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Auch in der letzten Staffel bleibt Kloster Kaltenthal nicht vom Wettstreit zwischen Bürgermeister Wöller (Fritz Wepper, l.) und Schwester Hanna (Janina Hartwig, r.) verschont. (Fotos: ARD/Barbara Bauriedl)

Die ewige Intrige

Fernsehen

Aus der Printausgabe - UK 20 / 2021

Barbara Just | 18. Mai 2021

Zum 20. Mal streitet Schwester Hanna mit Bürgermeister Wöller um das Kloster. Janina Hartwig über ihre langjährige Rolle

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Auch in der letzten Staffel bleibt Kloster Kaltenthal nicht vom Wettstreit zwischen Bürgermeister Wöller (Fritz Wepper, l.) und Schwester Hanna (Janina Hartwig, r.) verschont. (Fotos: ARD/Barbara Bauriedl)
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Jede Folge hat etwas fürs Herz: Schwester Hanna (Janina Hartwig) und Lilly (Leslie Seidenberg), die sich eine neue Frau für ihren Vater wünscht.
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Die Nonnen von Kaltenthal: (V.l.) Schwester Agnes (Emanuela von Frankenberg), Schwester Hanna (Janina Hartwig), Schwester Felicitas (Karin Gregorek), Schwester Lela (Denise M‘Baye).

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Derzeit läuft die 20. und letzte Staffel der ARD-Erfolgsreihe „Um Himmels Willen“. Der Sender hat ein Ende der Serie angekündigt. Barbara Just sprach mit Janina Hartwig (59), die 15 Jahre lang als patente Schwester Hanna vor der Kamera stand, über den Abschied von ihrer Paraderolle, über ihre Einschätzungen zur Lage der Kirche – und was die Zuschauer im Finale erwartet.

 

Jubiläum und Abschied fallen zusammen. Tut es noch weh, dass es keine Fortsetzungen mehr geben wird?
Janina Hartwig: Abschied ist immer schmerzlich. Aber alles, wie wir wissen, hat irgendwann ein Ende. Ich denke, die Entscheidung der ARD ist mutig, weil natürlich viele Fans sehr, sehr traurig sind. Ich weiß das durch viele Reaktionen, die ich bekommen habe. Aber wo ein Ende ist, ist auch ein Anfang für neue Wege.

 

Rosel Zech, die erste Mutter Oberin, kommentierte einmal den Erfolg mit den Worten: „In einem Fernsehalltag mit Mord und Totschlag sind eben die Nonnen die Exoten.“ Worauf führen Sie die anhaltende Begeisterung der Zuschauer zurück?
Ich denke, das hängt damit zusammen, dass sich die Leute immer irgendwie in ihren Problemen wiedererkennen konnten. Sie sehen ihren Kommunalpolitiker, sie sehen Erlebnisse ihres Nachbarn oder eigene. Aber wir haben dem Zuschauer immer die Möglichkeit eines positiven Ausgangs gegeben, um ein wenig Hoffnung und Mut zu machen.

 

15 Staffeln lang spielten Sie die patente Schwester Hanna, von der Drehbuchautor Jürgen Werner sagt, so eine hätte er gerne in der Nachbarschaft. Sie auch?
Es gibt so viele Menschen, die sich im Stillen in die Gesellschaft einbringen. Ich weiß das durch meine Arbeit für den Wünschewagen, eine Initiative des Arbeiter-Samariter-Bundes. Mit einem umgebauten Krankentransporter erfüllen wir mit Ehrenamtlichen letzte, oft langgehegte Wünsche von Sterbenskranken. Aber auch in meinem täglichen Umgang mit Menschen erlebe ich viele, die sich ehrenamtlich engagieren. Ohne sie würde unsere Gesellschaft in vielem gar nicht funktionieren.

 

Ihre Leidenschaft für das Tanzen, aber auch das Reisen wurden in der Serie aufgegriffen…
…und wir hatten ja auch tolle Dreharbeiten für unsere Weihnachts-Folgen von 90 Minuten. Da waren wir an wunderbaren Orten wie im portugiesischen Fatima, in Rom und in Namibia. Sogar auf einem Schiff durften wir das Mittelmeer rauf und runter fahren. Das habe ich alles sehr genossen.

