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Foto: epd/Peter Juelich

Der Synodale Weg im Stresstest

katholische Kirche

Franziska Hein (epd) | 30. September 2021

Fragen und Antworten zur zweiten Synodalversammlung in Frankfurt

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Foto: epd/Peter Juelich

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Frankfurt a.M./Bonn (epd). Missbrauch, Beteiligung von Frauen an kirchlichen Ämtern und Demokratisierung kirchlicher Strukturen - der Reformbedarf in der katholischen Kirche ist groß und zeigt sich besonders in der Aufarbeitung der Missbrauchskrise. 2019 wurde deswegen ein Reformdialog zwischen katholischen Bischöfen und Laien
vereinbart, der sogenannte Synodale Weg. Wegen Corona konnten seit Februar 2020 nicht wie geplant weitere Synodalversammlungen stattfinden. Doch nun treffen sich von Donnerstag an die 230 Delegierten, unter ihnen Kleriker, kirchliche Mitarbeiter und Ehrenamtliche, in Frankfurt am Main zur zweiten Synodalversammlung. Dann wird auch über konkrete Reformvorschläge debattiert.

Was passiert auf der zweiten Synodalversammlung?

Trotz der erzwungenen Corona-Pause hat der Synodale Weg in der Zwischenzeit weitergearbeitet. So liegt ein ganzes Konvolut aus Texten vor. Elf Reformvorschläge sollen in erster Lesung beraten werden. Sie stammen aus den Synodalforen zu «Macht und Gewaltenteilung» und «Frauen». Die Synodalforen bereiten ähnlich wie
Ausschüsse in Parlamenten Gesetzesvorschläge zwischen einzelnen Sitzungsperioden vor. Unklar ist allerdings, ob über alle Texte debattiert werden kann, wie es aus Teilnehmerkreisen heißt. Der Zeitplan der Tagung sei sehr ambitioniert.

Welche Reformvorschläge gibt es im Synodalforum «Macht und Gewaltenteilung»?

Aus dem Forum liegen acht Vorschläge vor, darunter einer zur Beteiligung des Kirchenvolks bei der Auswahl von Bischöfen. Bischöfe werden vom Papst ernannt. Doch sollen in Zukunft Laien ein Mitspracherecht bei der Erstellung der Kandidatenliste und ein Anhörungsrecht vor der Wahl aus solch einer Liste erhalten. Dies könnte durch eine freiwillige Selbstverpflichtung einer Diözese geschehen. Weitere Vorschläge beziehen sich auf die Rechenschaftspflicht von Bischöfen, die Änderung der Predigtordnung, sodass auch Nicht-geweihte Personen in einer Eucharistie-Feier predigen können, und auf die Einsetzung eines Synodalen Rats, der den Synodalen Weg ersetzen könnte und in Zukunft Mitbestimmung garantieren soll.

Welche Reformvorschläge kommen aus dem Frauen-Forum?

Eng verknüpft mit der Machtfrage ist die Frage nach Weiheämtern für Frauen. Von der Frage, ob die Bischöfe bereit seien, ihre Macht zu teilen, hänge die Zukunft der katholischen Kirche ab, sagte der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller dem Evangelischen Pressedienst (epd). Am Wochenende wird das Thema «Teilhabe von Frauen an allen sakramentalen Ämtern» noch nicht behandelt. Diese Linie verfolgt das Forum jedoch mit großer Mehrheit. Dazu sind Texte im Forum in Arbeit, wie aus den regelmäßigen Berichten des Gremiums hervorgeht. Jetzt liegt ein Handlungstext dazu vor, wie Frauen an der Leitung von Pfarreien und Gemeinden beteiligt werden können. Außerdem sollen die Delegierten einem Votum zustimmen, dass Bischöfe
verpflichten soll, sich auf weltkirchlicher Ebene dafür einzusetzen, dass die Frage nach Weiheämtern für Frauen theologisch diskutiert wird. Im Hinblick auf eine geplante Bischofssynode in Rom 2023 ist das ein wichtiger Impuls.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Bischöfe den Reformen zustimmen?

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sagte in der vergangenen Woche, die Bereitschaft der Bischöfe, ihre Macht zu teilen, sei unbestritten. Für eine Mehrheit der Bischöfe sei es ebenso denkbar, Laien bei der Wahl eines Bischofs zu beteiligen. Unter Beobachtern gilt es als wahrscheinlich, dass der Vorschlag durch die Abstimmung kommt. Auch die Zustimmung zu den
Vorschlägen aus dem Frauenforum ist denkbar, weil es unter den Bischöfen erstmals Fürsprecher gibt. Stimmt mehr als ein Drittel, also 24 Bischöfe, dagegen, sind die Reformvorschläge vom Tisch - unabhängig davon, ob sie eine Mehrheit in der Synodalversammlung finden.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Reformen am Ende umgesetzt werden?

Die Reformvorschläge, die derzeit auf dem Tisch liegen, nutzen zum großen Teil Spielräume, die auch ohne die Zustimmung des Vatikans umgesetzt werden können. Viel liegt im Ermessen der einzelnen Diözesen. Wahrscheinlich ist also, dass einzelne Diözesen die Reformen, die am Ende verabschieden werden, umsetzen werden. Andere wiederum nicht.

Welche Rolle spielt der Vatikan?

Längst sitzt der Vatikan als dritter Verhandlungspartner indirekt mit am Tisch. Die Frauenweihe etwa bedarf der Zustimmung durch den Vatikan. Beschlossene Reformen könnten am Ende doch nicht gelten, weil der Vatikan sein Veto einlegt. Dennoch müsse man aufpassen, dass Rom nicht zur Chiffre für die Blockade sämtlicher Fortschritte werde, sagte die Vorsitzende des Macht-Forums, Claudia Lücking-Michel. «Wir wollen keinen deutschen Sonderweg, aber wir wollen, dass die deutsche Stimme laut und klar vernehmbar ist», betonte sie. «Das, was auf der
Synodalversammlung eingebracht wird, kann nicht mehr überhört werden.»

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