit. Das kann manches im Leben in einem anderen Licht erscheinen lassen.

0

Leser-Kommentare öffnen

Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Buchtipp
Buchtipp

Hans Möhler (Hg.)
Abendfibel müder Seelen

zur Detailseite
Buchtipp

Hans Möhler (Hg.)
Abendfibel müder Seelen

zur Detailseite
Per E-Mail empfehlen