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Das Leben spüren und bejubeln – das können Kinder ganz unbefangen. Der Predigttext erzählt davon, dass auch Jesu Jüngerinnen und Jünger ergriffen wurden von diesem Glücksgefühl, das das Herz überfließen lässt und den Mund zum Loben öffnet. Schade, dass nicht alle mitgehen können, oder sich wenigstens am Jubel mitfreuen. Aber die Jünger und auch Jesus lassen sich nicht beirren. Was sie begeistert, lässt sich nicht zurückhalten. Das muss herausgerufen und -gesungen werden! (Foto: godfer)

Begeisterung rauslassen!

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 18 / 2021

Bastian Basse | 30. April 2021

Über den Predigttext für den Sonntag Kantate: Lukas 19,37–40

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Das Leben spüren und bejubeln – das können Kinder ganz unbefangen. Der Predigttext erzählt davon, dass auch Jesu Jüngerinnen und Jünger ergriffen wurden von diesem Glücksgefühl, das das Herz überfließen lässt und den Mund zum Loben öffnet. Schade, dass nicht alle mitgehen können, oder sich wenigstens am Jubel mitfreuen. Aber die Jünger und auch Jesus lassen sich nicht beirren. Was sie begeistert, lässt sich nicht zurückhalten. Das muss herausgerufen und -gesungen werden! (Foto: godfer)
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Bastian Basse (40) ist Pfarrer im Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung in Schwerte-Villigst, Beauftragter für Kirche mit Kindern in der westfälischen Landeskirche und Kindermusiker (Liederpfarrer).

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Predigttext
37 Jesus kam zu der Stelle am Ölberg, wo der Weg zur Stadt hinunterführt. Da begannen alle Jünger, sich zu freuen. Sie lobten Gott laut für all die großen Wunder, die sie erlebt hatten. 38 Sie riefen: „Lobt den König, der im Namen des Herrn kommt! Frieden ist im Himmel und Herrlichkeit ist in der Höhe.“ 39 Unter den Leuten waren auch einige Pharisäer. Die sagten zu Jesus: „Meister, sag deinen Jüngern, dass sie still sein sollen.“ 40 Aber Jesus antwortete: „Ich sage euch: Wenn die Jünger schweigen, fangen die Steine an zu schreien.“
Einsteigerbibel. Die Bibel. Übersetzung für Kinder

Was für ein Erlebnis! Es ist im Sommer 2008 in Tabgha, dem kleinen Ort am Nordufer des Sees Genezareth. In der Kirche, die an das Speisungswunder Jesu erinnert, findet sich vorne am Altar ein berühmtes Fußbodenmosaik. Es zeigt einen Korb mit Brotlaiben und zwei Fische.

Wir sind nicht allein. Eine Gruppe afrikanischer Christen ist auch da, um die Kirche zu besuchen und anzubeten. Beim Anblick des Mosaiks geraten sie in Verzückung. Sie heben ihre Hände zum Himmel und tanzen, sie jubeln und singen aus vollen Kehlen.

Was für eine wundersame Stimmung! Die Kirche klingt: Erfüllt vom Lobgesang der Männer. Und wir stehen schweigend und lauschen gebannt.
Genauso stelle ich mir die Szene vor, von der uns Lukas erzählt.

Singen über das Leben mit Jesus

Es ist aber auch atemberaubend, wenn du über den Ölberg gehst und sie plötzlich vor dir auftaucht: Jerusalem! Die altehrwürdige Königsstadt. Mit ihren hohen Mauern und dem Tempel, der alles überragt und von dem Gott gesagt hat: „Da soll mein Name sein.“ Die „Stadt des Friedens“, mit ihrer wechselvollen Geschichte. So erhaben, so prächtig, so unvorstellbar groß.

Ich kann mir gut vorstellen, wie überwältigt die Jünger sind. Mir ist es nicht anders ergangen. Es ist bestimmt nicht ihr erster Besuch. Aber diese Stadt verzaubert die Menschen jedes Mal aufs Neue. Damals wie heute.

Darum geraten sie bei ihrem Anblick in Verzückung. Voller Freude jubeln sie und singen über das, was sie mit Jesus erlebt haben. Sie loben Gott aus vollem Herzen: „Lobt den König, der im Namen des Herrn kommt! Frieden ist im Himmel und Herrlichkeit ist in der Höhe.“

Nicht alle Anwesenden stimmen in den Jubel ein – oder lauschen gebannt, wie wir in Tabgha. Da sind Pharisäer, die sich durch den Gesang gestört fühlen. Oder sogar provoziert? Auf jeden Fall beschweren sie sich bei Jesus über das Verhalten seiner Begleiter. Sie verlangen ein Singverbot: „Meister, sag deinen Jüngern, dass sie still sein sollen.“ Ach ja, „Singverbot“…

Seit einem Jahr verzichten wir in unseren Gemeinden zum gegenseitigen Schutz auf gemeinsamen Gesang. Ich weiß, warum das notwendig ist. So kann die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden. Dafür verzichten wir auf das gesungene Lob Gottes, weil es ansteckend ist. Leider ist „ansteckend“ hier im negativen Sinn gemeint.

Gottes Lob lässt sich nicht einschränken

Trotzdem fehlt mir das Singen. Es fehlt mir und vielen, vielen anderen Menschen in Chören und Gemeinden. Mancher sagt sogar: „Ich gehe erst wieder in einen Gottesdienst, wenn ich da auch singen darf!“
Jesus antwortete: „Ich sage euch: Wenn die Jünger schweigen, fangen die Steine an zu schreien.“

Gottes Lob lässt sich nicht einschränken. Es sucht sich seinen Weg auch in dieser Zeit – und es findet ihn. Vielleicht nicht auf die althergebrachte und liebgewonnene Weise, die uns so sehr am Herzen liegt. Aber es wird auf andere Weise laut und bringt unsere Welt zum Klingen und mich zum Staunen.

Chormitglieder singen einzeln ihre Stimmen ein und filmen sich dabei. Sie werden technisch zusammengemischt und klingen dabei wie ein Chor – und ihr Gesang rührt mein Herz.

Familien versammeln sich vor dem Computer. Sie wünschen sich ihre Lieblingslieder aus dem Kindergottesdienst und singen diese begeistert beim Online-Konzert mit und verbringen so eine heilvolle Zeit miteinander.

Anders, aber kraftvoll und segensreich

Menschen stellen sich am Ostersonntagmorgen auf ihren Balkon und es tönt ein fröhliches „Christ ist erstanden“ durch die Straßen. Es erzählt von einem neuen Leben und schenkt uns Hoffnung, die uns fröhlich singen lässt. Und hüpfen.
Ja, Gottes Lob sucht sich seinen Weg. Anders vielleicht; immer aber kraftvoll und segensreich.

Ein Video der Andacht, gesprochen vom Autor, gibt es bei Facebook und Instagram unter dem Stichwort @Liederpfarrer.

Gebet

Ich danke dir, Gott, Vater im Himmel, dass du uns immer wieder neue Wege zeigst, wie wir dich mit unserem Gesang und unserer Musik loben können. Hilf, dass wir nicht übersehen, was möglich ist, wenn wir uns zu sehr danach verzehren, was gerade unerreichbar bleibt. Das bitte ich dich in Jesu Namen. Amen.

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