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Talk über junges jüdisches Leben in Deutschland: Der Schauspieler und Musiker Daniel Donskoy (links) lädt ein zu gutem Essen und Gesprächen. Gäste in der ersten Folge waren Schauspielerin Susan Sideropoulos (rechts) und Autorin Mirna Funk. (Foto: WDR/Christian Pries)

Antisemitismus und Hühnersuppe

Medien

Aus der Printausgabe - UK 21 / 2021

Leticia Witte | 26. Mai 2021

Podcasts, Blogs und eine Late Night Show werfen einen Blick auf jüdisches Leben

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Talk über junges jüdisches Leben in Deutschland: Der Schauspieler und Musiker Daniel Donskoy (links) lädt ein zu gutem Essen und Gesprächen. Gäste in der ersten Folge waren Schauspielerin Susan Sideropoulos (rechts) und Autorin Mirna Funk. (Foto: WDR/Christian Pries)

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Sie sind informativ, witzig und manchmal todernst: Im Festjahr zu „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ gibt es Podcasts, einen Blog und eine Late Night Show – sehr unterschiedlich, aber mit ähnlichen Ansinnen.

Wie leben eigentlich Juden in Deutschland? Halten alle den Schabbat, was kommt auf den Tisch, und ist das immer koscher? Dürfen Frauen Rabbiner werden, und ist es von Belang, dass ein Musiker oder eine Autorin jüdisch ist? Über heutiges Judentum zu informieren, ist ein Ziel des laufenden Festjahres, mit dem 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland gefeiert werden. Es sind mehrere Podcasts, Internetformate und die erste jüdische Late Night Show Deutschlands auf den Markt gekommen – wenngleich nicht immer mit Bezug zum Festjahr. Sie machen klar, dass jüdisches Leben deutlich vielfältiger ist als oft angenommen. Im Folgenden eine Auswahl verschiedener Formate.

Freitagnacht Jews: Das ist der Titel der ersten jüdischen Late Night Show in Deutschland. Sie will eine „Show zwischen Antisemitismus und Hühnersuppe“ sein. Bei den Folgen, die bisher im WDR Youtube-Kanal und in der ARD-Mediathek zu sehen sind, kommt das hin. Gastgeber Daniel Donskoy bittet in einer Art Wohnzimmer zu Tisch mit Getränken und Speisen, deren Rezepte zur Verfügung gestellt werden. Mit der Schauspielerin Susan Sideropoulos und der Schriftstellerin Mirna Funk erörtert er die These „Einmal Jew, immer Jew“ und was es heißt, als jüdisch adressiert zu werden. Und mit dem Publizisten Max Czollek diskutiert er über die Form des Holocaust-Gedenkens in Deutschland und über Verschwörungsmythen.
Die Gespräche haben Tempo, Witz und offenbaren mitunter Standpunkte und Perspektiven, die vielen Zuschauern neu sein dürften. Das Setting ist ein freitägliches Abendessen zum Ruhetag Schabbat in heimelig-stylischem Ambiente, das Gelegenheit gibt, Traditionen zu erklären, Wärme unter Vertrauten zu erzeugen und über sehr ernste Themen Humor zu legen.

Podcast des Festjahr-Vereins: „Wir machen die Diversität jüdischen Lebens in Deutschland hörbar“ – so lautet das Ansinnen des Podcasts, der über die Internetseite des Vereins „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ verfolgt werden kann. Mirna Funk, Shelly Kupferberg und Miron Tenenberg als Moderatoren kommen mit unterschiedlichen Gästen ins Gespräch. Jüngst mit der Künstlerin Anna Nero, davor unter anderen mit dem Schauspieler und Schriftsteller Christian Berkel oder dem Dirigenten Daniel Grossmann, der das „Jewish Chamber Orchestra Munich“ auf die Beine stellte und über Musik, jüdische Identität und den Tod spricht.

Gelehrte im Gespräch: Was hat es mit den Feiertagen von Juden und Christen auf sich? Die Online-Reihe „Gelehrte im Gespräch“ bringt Religionsvertreter und Wissenschaftler zusammen, um über Ostern und Pessach, Schabbat und Sonntag oder Chanukka und Weihnachten zu sprechen. Die Reihe ist Teil einer Plakatkampagne der katholischen und evangelischen Kirche zusammen mit Vertretern des Judentums. Seit Januar werden ein Jahr lang Plakate in der Öffentlichkeit angebracht. Sie wollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Feiertagen thematisieren, über beide Religionen informieren und gegen Antisemitismus angehen.

Von Büchern und ihren Orten: Das ist der Titel eines Blogs, der im Laufe des Festjahres 22 Bibliotheken weltweit vorstellen will – von „öffentlichen Stadt- und jüdischen Gemeindebibliotheken über weltberühmte historische Büchersammlungen bis hin zu international renommierten akademischen Einrichtungen“. Hinzu kommt eine Rubrik „Lieblingsstücke“, die etwa das Arbeitszimmer des Schriftstellers Heinrich Böll zeigt. Er war Mitgründer der 1959 entstandenen Germania Judaica in Köln, die sich als eine der größten Spezialbibliotheken zum deutschsprachigen Judentum weltweit versteht.

Mekka und Jerusalem: Dieser Podcast steht im Zusammenhang mit dem neu gegründeten Heidelberger Bündnis für Jüdisch-Muslimische Beziehungen. Träger ist unter anderen die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. Wissenschaftler, Dozenten, Rabbiner und der Inhaber eines Restaurants berichten über jüdische und muslimische Esskultur, über Sprache, Goldene Zeitalter der jüdisch-muslimischen Beziehungen und Philosophie. Der Podcast schafft es, komplexe Themen verständlich und fesselnd an die Hörer zu bringen.

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