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Hobby-Imker David Hohmann hat viel Spaß am Imkern. Seine Bienen leben an einem ungewöhnlichen Ort: auf dem Kirchturm des Hamburger Michels. (Foto: Michael Althaus/KNA)

Bienen auf dem Michel

Imkerei

Aus der Printausgabe - UK 30 / 2021

Michael Althaus | 26. Juli 2021

Auf dem Turm der Hamburger Hauptkirche leben Bienen: Honigproduktion ganz weit oben

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Hobby-Imker David Hohmann hat viel Spaß am Imkern. Seine Bienen leben an einem ungewöhnlichen Ort: auf dem Kirchturm des Hamburger Michels. (Foto: Michael Althaus/KNA)

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Imkern erfreut sich auch an Kirchen wachsender Beliebtheit: Seit 2016 leben auf dem Turm des Hamburger Michels Bienenvölker. Ihr Honig ist beliebt – für Imker David Hohmann aber nur Nebensache.

Sie genießen ein einmaliges Panorama auf Alster, Elbe und den Hafen: Weit über den Dächern der Stadt auf dem Turm des Hamburger Michels leben seit einigen Jahren Bienen. Aus 65 Metern Höhe schwärmen sie zum Nektarsammeln aus ins Zentrum der Hansestadt und produzieren fleißig Honig.

Für Hobby-Imker David Hohmann ist es trotz Aufzug mühsam, seine Ausrüstung regelmäßig bis zum Balkon auf Höhe des fünften Turmbodens zu befördern. Gegen plötzlich einsetzendes Glockengeläut hat er sich einen Gehörschutz zugelegt. „Aber die Aussicht entschädigt für alles“, sagt er.

Von Bienen kann man viel lernen

Neben seiner Arbeit als selbstständiger Bühnenbildner beschäftigt sich Hohmann seit einigen Jahren mit Bienen. „Ich finde Bienen unglaublich spannend. Es sind tolle Lebewesen und man kann viel von ihnen lernen, was zum Beispiel Zusammenhalt angeht.“ Das Imkern mache zwar viel Arbeit, aber bringe auch viel Freude.

2016 suchte Hohmann einen neuen Standort für seine Bienenstöcke – und kam auf den Michel. „Als Hamburger ist das für mich ein ganz besonderer Ort.“ Bei der evangelischen Hauptkirche, die als eines der Wahrzeichen der Hansestadt gilt, stieß der Imker auf offene Ohren. Er durfte seine Bienenstöcke aufstellen und sieht sich dabei in guter Tradition: „Viele kirchliche Einrichtungen haben früher Bienen gehalten, insbesondere die Klöster.“ In Zeiten, in denen Imkern zunehmend beliebter wird, gibt es auch an immer mehr kirchlichen Standorten in Deutschland wieder Bienen – etwa im Schatten des Bremer Sankt Petri Doms. Im Garten des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki wird seit 2015 fleißig Honig produziert. Und auch am Landeskirchenamt der reformierten Kirche im ostfriesischen Leer sind zwei Bienenvölker tätig.

Während der 44-Jährige seine Bienenstöcke öffnet, erschallen von oben Trompetenklänge. Der Türmer bläst seinen Choral. „Ein Vergnügen, das man wohl nur am Michel hat“, freut sich Hohmann. Die Rähmchen mit den Waben fasst er ohne Schutzkleidung und mit bloßen Händen an. Den Imkerhut zieht er nur fürs Foto auf. Vereinzelte Stiche machen ihm nichts aus. „Man gewöhnt sich daran. Ich spüre kaum noch Schmerz.“ Außerdem seien die beiden Bienenvölker, die aktuell auf dem Michel-Turm leben, verhältnismäßig zahm.

Im Innern der Stöcke herrscht dichtes Getummel. Die Honig-Produktion läuft allerdings noch zögerlich. „Das nasse, unbeständige Wetter in diesem Frühjahr schlaucht die Bienen.“ Normalerweise holt Hohmann zwei Honig­ernten im Juni und im Juli ein. „In diesem Jahr wird es voraussichtlich nur eine werden.“ In guten Jahren beläuft sich die Ausbeute auf rund 40 Kilogramm. „Das ist für die Stadt richtig gut“, so Hohmann.

Überhaupt sei Stadthonig sehr gesund, weil die meisten Pflanzen nicht gespritzt würden und es eine große Artenvielfalt gebe. „Es gibt sogar Studien, die zeigen, dass Stadthonig eine bessere Qualität hat als Landhonig.“ Auch deshalb werde das Imkern in den großen Städten immer beliebter.

Bis zu drei Kilometer weit fliegen die Bienen bei der Nahrungssuche. Vom Michel aus schaffen sie es also auf die Reeperbahn, an den Hafen und in den großen Park „Planten und Blomen“ mit seinen verschiedenen exotischen Pflanzenwelten. Die Höhe ihres Domizils macht den Bienen laut Hohmann nichts aus.

Zur Hochsaison im Mai und Juni steigt er in der Regel einmal wöchentlich auf den Turm, um nach seinen Bienen zu sehen und etwa Milbenbefall rechtzeitig zu erkennen. Spätestens Ende Juli nach der Honigernte ist das Bienenjahr vorbei. Die Tiere bereiten sich dann auf den Winter vor, den sie dicht gedrängt in ihrem warmen Stock verbringen. Hohmann nutzt diese Zeit für Aufräumarbeiten.

Viele Turmbesucher reagieren positiv, wenn sie ihn nach Erklimmen von 227 Stufen beim Imkern treffen. „Die Touristen sind eigentlich immer begeistert“, erzählt er.
Der Honig wird nach der Ernte alljährlich im Michel-Shop angeboten – und ist meist innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Vom Erlös deckt Hohmann seine Kosten für Material und Ausrüstung, der Rest kommt der Kirchengemeinde zugute. Aber: „Der Honig ist nur ein Nebenprodukt. In erster Linie geht es um den Spaß am Imkern.“

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