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Freunde treffen, diskutieren, Ideen austauschen – oder einfach nur ein Bier miteinander trinken: Das bietet der digitale Stammtisch „Digital Churchies“ für alle Menschen, die sich zur westfälischen Kirche zählen (Grafik: Olgastrelnikova)

Plätze frei beim digitalen Stammtisch

Kirche Online

Aus der Printausgabe - UK 10 / 2021

Anke von Legat | 6. März 2021

Seit Juni 2020 treffen sich Menschen aus der westfälischen Landeskirche bei Zoom. Jetzt wird wieder eingeladen.

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Freunde treffen, diskutieren, Ideen austauschen – oder einfach nur ein Bier miteinander trinken: Das bietet der digitale Stammtisch „Digital Churchies“ für alle Menschen, die sich zur westfälischen Kirche zählen (Grafik: Olgastrelnikova)

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„Digital Churchies“ nannten sie sich, was so viel heißt wie „Leute, die in der digitalen Kirchenwelt unterwegs sind“. Dazu gehören Menschen, die selbst regelmäßig in Sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook aktiv sind, Youtube-Gottesdienste mitfeiern oder mit digitalen Formaten experimentieren genauso wie solche, die zum ersten Mal einen Zoom-Link benutzen, um beim Treffen dabei zu sein.

Und auch sonst ist die Mischung bunt. Die Möglichkeit einer gleichberechtigten Teilnahme ist den beiden Initiatorinnen wichtig: „Die Moderatorinnen und Moderatoren bemühen sich, darauf zu achten, dass nicht eine Berufsgruppe, etwa die der Pfarrerinnen und Pfarrer, eine Altersgruppe oder Personen des gleichen Geschlechts die Diskussionen dominieren“, betont Christina Biere. Am Stammtisch treffen sich Ehrenamtliche, Mitarbeitende aus der Jugendarbeit und der Diakonie, Studierende, Erzieher, Küsterinnen, Pfarrerinnen und Pfarrer. Entsprechend vielfältig sind die Themen, die in kleinen Gruppen besprochen werden: Es gibt Austausch über inklusive Sprachformen und Rassismus in der Kirche, Ideen für digitale Gottesdienste oder Konfi-Unterricht.

Im Vordergrund soll der Austausch stehen – über das, was in Corona-Zeiten weiterhilft, was ermutigt und in der Gemeinde vor Ort konkret funktioniert. „Dabei haben wir schnell gemerkt, dass da ein großer Schatz an Erfahrungswissen zusammenkommt – und dass sich eine unheimliche Dynamik entwickelt im digitalen Raum“, erzählt Mandy Liebetrau. „Ich habe das Gefühl, dass die Menschen sich hier freier fühlen, über ihre Ideen zu reden, auch wenn nicht alles perfekt ist.“ Das Internet biete die Möglichkeit, sich heranzutasten an Ausdrucksformen für den Glauben in der Öffentlichkeit. „Das ist echt ein Pfund“, findet die Pfarrerin. Aus dem Stammtisch hat sich inzwischen schon ein neues Projekt entwickelt, in dem in diesem Bereich experimentiert werden soll: ein Instagram-Account mit dem schönen westfälischen Namen @“boah.glaubse“, der gerade an den Start gegangen ist.

Liebetrau selbst ist vertraut im Umgang mit Social Media: Die 31-Jährige hat einen Account bei Instagram, wo sie regelmäßig von ihrem Pfarralltag erzählt: @pfarranfaengerin. Hier traf sie auf Christina Biere, Regionalpfarrerin beim Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung, die Mitstreitende für die Idee des digitalen Stammtisches suchte. Obwohl für das erste Treffen fast nur auf Instagram geworben wurde, meldeten sich 70 Leute an – „mit so vielen hatten wir nicht gerechnet“, erzählt Biere. Seitdem gab es bereits fünf Treffen, und ein sechstes steht bevor (siehe unten). Organisiert werden sie jeweils von einer kleinen Gruppe mit wechselnden Personen – auch das soll Vielfalt gewährleisten.

