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Grafik: TSEW

Helfen – aber richtig

Leitartikel

Aus der Printausgabe - UK 31 / 2021

Gerd-Matthias Hoeffchen | 2. August 2021

Nicht nur das Wasser floss hoch, auch die folgende Welle der Hilfsbereitschaft war gewaltig. Wie kann man im Chaos die Hilfe sinnvoll bündeln? Nachgefragt bei Fachleuten.

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„Wir brauchen Schubkarren. Dringend. Könnt Ihr helfen?“ Der Hilferuf kam von einer Nachbarschaftshilfe aus Bad Münstereifel. Wir, das Team von UK, überlegten sofort: Wie können wir am schnellsten unsere Leserinnen und Leser dazu aufrufen, das benötigte Gerät für die Betroffenen in den Hochwassergebieten zu spenden? Internet? Facebook? E-Mail-Aktion?

Am nächsten Tag dann die Ernüchterung. „Schubkarren spenden ist wohl doch keine so dolle Idee“, rief unsere Kontaktperson in der Eifel die Aktion zurück. „In dem Chaos kriegen wir das Anliefern und Verteilen nicht organisiert.“

Die Pegel von Bächen und Flüssen waren hoch in den vergangenen Wochen. Aber auch die folgende Welle der Hilfsbereitschaft war gewaltig. Nachbarinnen und Nachbarn waren zur Stelle. Wildfremde Menschen tauchten in den Flutgebieten auf, halfen beim Sichern, Räumen, Retten. Die Not der Menschen, die Wohnungen, Häuser und im schlimmsten Fall Mitmenschen verloren, ließ niemanden kalt. Viele wollten beistehen und helfen.

Das ist gut. In einer Zeit, in der landauf, landab Egoismus und mangelnder Gemeinsinn beklagt werden, war ein Aufbäumen von Solidarität in dieser Größenordnung nicht ohne Weiteres zu erwarten. Doch, wie bei den Schubkarren: Schnell zeigten sich dabei auch die Grenzen des Machbaren.

„Ich habe gemerkt, wie viele unterstützen und helfen wollten, auch diejenigen, die nicht betroffen waren vom Hochwasser. Das fand ich großartig“, sagt Gilda König. Die 30-jährige Produktentwicklerin ist ehrenamtliche Katastrophenschützerin bei den Johannitern und fasst auf der Internetseite der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe im Gespräch mit Melani Köroglu die Erfahrungen über ihre Einsätze in Hagen und der Eifel zusammen. „Wenn es drauf ankommt, halten wir alle zusammen. Jedoch ist unkontrollierte Hilfe und Aktionismus schwierig. Und kann unter Umständen die Arbeit der Profis behindern. Die Koordination und Kommunikation sind einfach die größten Herausforderungen in solchen Situationen“, so Gilda König.

Wie aber kann man dann helfen? Gerade aus der Ferne?

Manchmal sind die einfachen Antworten die besten: mit Geld. Nur wenige Tage nach dem gemeinsamen Spendenaufruf von Diakonie RWL, rheinischer, westfälischer und lippischer Kirche waren bereits mehr als fünf Millionen Euro eingegangen. „Damit hätten wir nicht gerechnet“, sagt Diakonie RWL-Vorstand Thomas Oelkers. „Wir danken allen von Herzen, die unserem Aufruf so schnell gefolgt sind und hoffen nun auf weitere Spenden.“

Aber kommt das Geld auch an? Die üblichen Wege stehen im Moment nicht zur Verfügung, das gibt Oelkers zu. Bankfilialen, E-Mails, Geldautomaten, Überweisungen: Vieles funktioniert derzeit nicht. Schnelle und unbürokratische Hilfe sei jetzt gefragt, sagt Thomas Oelkers. Diakonische Einrichtungen und Kirchengemeinden in vom Hochwasser betroffenen Gebieten können pauschal Mittel beantragen, maximal 10 000 Euro.

Dieses Geld soll an Betroffene ausgezahlt werden. Bar auf die Hand. Als Richtwert gelten pro Haushaltsvorstand maximal 300 Euro, je weitere Person im Haushalt 200 Euro. Damit können hoffentlich die ersten Tage der Not überbrückt werden.

Die Solidarität von fern und nah war bislang beeindruckend. Wer den Menschen weiter helfen will, kann das tun. Mit Gebet. Anteilnahme. Und mit Spenden.

Spendenkonto

Diakonisches Werk Rheinland-Westfalen-Lippe; IBAN: DE79 3506 0190 1014 1550 20, Stichwort: Hochwasser-Hilfe.

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