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Foto by K Mitch Hodge on Unsplash

Festival der Intrigen

Fernsehen

Konrad Ege (epd) | 30. Juni 2021

Es war die Serie der 80er: diese Schulterpolster, diese Föhnfrisuren, dieses Grinsen von J.R. Ewing. Die Hauptdarsteller auf der Southfork Ranch waren weiß, das Geld wurde mit Öl gemacht. Vor 40 Jahren kam «Dallas» nach Deutschland.

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Washington (epd). Lügen, Affären und die ruchlose Gier nach Macht, Geld und Öl: Vor 40 Jahren, am 30. Juni 1981, hatte die US-amerikanische Serie «Dallas» im westdeutschen Fernsehen Premiere. Gebannt verfolgten die Zuschauer und Zuschauerinnen das Festival der Intrigen auf der Southfork Ranch unweit der texanischen Metropole Dallas. Es war eine Hochglanz-Seifenoper rund um den grinsenden Ölunternehmer und Schurken J.R. Ewing, auf damals völlig neue Art erzählt.

   In den USA lief die Serie bereits seit 1978, der Erfolg war riesig. Heute bringt nur der Superbowl, das Endspiel der professionellen Footballliga, derart viele Menschen vor die Bildschirme. «Dallas» wurde weltweit ein Straßenfeger.

   Vielleicht war der Negativheld J.R. Ewing sogar eine Art Vorläufer des einstigen Reality-TV-Stars und späteren Präsidenten Donald Trump: Aus heutiger Sicht sei ein Vergleich angebracht, sagte Medienwissenschaftler Robert Thompson, Professor an der Syracuse Universität in New York dem epd. J.R. und Trump seien die absolut bestimmenden Figuren in ihren Welten gewesen, «übel, aber irgendwie charismatisch» in den Augen vieler Menschen. Und J.R. sei interessant gewesen, weil man sehen wollte: «Was tut er als nächstes, wie weit geht er?»

   1981, als «Dallas» in der Bundesrepublik startete, machten sich Friedensaktivisten Sorgen um einen möglichen atomaren Erstschlag. Sie mobilisierten gegen die Rüstungspläne des neuen US-Präsidenten Ronald Reagan. Helmut Schmidt von der SPD war Bundeskanzler. Die Grünen standen zwei Jahre vor dem Einzug in den Bundestag. Fernsehen war linear und öffentlich-rechtlich, Privatsender gab es noch nicht.

   Die ARD zeigte «Dallas» am Dienstag um 21.45 Uhr auf dem damals traditionellen «Krimiplatz». Die Serie weiche inhaltlich vom Üblichen ab, formulierte der Sender, denn einer der Helden, der «Ölindustrielle und Tunichtgut J. R. Ewing» rege eher «zur
Distanzierung als zur Identifikation» an.

   «Dallas» setzte neue Maßstäbe für das Unterhaltungsfernsehen. Die Serie durchbrach die im Prime-Time-Fernsehen gängige Erzählweise, wonach jede Episode in sich selbst geschlossen war. «Dallas» ließ das Ende offen, vertraute darauf, dass die Zuschauer nach dem Cliffhanger wieder einschalten würden. Und man musste pünktlich sein: Eine verpasste Folge im Internet anschauen, das ging noch nicht.
Heimvideorecorder kamen eben erst auf den Markt.

   Es war gar nicht so leicht, den Handlungssträngen zu folgen: Wer will J.R. Ewing (Larry Hagman) und seinem Unternehmen «Ewing Öl» die Geschäfte vermiesen, welche gemeinen Pläne schmiedet J.R. selbst, wer geht mit wem fremd, kommt J.R. mit seinem Bruder Bobby (Patrick Duffy) und mit seiner häufig alkoholisierten Ehefrau Sue Ellen (Linda Gray) zurecht? Ob J.R. durch den riskanten Einstieg ins Ölgeschäft in Asien die Ranch verlieren wird - das Drama wollte nicht aufhören.

   Doch nicht nur die Story, auch der «Dallas»-Look war speziell: diese Cowboyhüte, diese Schulterpolster, diese Föhnfrisuren zum maskenhaften Make-up, die strahlenden Zähne der Akteure. Die Schauspieler waren weiß.

   «Who Shot J.R.», wer hat J.R. erschossen, das war die große Frage in den USA zwischen dem 21. März und 21. November 1980. Die Episode im März endete mit Schüssen auf J.R. Ewing. Rund drei Viertel aller US-Fernsehzuschauer saßen angeblich vor dem Bildschirm, als am 21. November endlich die nächste Folge erschien, verzögert durch einen Streik der Schauspielergewerkschaft. Geschossen hatte J.R.s Geliebte und Schwägerin, angeblich schwanger von ihm. Und J.R. überlebte.

   Manche der Reibereien und Gemeinheiten bei den Ewings hätten in jede beliebige Seifenoper gepasst, sagt Medienwissenschaftler Robert Thompson. Doch dass der zerstrittene Clan ausgerechnet im Erdölgeschäft tätig war, habe der Serie Extra-Schwergewicht verliehen.

   Ende der 70er Jahre war Öl ein großes Thema. Das Embargo der Ölstaaten und die islamische Revolution im einst «verlässlichen» Lieferland Iran 1979 zeigten den USA und Westeuropa ihre Abhängigkeit. Die US-Regierung schuf 1979 eine schnelle
Eingreiftruppe, um den Zugang zu Erdöl zu sichern. Im Klischee-Image von Texas verdrängte der Ölunternehmer den Cowboy. Immerhin lebten die Ewings auf einer Ranch.

   Heute vermarktet sich die Southfork Ranch touristisch und als Location für Konferenzen und Hochzeiten. Besucher dürfen den Revolver sehen, mit dem JR angeschossen wurde. Für knapp 2.000 Dollar kann man «in der berühmtesten Villa der Welt» übernachten und «wie ein Ewing leben und träumen», heißt es in der Werbung. Zum Abendessen gibt es JR's Steak Dinner. Das Frühstück wird am Pool serviert.

   J. R. starb den US-Fernsehtod 1991, nach 357 Folgen, als die Quoten schlechter wurden. Eine Neuauflage von «Dallas» startete 2012 im Kabelsender TNT, lief aber nur drei Jahre.

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