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Liza Minelli bei einem Konzert im Berliner Friedrichstadtpalast (Foto vom 22.06.2009). (Foto: epd)

Mit starkem Willen und vielen Talenten

Geburtstag

Bettina Thienhaus (epd) | 12. März 2021

Musical-Legende Liza Minnelli wird 75

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Liza Minelli bei einem Konzert im Berliner Friedrichstadtpalast (Foto vom 22.06.2009). (Foto: epd)

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Frankfurt a.M. (epd). Sie ist ein Allroundtalent: Liza Minelli feierte Erfolge auf Konzertbühnen wie der New Yorker Carnegie Hall oder dem Pariser «Olympia». Der Klassiker «Cabaret» macht sie im Kino zum Oscar-prämierten Star. Am 12. März wird die Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin 75 Jahre alt. Immer wieder haben aber auch ihre schmerzlichen persönlichen Krisen für Schlagzeilen gesorgt. «Ich schaue immer nach vorne, bin zu neugierig und zu beschäftigt um zurückzublicken, und ich denke, das hält jung», sagt sie einmal in einem Interview.

   Geboren wird sie 1946 in Los Angeles als Kind der legendären Schauspielerin und Sängerin Judy Garland («Over the Rainbow») und des Regisseurs Vincente Minnelli («Ein Amerikaner in Paris»). Es ist eine Kindheit im Traumfabrik-Milieu: Mit Mia Farrow spielt Liza in der Sandkiste, Nachbarn waren Lana Turner und Humphrey Bogart. «Alle waren berühmt und keinen kümmerte es.»

   Schon die Dreijährige steht an Mamas Hand vor der Kamera, 1949 in einer Szene des Filmmusicals «Damals im Sommer». Nach der Scheidung der Eltern 1951 bleibt Liza bei Judy Garland, begleitet sie auf Konzertreisen, tritt mit ihr auf. Und kümmert sich auch sonst um die depressive Mutter, die 1969 an einer Überdosis Schlaftabletten stirbt.

   «Meine Kinderjahre waren hochinteressant - nur mit Kind-Sein war da nicht viel», beschrieb Minnelli später diese Zeit. Schmerzliche Erinnerungen bleiben. Und so wollte sie sich auch den Spielfilm «Judy» (2019) mit Renée Zellweger als Judy Garland auf keinen Fall ansehen.

   In New York besucht Liza Minnelli, die ersehnte Bühnenkarriere vor Augen, eine Highschool mit dem Schwerpunkt Musik und Darstellung. Die 17-Jährige mit dem intensiven träumerischen Blick beeindruckt im Revival des Musicals «Best Foot Forward», kurz darauf erscheint ihr erstes Album «Liza! Liza!». Für «Flora, The Red Menace» bekommt sie mit 19 Jahren den «Tony Award» als beste Musical-Darstellerin. Minnelli will aber auch als ernsthafte Schauspielerin wahrgenommen werden. In Alan J. Pakulas Liebesdrama «Pookie» (1969) spielt sie hinreißend die exzentrische Studentin Pookie Adams. Die Belohnung: eine Oscar-Nominierung.

   Zum Star wird sie dann 1972 mit Bob Fosses Film-Musical «Cabaret». Die Handlung ist im Berlin der frühen 30er Jahre angesiedelt, kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Minnelli spielt die Varietékünstlerin Sally Bowles, die im Berliner «Kit Kat Club» dekadente erotische Songs zum Besten gibt und von einer Schauspielkarriere träumt.

   Der Titelsong «Life is a Cabaret» wird Minnellis Markenzeichen - wie auch der pechschwarze Bubikopf und die großen Augen mit künstlichen Wimpern, mit denen sie ihre Sally charakterisiert. Für ihre Leistung bekommt sie einen Oscar, einen Golden Globe und den Britischen Filmpreis. Liza Minelli gehört zu den wenigen Showgrößen, die mit den vier Top-Preisen Emmy, Grammy, Oscar und Tony Award, kurz EGOT, ausgezeichnet wurden.

   1977 singt sie in Martin Scorseses Musikfilm «New York, New York» den Titelsong, und Robert De Niro spielt Saxofon dazu. Doch am liebsten steht Liza Minnelli auf der Bühne, genießt den direkten Kontakt zum Publikum, die Live-Atmosphäre. Dabei setzt sie ihr darstellerisches Talent auch beim Singen ein, verkörpert, ja «schauspielert» ihre Songs, wie schon 1972 in der Show «Liza with a 'Z'».

   Diese Technik hat sie sich als Teenager erarbeitet, weil sie meinte, sie könne nicht gut genug singen. Häufig tritt sie mit Frank Sinatra auf, der ihren «New York, New York»-Song zum Klassiker machte. 1988 gesellt sich Sammy Davis jr. dazu. Die erste Tournee des Trios heißt «Frank, Liza & Sammy: The Ultimate Event».

   Minnellis Konzertauftritte werden zur wichtigen Konstante in einem Leben, das Höhenflüge bereithält, aber auch Krisen und Abstürze: vier gescheiterte Ehen, Fehlgeburten, Drogen und Alkohol. Im kalifornischen Betty-Ford-Center, einer Drogen- und Alkoholentzugsklinik, findet sie 1984 Hilfe.

   Es ist der Auftakt für ihr späteres erfolgreiches Comeback. Sie geht mit der Show «Liza's Back» auf Tour und steht auch vor der Kamera, so in «Sex and the City» mit dem Song «Single Ladies (Put a Ring on It)». In der Sitcom-Serie «Arrested Development» über eine bizarre Unternehmer-Familie ist sie in 21 Folgen zu sehen. Minnelli spielt die Diva Lucille Austero, die wegen «Gleichgewichtsproblemen» ärztliche Behandlung braucht - eine Anspielung auf die Medikamenten- und Alkoholprobleme der Schauspielerin, mit denen sie immer offen umging.

   Vor drei Jahren trennte Minnelli sich von rund 1.000 Erinnerungsstücken aus ihrer Karriere und der ihrer Eltern. Darunter war ihr legendäres «Cabaret»-Kostüm mit Bowler-Hut und Stiefeln: «Ich habe jahrzehntelang wunderbare Memorabilia gesammelt. Nun möchte ich mein Leben vereinfachen und Dinge mit meine Fans teilen.» Die meiste Zeit ihres Lebens hat Liza Minnelli in New York gelebt. Doch 2015 zog sie nach Los Angeles zurück, in die Stadt ihrer Kindheit: «Das war wie ein Nachhausekommen.»

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