Funktioniert das, was im digitalen Bereich besprochen wird, denn auch im Gemeindeleben vor Ort? Für Mandy Liebetrau geht analoges und digitales Arbeiten immer mehr Hand in Hand – und das Internet hilft in ihren Augen dabei, Kirche vom ständigen Hinterherhinken zu befreien. „Einige Ideen vom Stammtisch habe ich schon selbst ausprobiert, zum Beispiel Tüten zum Mitnehmen vor der Kirche“, erzählt sie. Außerdem sei sie durch die Diskussionen über inklusive Sprache inzwischen viel sensibler geworden: „Ich achte stärker auf meine eigene Ausdrucksweise. Und im Konfi-Unterricht, wo ich auch zwei ,Konfis of Colour‘ habe, wähle ich jetzt Bilder so aus, dass nicht nur weiße Menschen gezeigt werden.“

Christina Biere macht die Erfahrung, dass Ideen im Internet sich viel schneller entwickeln und geteilt werden – und von dort aus ihren Weg in die analoge Kirche finden. Außerdem schätzt sie am Austausch in den Sozialen Medien die Möglichkeit, mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu kommen. „Menschen sind an Menschen interessiert – was sie glauben, was sie tun, warum sie es tun“, sagt sie. „Für mich ist das immer wieder eine Inspirationsquelle.“

Die beiden Theologinnen nehmen an einigen Stellen eine deutliche Distanz zwischen der digitalen und der analogen Kirche wahr: „Wir beobachten, wie sich im digitalen Raum eine neue Identität von Kirche entwickelt“, so Biere. „Die möchten wir übersetzen und damit Brücken schlagen zu der analogen kirchlichen Lebenswelt. Deshalb würden wir uns freuen, wenn auch Leserinnen und Leser der UK beim nächsten Treffen dabei sind!“

Der Stammtisch, so meinen beide Pfarrerinnen, sei jedoch nicht mit der Absicht gegründet worden, ein bestimmtes kirchenpolitisches Ziel zu erreichen, sondern um einfach die Möglichkeit zum Treffen und zum Austausch zu bieten. „Beim letzten Mal gab es die Kleingruppe ,Wir trinken Bier‘“, erzählt Liebetrau. „Das reicht auch mal.“

Der nächste Stammtisch findet am Montag, dem 8. März, von 20 Uhr bis 21 Uhr 30 statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich: Link zur Teilnahme: https://juenger-westfalen-de.zoom.us/j/97204771856, Meeting-ID: 972 0477 1856

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Leser-Kommentare öffnen

Matthäus53, 7. März 2021, 14:29 Uhr


Vielleicht ist ein kirchlicher Stammtisch gar nicht die schlechteste Idee die ich an einem sonnigen Sonntag lese. Schließlich gibt es ja auch den fast biblischen Spruch der Bierbrauer: "Hopfen und Malz Gott erhalts !"
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ellybe, 2. April 2021, 19:32 Uhr


Zu "Digital Churchies" und "Treffen bei Zoom" möchte ich nur zwei wesentliche Sätze aus einem kurzen Artikel in der WAZ vom 31.3.2021 beisteuern:
"Videoanrufe und andere digitale Zusammenkünfte etwa per Zoom können kein Gefühl der Nähe schaffen. Das haben Sozialpsychologen der Universität Duisburg-Essen herausgefunden." -
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Ruckzuck, 3. April 2021, 7:57 Uhr


Was immer die Forscherinnen und Forscher herausgefunden haben, bei mir ist es anders. Ich genieße es sehr, Familie, Freunde und Gemeinde wenigstens per Video treffen zu können. Auch die Andachten finde ich schön. Gottesdienste sind mir oft zu lang.
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