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Wenn ein Bibelwort mich tief berührt und mein Leben prägt, möchte ich davon erzählen. Das ist das, was Paulus „Predigen“ nennt. Denn solche Erzählungen aus dem eigenen Leben erreichen das Herz anderer Menschen, wecken Neugier und vielleicht sogar Begeisterung für die Frohe Botschaft. Dafür braucht es kein Theologiestudium – was es dagegen braucht, ist immer wieder die Frage: Was bedeutet die Bibel für mein Leben? Die Antworten darauf sind die beste Verkündigung. Foto: Kevin Carden

Wovon das Herz voll ist ...

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 39 / 2021

Dr. Lisa J. Krengel | 24. September 2021

Andacht über den Predigttext für den 17. Sonntag nach Trinitatis: Römer 10,9-17

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Wenn ein Bibelwort mich tief berührt und mein Leben prägt, möchte ich davon erzählen. Das ist das, was Paulus „Predigen“ nennt. Denn solche Erzählungen aus dem eigenen Leben erreichen das Herz anderer Menschen, wecken Neugier und vielleicht sogar Begeisterung für die Frohe Botschaft. Dafür braucht es kein Theologiestudium – was es dagegen braucht, ist immer wieder die Frage: Was bedeutet die Bibel für mein Leben? Die Antworten darauf sind die beste Verkündigung. Foto: Kevin Carden
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Dr. Lisa J. Krengel (39) ist Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop

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Predigttext
9 Wenn du also mit deinem eigenen Mund bekennst: „Jesus ist der Herr!“ Und wenn du aus ganzem Herzen glaubst: „Gott hat ihn von den Toten auferweckt!“ Dann wirst du gerettet werden. 10 Denn aus dem Herzen kommt der Glaube, der gerecht macht. Und aus dem Mund kommt das Bekenntnis, das zur Rettung führt. 11 So steht es ja in der Heiligen Schrift. „Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen.“ 12 Das gilt ohne Unterschied für Juden und Griechen. Alle haben ein und denselben Herrn. Und er lässt alle an seinem Reichtum teilhaben, die ihn anrufen. 13 Denn es heißt ja auch: „Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.“ 14 Aber wie kann man jemanden anrufen, an den man nicht glaubt? Oder wie kann man an jemanden glauben, von dem man nichts gehört hat? Und wie kann man von jemandem hören, wenn es keine Verkündigung von ihm gibt? 15 Wie aber kann es eine Verkündigung geben, wenn niemand dazu ausgesandt wurde? Gerade darüber steht ja in der Heiligen Schrift: „Willkommen sind die Boten, die Gutes verkündigen!“ 16 Aber nicht alle haben auf diese Gute Nachricht gehört. So fragt schon Jesaja: „Herr, wer hat unserer Botschaft geglaubt?“ 17 Also: Der Glaube kommt vom Hören auf die Botschaft. Die Botschaft aber wirkt durch den Auftrag, den Christus gegeben hat. Übersetzung: Basisbibel

Es ist schon ein paar Jahre her. Ich sitze als frisch gebackene Vikarin in einem Gottesdienst des Pfarrers, der mich von nun an durch das Vikariat begleiten wird. Voller Spannung erwarte ich die Predigt. Doch schon nach wenigen Minuten macht sich Enttäuschung in mir breit. Ich verstehe sie nicht. Und das nicht etwa, weil meine Vikariatsgemeinde im tiefsten Oberbayern liegt und ich des Oberbayerischen nicht mächtig bin. Ich verstehe nicht, was all das mit mir, mit meinem Leben zu tun hat. Wie diese Predigt mein Leben verändern kann.
Was hat das mit meinem Leben zu tun?
Im nächsten Gespräch nehme ich all meinen Mut zusammen und gestehe dem Vikariatspfarrer, dass ich ihn nicht verstanden habe. Dass ich nichts Konkretes gehört habe in Bezug auf mein eigenes Leben. „Ach, Lisa“, sagt der Pfarrer seufzend, „wenn wir immer so genau sagen könnten, ob und was das alles mit uns zu tun hat…!“
Ich habe dieses Gespräch nicht vergessen. Viel mehr noch: Es hat sich tief eingebrannt in mein Gedächtnis. Denn seitdem ringe ich. Um jede Predigt. Um jedes Wort. Weil ich immer noch zutiefst davon überzeugt bin, dass jedes Reden von Gott, jedes Bekenntnis, jede Predigt dann seine und ihre Wirkung entfalten kann, wenn wir ehrlich und offen von unserem eigenen Glauben erzählen.
Für mich persönlich heißt das, dass ich sagen können muss, wo der Glaube an Jesus Christus mein Herz berührt. Wo ein Bibelwort mich so tief bewegt, dass mein Leben sich dadurch verändert und ich eine neue Sicht auf die Dinge bekomme.
Das ist nicht immer einfach. Manchmal ist es sogar richtig schwierig. Und hat mir schon so manche schlaflose Nacht beschert. Und trotzdem wünsche ich mir von einer Predigt nicht mehr und nicht weniger.
Glaube – persönlich, aber nie privat
Christlicher Glaube ist immer zutiefst persönlich. Und trotzdem oder gerade deshalb niemals privat. Denn ich kann das, was mir wichtig ist, was mein Innerstes berührt und mich durchs Leben trägt, nicht für mich behalten. Ich gebe weiter, was ich verstanden und erfahren habe. Der Evangelist Lukas beschreibt das mit den Worten „Denn wovon das Herz voll ist, davon redet auch sein Mund.“ (Lukas 6,45)
Und genau damit sind längst nicht nur die Pfarrerinnen und Pfarrer Predigerinnen und Prediger des Wortes Gottes. Das sind dann wir alle! Alle die, die mit Herzen, Mund und Händen bekennen können: „Jesus ist der Herr!“ Die Mütter und Väter, die abends mit ihren Kindern beim Zu-Bett-Gehen beten. All diejenigen, die ihren Kolleginnen und Kollegen als Christinnen und Christen Rede und Antwort stehen. Die Jugendlichen, die in den sozialen Netzwerken erzählen, was ihnen der christliche Glaube bedeutet und wo sie selbst ganz konkret Hilfe und Zuwendung erlebt und erfahren haben.
Einander zu Predigerin und Prediger werden. Erzählen, wo ich selbst Zuwendung erlebt habe. Ein offenes Ohr haben für andere, wo ich selbst erhört worden bin. Weitergeben, wo ich dem Leben mehr vertrauen kann als dem Tod. Bei Paulus heißen diese Menschen Boten des Wortes Gottes.
Ich ringe munter weiter. Um jede Predigt. Um jedes Wort. Und darum, was das alles mit uns und unserem Leben zu tun hat. Und ich bin weiter fest davon überzeugt, dass es genau das ist, was Gott will. Dass wir von ihm erzählen. Und dass genau das unsere Welt verändern kann. Heute, morgen, jeden Tag ein kleines bisschen mehr.

Gebet

Herr, unser Gott, offen vom eigenen Glauben und den persönlichen Erfahrungen mit deinem Wort zu erzählen, ist nicht einfach.
Schenke du immer wieder neu Mut und Offenheit, weiterzugeben, was unser Herz berührt. Amen.

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