 

Als gebürtiger Ostberlinerin dürfte Ihnen Glaube, Kirche und gar Klosterleben nicht sehr vertraut gewesen sein. Was haben Sie dazugelernt?
Ich erlebte die ständigen Auseinandersetzungen mit dem Thema Kirche. In der aktuellen Staffel geht es neben dem Zölibat vor allem um die Stellung der Frau in der katholischen Kirche. Zu zeigen, an welche Grenzen Schwester Hanna da kommt, um ihren Glauben nicht zu verraten, war für mich superspannend. Die Konflikte mit dem Weihbischof werden so hart, dass sie Entscheidungen treffen muss. Dies darzustellen, wie sie trotzdem bei sich und in ihrer eigenen Kraft bleibt, obwohl ihre Existenz wackelt, war toll zu erzählen.

 

Die Drehbücher von „Um Himmels Willen“ waren immer nah an aktuellen Diskussionen in und um die Kirche. Wie sehen Sie das?
Die katholische Kirche muss sich öffnen. Ihr bleibt doch gar nichts anderes übrig, sonst verliert sie weiter Mitglieder. Grundsätzlich aber finde ich, müssen wir Frauen uns in der Gesellschaft viel mehr einbringen. Emanzipation heißt für mich nicht, dass wir Frauen so sind wie die Männer, sondern dass wir mit unserer empathischen, fraulichen Stärke immer mehr auch diese Gesellschaft formen und zu Veränderungen führen.

 

Trotz der Negativ-Schlagzeilen, die die Kirche liefert, haben Sie mit dieser Unterhaltungsserie eine positive Komponente durch diese Ordensfrau gezeigt. Bewusst?
Absolut. Mit unseren Geschichten sprechen wir nicht nur gläubige Menschen an. Die Zuschauer erkennen sich und ihre Umwelt wieder. Wir machen Hoffnung und bieten Lösungen an. Und das alles mit einem komödiantischen Lächeln. Das ist der Sinn dieser Serie.

 

Ein „furioses Finale“ ist angekündigt. Was steht an?
Die bewährte Konstellation bleibt erhalten. Bürgermeister Wolfgang Wöller will wieder das Kloster haben, und Schwester Hanna wird es verhindern. Die beiden streiten sich, aber eigentlich mögen sie sich. Diesen permanenten Antagonismus mit Fritz Wepper zu spielen, dass da immer im Augenwinkel dieser kleine Funke war und es um den Menschen geht, hat viel Spaß gemacht.
Dieses Mal setzt sich Hanna sogar für Wöller ein, weil der nicht mehr als Bürgermeisterkandidat aufgestellt wurde. In jeder Folge gibt es zudem einen sogenannten Sozialfall. Am Schluss steht die Benefiz-Gala an, wo Wöller und Hanna auftreten.

 

Wenn Sie den Habit endgültig ablegen, was wird Ihnen abgehen?
Die Arbeit an dieser wunderbaren Rolle werde ich am meisten vermissen, genauso wie das Team und die Kollegen. Aber so ist es eben beim Film. Da gibt es bei jeder Produktion immer einen letzten Drehtag. Aber die 15 Jahre haben uns bei „Um Himmels Willen“ natürlich zusammengeschweißt. Es ist unfassbar viel passiert. Kinder wurden geboren, Menschen sind gestorben, es wurde sich verheiratet, sich geschieden – so viel Schicksal, im Positiven wie im Negativen.

 

Was nehmen Sie mit?
Dankbarkeit. Das hat mein Leben bestimmt in den vergangenen 15 Jahren. Ich habe hineingegeben, was ich geben konnte. Und ich nehme mit einen großen Erfahrungsschatz, den ich hoffentlich auch in meinen nächsten Rollen einbringen kann. Und wenn die Grenzen nach der Pandemiezeit wieder aufmachen, werde ich wohl in Nullkommanix in Italien sein. Einer meiner Gänge wird mit Sicherheit in eine dieser wunderbaren Kirchen dort sein. Ich liebe es, in Kirchen zu gehen.

Die Serie „Um Himmels Willen“ läuft derzeit immer dienstags um 20.15 Uhr im Ersten.

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