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Brot und Wasser – das ist weit entfernt von dem Überfluss, der im Märchen vom „Tischlein deck dich“ beschrieben wird: Dort bog sich die Platte unter der Menge der köstlichsten Speisen. Brot und Wasser – das ist vielmehr eine karge Kost; aber in Notzeiten genau das, was beim Überleben hilft. Die Geschichte von der Witwe und Elia zeigt, was es wirklich braucht, um mitten in einer schweren Krise weiterzuleben: Nahrung für den Körper, Nächstenliebe und Vertrauen – zu Gott und zu den Menschen. (Foto: Rebekka von Legat)

Tischlein deck dich

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 29 / 2021

Lutz von Rosenberg Lipinsky | 16. Juli 2021

Über den Predigttext zum 7. Sonntag nach Trinitatis: 1. Könige 17,1-16

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Brot und Wasser – das ist weit entfernt von dem Überfluss, der im Märchen vom „Tischlein deck dich“ beschrieben wird: Dort bog sich die Platte unter der Menge der köstlichsten Speisen. Brot und Wasser – das ist vielmehr eine karge Kost; aber in Notzeiten genau das, was beim Überleben hilft. Die Geschichte von der Witwe und Elia zeigt, was es wirklich braucht, um mitten in einer schweren Krise weiterzuleben: Nahrung für den Körper, Nächstenliebe und Vertrauen – zu Gott und zu den Menschen. (Foto: Rebekka von Legat)
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Lutz von Rosenberg Lipinsky (55) ist studierter Theologe, Kabarettist, Autor und Regisseur aus Hamburg.

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Predigttext
1 Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab: So wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn. 2 Da kam das Wort des Herrn zu ihm: 3 Geh weg von hier und wende dich nach Osten und verbirg dich am Bach Krit, der zum Jordan fließt. 4 Und du sollst aus dem Bach trinken, und ich habe den Raben geboten, dass sie dich dort versorgen sollen. 5 Er aber ging hin und tat nach dem Wort des Herrn und setzte sich nieder am Bach Krit, der zum Jordan fließt. 6 Und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch des Morgens und des Abends, und er trank aus dem Bach. 7 Und es geschah nach einiger Zeit, dass der Bach vertrocknete; denn es war kein Regen im Lande. 8 Da kam das Wort des Herrn zu ihm: 9 Mach dich auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dass sie dich versorge. 10 Und er machte sich auf und ging nach Sarepta. Und als er an das Tor der Stadt kam, siehe, da war eine Witwe, die las Holz auf. Und er rief ihr zu und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke! 11 Und als sie hinging zu holen, rief er ihr nach und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit! 12 Sie sprach: So wahr der Herr, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will’s mir und meinem Sohn zubereiten, dass wir essen – und sterben. 13 Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach’s, wie du gesagt hast. Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir’s heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen. 14 Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr regnen lassen wird auf Erden. 15 Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. 16 Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des Herrn, das er geredet hatte durch Elia.

Was fällt auf?

Klimawandel ist kein neuzeitliches Phänomen. Nicht nur der Sintflutgeschichte, auch diesem Text entnehmen wir: Die Erde hat ihre eigenen Gesetze. Sie bricht auf und ein, sie wackelt und sie wandelt sich, sie stößt ab und lädt ein. Und das manchmal mit großer Brutalität, manchmal aber auch ganz langsam und schleichend.

Und hinter diesen Ereignissen steht tatsächlich: Gott. Der – sicherlich nicht immer, aber oftmals – damit eine Botschaft vermitteln will. Dass etwas mit der Schöpfung nicht in Ordnung ist. Oder mit uns Menschen.

So drosselt er die Wasserzufuhr oder lässt ihr freie Bahn – wir können uns nie sicher fühlen. Wir sollten auf ihre Zeichen achten. Und auf Gott.

Was fällt auf?

Elia ist ein Prophet. Trotzdem weiß auch er scheinbar nicht alles. Und kann auch nicht in die Zukunft sehen.

Aber gläubig ist er – und fragt nicht nach, wieso ihn ausgerechnet Raben versorgen sollen!?! Er nimmt es hin. Er geht los zum Bach Krit, von dem er scheinbar auch noch nie etwas gehört hatte. Sitzt dann dort am Wasser und lässt sich bedienen. Und wirkt denn doch überrascht, als der Bach versiegt.

Aber auch das ist für ihn kein Problem, wozu gibt es Witwen. Diese bestimmte allerdings wiederum weiß scheinbar von ihm nichts, obwohl Gott ihr doch geboten hat, sich um ihn zu kümmern!? Dennoch lässt sie sich rumkommandieren.

Elia muss eine sehr charismatische Persönlichkeit gewesen sein. Prophet halt. Dem lässt man vieles durchgehen. Und letztlich spricht er der Witwe ja auch Mut zu und rettet ihr Leben – und das ihres Sohnes. Weil sie gemeinsam Gott vertrauen.

Was fällt auf?

Brot und Wasser gelten bei uns als Synonym für das Essen in Gefangenschaft. Oder in Armut. Wenn Elia, die besagte Witwe und deren Sohn sich davon ernähren, ist es allerdings Ausdruck von reinem Überfluss. Schwer vorstellbar. Aber angesichts des vertrockneten Landes hat die arme Frau ihr Leben aufgegeben. Und, was schwerer wiegt, auch das ihres Sohnes! Selbst eine Flucht erschien ihr nicht sinnvoll oder angemessen oder aufgrund von Schwäche gar nicht zu leisten. Sprich: Sie haben den Zeitpunkt verpasst, an dem diese vielleicht noch möglich gewesen wäre.

Aber nun erleben sie das Wunder: Wasser, das nicht versiegt. Eine Ölkanne und ein Mehltopf, die nicht leer werden. Das biblische Tischlein-deck-Dich. Brot und Wasser – welch himmlische Speise. Und das endlos. Wer Gott vertraut, dem wird geholfen. Nicht immer wird uns das schmecken, aber immer werden wir gesättigt. Und doch: Da können wir sicher sein.

Gebet

Herr, wir leben in unfassbarem Reichtum. Keiner leidet Mangel. Essen und Trinken haben wir im Überfluss. Dafür danken wir. Und: Lass uns das nie vergessen.
Herr, wir leben in großer Sicherheit. Unsere Umwelt bedroht uns nicht. Hilf uns dabei, sie zu schonen und zu schützen, damit das so bleibt.
Amen.

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