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Grafik: TSEW

Echt jetzt?

Leitartikel

Aus der Printausgabe - UK 14 / 2021

Gerd-Matthias Hoeffchen | 5. April 2021

War das Grab leer oder nicht? Wäre doch schön, wenn wir darauf eine Antwort geben könnten.

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Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

Diese beiden Sätze sind ein uraltes Glaubensbekenntnis und untrennbar mit dem Osterfest verbunden. Jemand spricht den ersten Satz – und alle stimmen ein. Das Wort „wahrhaftig“ ist wie ein Siegel, das das gemeinsame Bekenntnis bestätigt und bekräftigt. Seit Jahrhunderten wird das zu Ostern so gemacht.

Nur: Wie halten es die Christinnen und Christen mit der Wahrhaftigkeit? Wie „wahr“ ist es für sie, das Christus auferstanden ist?

Hört man sich zu Ostern um – sei es in Predigten, Online-Foren oder Gesprächen zwischen Tür und Angel –, so fällt eine Sache auf: Die Frage „War das Grab leer?“ spielt dabei oft eine erstaunlich geringe Rolle.

Dabei ist es doch das Natürlichste der Welt, dass Menschen diese Frage stellen. Jemand erzählt dir: „Da ist einer gestorben; und der ist aus dem Grab zurückgekommen!“ Darauf gibt es nur eine einzige mögliche Reaktion: „Echt jetzt?“ Zurück aus dem Tod, das widerspricht so sehr aller menschlichen Erfahrung, dass man so etwas erst einmal gar nicht glauben kann.

Also: Echt jetzt?

Darauf könnte man nun antworten: Ja. Nein. Vielleicht. Weiß ich nicht. Bei all diesen Antworten würden die Menschen zuhören, staunen. Weitere Fragen stellen. Vielleicht Fragen wie: „Seid Ihr bekloppt?“ Aber sie würden Fragen stellen.

Stattdessen hört man in den Kirchen zu Ostern oft Sätze wie: Im Bild vom leeren Grab finden unsere Ängste Hoffnung und Halt; der Tod hat nicht das letzte Wort; die Auferstehung findet schon statt, hier und jetzt.

Das alles mag völlig richtig sein. Für Menschen, die das entsprechende Hintergrundwissen mitbringen. Es mag sie aufbauen und ihnen Kraft geben. Wenn sie diese Art der Sprache gewöhnt sind. Wie ein Lied, dessen Klang vertraut ist, von Jugend an. Und dessen Worte auf poetisch-geheimnisvolle Weise an Herz und Seele rühren, auch wenn sie die selbst nie so sagen würden. Das passiert zuhauf in unseren Ostergottesdiensten. Und für viele ist das gut und hilfreich.

Wer aber diese Sprache, diesen speziellen Sound der österlichen Rede nicht gewohnt ist, für den (oder die) kann das schnell verstörend sein: Was erzählen die mir denn da? War das Grab nun leer, oder war es das nicht? Und dann schalten sie ab.

Es gäbe ja Antworten darauf. Paulus: „Ja klar war das Grab leer! Sonst ergibt doch unser Glaube überhaupt keinen Sinn.“ Rudolf Bultmann und viele andere Theologinnen und Theologen: „Naja, leer war das Grab wohl nicht. Die Auferstehung ist symbolisch zu verstehen. Aber auch das ergibt Sinn; ich erkläre es dir jetzt mal.“

Mut zu klaren Antworten. Auch, wenn die anecken. Das sind wir den Menschen schuldig. Gerade, wenn es um die Auferstehung geht.

Meine Antwort: Ja, ich glaube an das leere Grab und die Auferstehung. Ich kann es nicht beweisen. Aber ich halte daran fest, auch daran, dass auch wir auferstehen werden.

