hg
Bild vergrößern
Foto: TSWE

Jede Stimme zählt

Leitartikel

Aus der Printausgabe - UK 39 / 2021

Anke von Legat | 26. September 2021

Am Sonntag ist Bundestagswahl. Eine Wahlpflicht gibt es in Deutschland nicht – aber viele gute Gründe, das Kreuz zu machen. Sechs davon sind hier aufgezählt

Bild vergrößern
Foto: TSWE

Anzeige

Sie hält sich hartnäckig, die schulterzuckende Behauptung: Auf meine Stimme kommt es bei der Wahl doch gar nicht an.
Falscher kann ein Satz nicht sein. Es gibt so viele gute und wichtige Gründe, zur Wahl zu gehen, dass der Platz hier auf der UK-Titelseite nicht ausreicht, um sie alle aufzuzählen. Einige aber sollen zumindest genannt werden. Weil sie für unsere Demokratie wichtig sind. Und weil sie vielleicht dabei helfen, ein paar Menschen zusätzlich zur Stimmabgabe an die Wahlurne zu bringen.
Da ist Grund 1: Geht wählen, weil ihr es könnt! In der Bundesrepublik Deutschland gibt es freie, gleiche und geheime Wahlen. Niemand wird dabei behindert oder manipuliert; niemand muss einen Nachteil für seine Stimmabgabe hinnehmen. Es ist weltweit gesehen ein absolutes Privileg, auf diese Weise wählen zu können. Das sollte man dankbar und bewusst nutzen!
Grund 2: Jede Stimme zählt. Das gilt gerade in einer Situation, in der die Parteienlandschaft vielfältiger geworden ist und die Optionen für ein Regierungsbündnis keineswegs bereits vor der Wahl festliegen. Es kann sehr wohl an wenigen Stimmen liegen, ob eine Partei die Fünf-Prozent-Hürde schafft oder zur stärksten Kraft einer Koalition wird.
Grund 3: Wer wählt, gestaltet mit. Wahlen sind nichts Abgehobenes, bei denen „die da oben“ Posten hin- und herschieben. Mit Wahlen entstehen Mehrheiten, die die großen und kleinen Entscheidungen in unserem Land fällen: Ob der Klimawandel ausreichend bekämpft wird und ob die Mieten bezahlbar bleiben (oder wieder werden); ob das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen friedlich gelingt und ob genug Pflegekräfte für die alten Eltern zur Verfügung stehen. Wo sonst ist es möglich, so leicht Einfluss zu nehmen? Und: Wenn Sie es nicht tun, tun es andere – und die haben vielleicht andere Vorlieben und Schwerpunkte als Sie.
Grund 4: Wer wählt, unternimmt etwas gegen Rassismus, Antisemitismus und andere menschenverachtende, extremistische Strömungen. Jede Stimme für eine Partei, die auf dem Boden des Grundgesetzes für Menschenwürde und Freiheit eintritt, ist eine Stimme gegen Rechts. Diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen.
Grund 5: Wer wählt, lässt sich auf Kompromisse ein – und das ist eine Fähigkeit, die gerade ins Hintertreffen gerät in unserer Gesellschaft. Kein Wahlprogramm der Welt wird genau Ihren Vorstellungen und Wünschen entsprechen. Bei jedem muss man Abstriche machen und die eine oder andere Kröte schlucken, wenn man dieser Partei die Stimme gibt. Aber ohne Kompromisse sind Entscheidungen nicht möglich. Wer das unterstützt, unterstützt gleichzeitig ein Zusammenleben, in dem alle so gut wie möglich zu ihrem Recht kommen.
Grund 6: Wer wählt, handelt verantwortlich als Christin oder Christ. „Bebauen und bewahren“ ist der Auftrag, den Gott den Menschen bei der Schöpfung gegeben hat. Dazu gehört auch, aktiv an den politischen Ordnungen dieser Welt mitzugestalten – und sei es nur durch ein Kreuz auf dem Wahlzettel.

0

Leser-Kommentare öffnen

Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Buchtipp
Buchtipp

Daniel "Dän" Dickopf
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert

zur Detailseite
Buchtipp

Daniel "Dän" Dickopf
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert

zur Detailseite
Per E-Mail empfehlen