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Gott sucht. Menschen. Uns. Und er gibt nicht auf, egal wie lange die Suche dauert, egal, wie mühsam sie ist. Denn jede und jeder ist ihm wichtig und der Mühe wert. Dasselbe erwartet er von uns: Lasst niemanden zurück. Geht den Menschen nach; jeder und jedem. Schaut ihnen in die Augen. Redet mit ihnen. Öffnet ihnen eure Türen und Herzen. Gebt ihnen eine Chance; denn das ist es, was Gott will. (Foto: tinyakov)

Wichtige Menschen gesucht!

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 25 / 2021

Miriam Haseleu | 18. Juni 2021

Über den Predigttext zum 3. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 15,1-10

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Gott sucht. Menschen. Uns. Und er gibt nicht auf, egal wie lange die Suche dauert, egal, wie mühsam sie ist. Denn jede und jeder ist ihm wichtig und der Mühe wert. Dasselbe erwartet er von uns: Lasst niemanden zurück. Geht den Menschen nach; jeder und jedem. Schaut ihnen in die Augen. Redet mit ihnen. Öffnet ihnen eure Türen und Herzen. Gebt ihnen eine Chance; denn das ist es, was Gott will. (Foto: tinyakov)
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Miriam Haseleu (41) ist Pfarrerin in Köln-Nippes und nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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Predigttext (in Auszügen)
1 Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 2 Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. 3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: 4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet? 5 Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude. 6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. 8 Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? 9 Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. 10 So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

In meiner Kindheit sind wir oft zu meinen Großeltern im Wendland in den Urlaub gefahren. Flache Landschaften, Deiche und weite Aussichten. In Lüchow gab es diesen einen kleinen Spielzeugladen. In einem Jahr habe ich dort einen glitzernden Flummi gekauft.

Ich fand ihn super, so super, dass ich ihn auch auf eine Wanderung in den Zauberwald mitnahm und auf dem Weg mit ihm spielte. War ja klar, was passierte. Er glitt mir aus der Hand und verschwand im Unterholz. Wir suchten lang und gründlich, aber der Ball blieb verschwunden und ich war traurig.

Wiederfinden – nach langer Suche

Ein Jahr später waren wir in den Sommerferien wieder da und wieder im Zauberwald unterwegs. An einer Lichtung stapelten Forstarbeiter gerade eine große Menge Baumstämme auf einen Laster. Die letzten Stämme wurden aufgeladen und da, wo der große Holzstapel gewesen war, lag im vergilbten platt gedrückten Lichtungsgras doch tatsächlich mein Flummi aus dem Vorjahr. Was für eine Freude. Unglaublich. Und ehrlich wahr.

Wiederfinden, was verloren war. Nach langer, anstrengender Suche. Oder ganz unverhofft, wie durch ein Wunder. Ein großes Glück. Grund genug, ein Freudenfest zu feiern. Der Flummi damals war materiell nicht viel wert. Für mich als Kind aber war er ein großer Schatz. Und noch viel mehr jetzt, nachdem ich ihn wiedergefunden hatte.

Wenn einer von zehn Silbergroschen verloren geht, mag das auf den ersten Blick verschmerzbar scheinen. Nicht jedoch für die Frau im Gleichnis Jesu, die hier für Gott steht. Sie sucht und sucht und sucht. Mit großem Einsatz und mit Mühe. Bis der Groschen wieder da ist. Die Geschichte erzählt vom Suchen Gottes.

Gott sucht mich, wenn ich verloren gehe

Gott sucht. Wenn es sein muss, auch lange und mit Einsatz. Gott sucht mich, wenn ich verloren gehe. Im stressigen Alltag. In den Sorgen und Ängsten, wie es weitergehen wird nach über einem Jahr Pandemie. In meinen Zweifeln und dem bangen Fragen, ob ich gut genug bin. Gott sucht mich in den dunklen Ecken meiner Trauer und meines Schmerzes. Gott sucht mich. Dann, wenn ich mich selber verliere und nicht mehr weiter weiß. Und auch dann, wenn ich mich von Gott abwende.

Jede und jeder ist wichtig genug, gesucht und gefunden zu werden. Klein oder groß, reich oder arm, selbstsicher oder schüchtern, mit Sehschwäche, im Rollstuhl, mit 46 oder 47 Chromosomen, alteingesessen oder geflüchtet…

Klingt selbstverständlich. Und es muss noch viel selbstverständlicher werden.
Gott sucht. Und findet. Und dann feiert Gott ein Freudenfest. Und dazu lädt Gott ein: Freundinnen und Nachbarinnen. Alle, die da sind. Gott lädt uns ein mitzufeiern.

Gott gibt niemanden verloren. Wie sieht es mit uns aus? Wo finden wir jede und jeden in seiner und ihrer Verschiedenheit?

Gott wünscht sich eine bunte Welt. Voller Farben, Chromosomen und Eigenarten.
Wie tragen wir unseren Teil dazu bei?
Wir können noch viele finden.

Zwei Rettungsschiffe des breiten gesellschaftlichen Bündnisses „United4Rescue – Gemeinsam retten e.V.“ suchen auf dem Mittelmeer. Hunderte Menschen haben die Besatzungen der beiden Schiffe in den letzten Wochen aus den tödlichen Wellen gefunden. Viele hoffen noch auf Rettung.

Gott sucht jeden Menschen. Auf den Wogen des Mittelmeeres. Und Gott feiert ein Freudenfest über jeden und jede, die gefunden wird. Amen.

Gebet

Gott, Liebe des Lebens,
du suchst uns und du findest uns, was auch immer uns bewegt.
Schenk uns den Mut zu suchen, die Augen, die Wunder zu sehen und deinen Sinn fürs Finden, wo er gebraucht wird. Amen.

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