Das muss man nicht so sehen. Aber mir gibt es Hoffnung, Trost und Kraft. Wenn ich Angst habe und schwach bin. Ob Corona, Lockdown oder der Tod meiner Mutter oder mein eigener; ob die Krankheit eines Freundes oder das Leid der ganzen Welt: Wir werden auferstehen. Alles wird gut.

Er ist wahrhaftig auferstanden: Wie schön wäre es, wenn wir diesen Satz einander nicht nur zurufen könnten. Sondern uns selbst und den Mitmenschen Rechenschaft geben könnten, was wir damit eigentlich meinen.

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Leser-Kommentare öffnen

ellybe, 5. April 2021, 12:45 Uhr


Weder im apostolischen noch im nizänischen Glaubensbekenntnis ist von einem Glauben an das leere Grab die Rede. Es gehört also nicht zu unserem grundsätzlichen und verbindlichen Bekenntnisgut und ist belanglos für unseren Glauben. Unser Glaube an Jesus Christus und an die/unsere Auferstehung ergibt einen Sinn auch ohne "Glauben an das leere Grab".
Gerne würde ich allerdings wissen, welche Worte des Apostels Paulus man als Beleg anführen kann, wenn jenem (doch wohl durch den Verfasser?) die Worte in den Mund gelegt werden: "Ja klar war das Grab leer! Sonst ergibt doch unser Glaube überhaupt keinen Sinn."
Ich habe (bei gewissenhafter Prüfung) keine Stelle in den Paulusbriefen gefunden, an der der Apostel vom leeren Grab spricht oder auf dieses verweist und dazu auch noch von ihm eine Beziehung zum Sinn (oder Unsinn) unseres Glaubens herstellt! Auf das berühmte Kapitel 15 im 1. Korintherbrief kann man sich jedenfalls nicht berufen.
Aber ich lasse mich auch eines Besseren belehren. -
Zum Schluss, zur Aussage von Herrn Hoeffchen, "dass auch wir auferstehen werden", ein Verweis auf Martin Luthers Verständnis unserer Auferstehung, wie er es dargelegt hat im Kleinen Katechismus, Das vierte Hauptstück, Das Sakrament der heiligen Taufe, Zum Vierten:
"Es bedeutet, daß der alte Adam in uns durch TÄGLICHe Reue und Buße soll ersäuft werden und STERBEN...und wiederum TÄGLICH herauskommen und AUFERSTEHEN ein neuer Mensch...".
"Wo steht das geschrieben?
Der Apostel Paulus spricht zu den Römern im sechsten Kapitel:
WIR SIND mit Christus BEGRABEN durch die Taufe in den Tod, damit WIE CHRISTUS AUFERWECKT ist von den Toten...AUCH WIR in einem neuen Leben wandeln." (Hervorhebungen von mir)
Auch wenn dies in einer heute veralteten Sprache geschrieben ist, wird doch jedem Christen deutlich, dass für Luther unsere Auferstehung ein Geschehen im Hier und Jetzt ist und nicht erst oder nur ein rein zukünftiges:
ECHT JETZT!
Eine echt lutherische "Entmythologisierung"!
Übrigens:
Rudolf Bultmann war ein ganz und gar frommer Mann!
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Alwite, 5. April 2021, 22:44 Uhr


>Sondern uns selbst und den Mitmenschen Rechenschaft geben könnten, was wir damit eigentlich meinen.<

Hier unterscheiden wir uns alle, jeder darf seine ganz persönliche Meinung dazu haben - und das ist gut so!

Wenn wir uns in unserem Bemühen Christ zu sein nicht unterscheiden, ist das Opfer Jesu, der uns Christsein und Nächstenliebe vorlebte, nicht vergebens.

Das Haha der Grafik ist die Dornenkrone des Gekreutigten. Sein Flehen "Mein Gott, warum hast du mich verlassen" nimmt niemanden aus. Zweifel sind ein fester Bestandteil des Weges zum Ziel.

Ob nun Bibeltexte, Rilke oder die Toten Hosen:
Ist nicht alles EINS?
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