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Bärbel Gebauer in Auckland in Neuseeland (Foto: privat/Bärbel Gebauer)
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Au-pair mit 66

Sebastian Stoll (epd) | 4. November 2021

Nicht nur junge Menschen arbeiten heute als Au-pair, auch Seniorinnen und Senioren zieht es zur Betreuung in Gastfamilien auf der ganzen Welt. Die Corona-Krise hat die Regeln allerdings verändert.

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Bärbel Gebauer in Auckland in Neuseeland (Foto: privat/Bärbel Gebauer)

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Hamburg (epd). Wenn Bärbel Gebauer an ihre Au-pair-Monate 2019 in Neuseeland denkt, dann fällt ihr als erstes die Art der Menschen dort ein: Viel herzlicher seien sie im Umgang miteinander gewesen, viel selbstverständlicher. «Ich war ganz schnell ein Teil der Familie, wir haben beispielsweise viele Ausflüge miteinander gemacht.» Zehn, zwölf und 13 waren die Kinder, auf die sie aufzupassen hatte - eine ihrer wichtigsten Aufgaben war es, darauf achten, dass sie nicht ständig am Handy oder am Computer spielen. «Aber es ist mir leicht gefallen, die Regeln durchzusetzen. Als pensionierte Lehrerin hat man bei den Kindern automatisch eine ganz andere Autorität als etwa eine junge Frau», sagt sie.

   Das, was die 66 Jahre alte Bärbel Gebauer gemacht hat, nennt sich «Granny Au-pair» und wird populärer: Ältere Menschen, zumeist Frauen, entdecken für sich das, was man sonst in jungen Jahren macht, und verbringen mehrere Monate bei einer fremden Familie - meist in einem weit entfernten Land. Die Gründe dafür sind vielfältig, manche wollen nachholen, was sie früher nicht erleben konnten, anderen ist es wichtig, ihre Erfahrung weiterzugeben. Groß ist der Markt nicht, einige Agenturen können sich behaupten. Was ihnen die Vermittlung derzeit erschwert, ist die Corona-Krise.

   «Wir hören von den Familien oft, dass sie es schon mit jüngeren Frauen versucht haben und das nicht so gut geklappt hat. Ältere Frauen bringen eine Lebenserfahrung mit, die geschätzt wird», sagt Michaela Hansen vom 2010 gegründeten Portal granny-aupair.de. Andere Anbieter heißen etwa Aupair50.de oder Aupair50plus.com.

   Hansens Unternehmen funktioniert in etwa wie eine Partnerbörse: Man zahlt also dafür, dass man die vollständigen Inserate der anderen Teilnehmer inklusive Kontaktmöglichkeit lesen kann. Das gilt sowohl für die Seniorinnen wie für die Familien oder auch soziale Projekte, die auf der Suche nach einem Au-pair sind. Aus den Absprachen der Interessenten hält sich das Unternehmen raus. «Wir machen nur klar, dass Kost und Logis vorgegeben sein müssen, und bitten darum, unsere Au-pairs nicht als Haushaltshilfe einzuspannen. Sie sollen ein Familienmitglied auf Zeit sein», sagt Hansen.

   Rund 120 zahlende Mitglieder hat granny-aupair.de nach eigenen Angaben derzeit. Die Vermittlung läuft, aber auf einem relativ niedrigen Niveau. Grund für den Rückgang ist Hansen zufolge die Corona-Krise, aufgrund derer viele Länder Reisebeschränkungen erließen, die teils heute noch gelten. «Neuseeland, Australien,
Kanada, USA - unsere wichtigsten Länder sind eigentlich nicht zugänglich für Au-pairs.»

   In Deutschland waren Au-pairs schon Thema im Bundestag: Im Sommer, als weltweit noch viel mehr Grenzen geschlossen waren als heute, forderte die FDP-Fraktion im Bundestag Ausnahmeregelungen für Au-pairs aus Drittstaaten. Die Corona-bedingten Einschränkungen hätten «die Notwendigkeit einer Unterstützung bei der Kinderbetreuung weiter verstärkt», hieß es in dem Antrag. Er wurde abgelehnt, mittlerweile ist auch die Einreise aus Hochrisikogebieten prinzipiell möglich - und doch zeigt die Episode, welchen Stellenwert Au-pairs im Alltag einer ganzen Gesellschaft haben können.

   Für Michaela Hansens Agentur bedeutet die Krise vor allem auch, dass sich der Markt europäisiert. Frankreich oder Spanien seien auf einmal beliebte Länder für ihre Granny-au-Pairs - und auch: Deutschland: «Familien in Deutschland haben auf unserer Seite auf einmal viel mehr Chancen, jemanden zu finden - auch aus Deutschland.» Das gilt auch für Bärbel Gebauer: Derzeit arbeitet sie wieder ein paar Monte als Au-pair - und zwar in Offenburg.

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