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Freut euch – trotzdem

Leitartikel

Aus der Printausgabe - UK 11 / 2021

Anke von Legat | 15. März 2021

Mitten in der Passionszeit gibt es diesen Sonntag Lätare, der zur Freude auffordert. Passt das zusammen? Ja. Sogar gut. Denn die Erfahrung zeigt, dass es Freude auch in schweren Zeiten gibt.

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Freuet euch – der Name dieses Sonntags klingt etwas absurd mitten in der Fastenzeit. Freude? Worüber, wenn doch alles nach wie vor ungewiss ist und weiterhin Verzicht droht, Leid und Trauer?

Aber die Kirchenväter wussten, was sie taten, als sie auf der Hälfte der Passionszeit einen Freudensonntag einfügten. Er trägt die Botschaft: Die Mitte des Weges ist erreicht; von nun an wird es leichter. Das Ziel liegt nicht mehr in gar so weiter Ferne, und auch wenn die Wanderung weiter Anstrengung kostet und vielleicht noch durch ein weiteres dunkles Tal führt, wächst die Hoffnung auf ein gutes Ende mit jedem Schritt.

Lässt sich solch ein ritualisierter Freudentag auch in dieser Fastenzeit nachvollziehen – nach über einem Jahr der Kontaktminimierung, der eingeschränkten Freiheit, des Verzichts? So richtig unbeschwert wird sich wohl niemand freuen wollen und können, auch wenn tatsächlich einige Erleichterungen in Aussicht stehen. Ob wir das Schlimmste wirklich überstanden haben und ob wir dem Ende der Pandemie wirklich näher kommen – wer weiß das schon? Was also kann ein „Freuet euch!“ in dieser Situation ausrichten?

Vielleicht hilft es, den Blick zunächst nach hinten zu richten und die Erinnerung zuzulassen an all das, was war und was es an Kraft gekostet hat, an Tränen und Gebeten: All die Sorgen und Ängste um uns und andere; all die Einsamkeit und Traurigkeit und Lähmung. Aber eben auch auf das zu schauen, was gut war: All die Solidarität, die Mitmenschlichkeit, die gemeinsame Anstrengung, um die Pandemie und den Lockdown so gut wie möglich in den Griff zu kriegen. All die kleinen und großen Momente der Erleichterung und Freude: Der Corona-Test der Freundin ist negativ. Die offene Kirche lockt Menschen an, die dankbar die Möglichkeit zum Gebet und zur Einkehr wahrnehmen. Und der Posaunenchor ist auch nach einem Jahr noch unermüdlich unterwegs und bläst Geburtstagsständchen vorm Gartenzaun.

Bis hierhin haben wir es geschafft – das ist ein Grund zur Freude, im symbolischen Sinn des Kirchenjahres wie im realen der Corona-Zeit. Sicher, die Pandemie bleibt ein Leidensweg – aber einer mit Freudenstationen. Daran kann der Sonntag Lätare erinnern. Und er ruft dazu auf, nach dem Blick zurück die Richtung zu wechseln und nach vorn zu schauen. Denn da leuchtet Ostern, das Fest der Auferstehung.

Eine ganz andere Perspektive auf das Leben: Wir sind in Gottes Hand. Neues, göttliches, ewiges Leben ist in jedem Leid, jedem Scheitern, jedem Abschied, jeder Entbehrung, ja, sogar jedem Sterben inbegriffen wie in einem Samenkorn. Aus dieser Hoffnung, aus diesem Glauben leben wir. Das ist ein Grund zu einer tiefen Freude, die über wiedergefundene Einkaufsmöglichkeiten oder Freundestreffen hinausgeht; einer Freude mit Leib und Seele, wie es im Wochenpsalm 84 heißt.

Noch gibt es viele Schritte zu bewältigen, aber Ostern leuchtet. Hier und da werden wieder Gottesdienste gefeiert;  Menschen beten füreinander, helfen sich, vertrauen. Grund genug für das „Freuet euch!“

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