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Die große Reise

Leitartikel

Aus der Printausgabe - UK 34 / 2021

Gerd-Matthias Hoeffchen | 23. August 2021

Auch in diesem Sommer ist „Urlaub“ ein heikles Thema. Schon zum zweiten Mal in Folge platzen Träume und Pläne für die große Reise. Vielleicht hilft da ein Blick nach Vlotho.

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Mein Leben als Abenteurer begann in Vlotho. Ich war zehn und mit meinem Bruder auf einer Ferienfreizeit der Inneren Mission, Vorläufer des Diakonischen Werkes. Die Jugendherberge thronte auf einem Hügel. 32 Betten in einem Schlafsaal. Der Geruch von Lagerfeuer, Sommerwiese und müffelnden Socken füllt noch heute mein Herz. Es war wunderbar.

Höre ich dieser Tage die Klagen über geplatzte Urlaubsträume, wird mir manchmal ganz wehmütig zumute. Urlaub, das war damals für uns ein fast unerreichbarer Luxus. Ja, da war diese Familie in der Nachbarschaft; die sparte auf Rimini. Der Onkel fuhr mit der Tante auch schon mal in den Schwarzwald. Aber die Großeltern hatten noch nie „Urlaub“ gemacht. Und heute? Kommt es einem vor, als sei der Flug nach Mallorca ein einklagbares Menschenrecht. Vielleicht hilft es da, sich hin und wieder vor Augen zu führen, wie verwöhnt man mittlerweile ist.

Heißt das: Urlaub – alles nicht so wichtig?

Halt. Nicht so schnell. Es lohnt schon, genauer hinzuschauen. Urlaub kann ja nicht nur unzweifelhaft schön sein. Er ist auch: wertvoll.

Was ist denn eigentlich „Urlaub“? Ursprünglich meinte das Wort URLOUP die ERLAUBNIS. Nämlich für eine bestimmte Zeit aus einem Abhängigkeitsverhältnis wegzugehen. Urlaub ist also die Gelegenheit, mal etwas anderes zu tun – jenseits der Notwendigkeit, jeden Tag sein Geld zu verdienen oder anderweitig eine Pflicht zu erfüllen.

Nun kann man sich hinhauen und nichts tun. Manchmal ist das auch bitter nötig: einfach mal ausruhen. Kraft tanken. Aber die freie Zeit bietet auch die Gelegenheit, auf Entdeckertour zu gehen. Goethe brach nach Italien auf. Mein Bruder und ich nach Vlotho. In beiden Fällen wartete dort eine neue Welt. Später fuhr ich mit der Jugendgruppe der Kirchengemeinde nach Norwegen, Schweden. Wir waren raus aus dem Gewohnten, weg von Schule, Familie, Alltag. Und plötzlich öffnete sich etwas Neues. Gemeinschaft, Glaube, Gott. Mein Leben wäre anders verlaufen ohne diese Fahrten.

Freizeiten, FREIE Zeiten. Sie können das Leben prägen. Jesus ging in die Wüste. Die Kollegin fährt an die See, auf dem Rad und ganz allein. Ein Freund erkundet auf Schleichpfaden die Naherholungsgebiete der Umgebung. Es gibt Möglichkeiten, auf Entdeckungstour zu gehen. Die Perspektive zu wechseln. Den Horizont zu weiten. Kopf und Herz durchpusten zu lassen. Und Kraft zu tanken.

Denn das ist der tiefste Sinn von Urlaub: Kraft tanken. Ob es nun die Gartenliege ist oder eine Entdeckungsreise: Am Ende geht es darum, gestärkt zurückzukehren. Das ist es, was den Urlaub so wertvoll macht. Vielleicht hat der eine oder die andere dann eine neue Erkenntnis gewonnen. Vielleicht öffnet sich ein Weg in eine Zukunft, die ganz anders aussieht als bisher.

Vielleicht, und auch das kann den Urlaub so wertvoll machen, kommt man dann aber auch zurück und stellt fest: Ach, auch das Zuhause, das Vertraute, der Alltag – so schlecht ist das alles gar nicht.

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